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daß er niemals wieder kam oder erst, nach vielen, vielen Jahren, wenn sie alle alt, ganz alt geworden waren. Dann würde er seine Liebe zu Bell endlich verwunden haben, dann würde er niemand mehr lieb haben, als seine Schwester und dann würden sie zusammenbleiben, irgendwo, wo niemand sie kannte, Bi^ Eins von ihnen starb.

Liebe!

Das also war die Liebe! Mas größte Unglück auf der Welt, das einen treffen konnte. Immer mußte sie dar­über nachdenken. Warum hatte sich Herwarth verliebt? Warum hatte er sich davor nicht in Acht genommen? Wie gut war es für sie, daß sie sich nie, niemals verlieben würde. Aber niemals ganz bestimmt. Dazu war sie nicht geschaffen Gott sei Dank nicht. Ihr konnte so ein Unglück nicht widerfahren. Schpn deshalb, weil ein Mann überhaupt gar nicht in ihre Rühe kam.

Nur einer. Das war Herr Bennet.

(Fortsetzung folgt.)

Verliebte Thoren.

Von E. Osten.

(Nachdruck verboten.)

Deine Vorurteile verstehe ich nicht, lieber Egon", sagte Frau von Ruhland, indem sie ihrem Sohn einen strengen Blick zuwars und die Tasse Thee, welche sie eben erhoben hatte, Kirrend auf den Tisch stellte.Ihr seid euch doch nicht fremd. Im Gegenteil, ihr wäret die besten Freunde. Ihr spieltet als Kinder zusammen"

Ja, ich auf der einen Seite des Ententeiches und sie auj der anderen", unterbrach Egon seine Mutter, indem er sich ihr gegenüber in den niedrigen Korbstuhl setzte. Wenn ich mich recht erinnere, so trug sie kurze, kattunene Röckchen und ein Mauseschwänzchen von Zopf. Es war sehr schön! Aber wozu einen so schönen Kinder­traum zerstören?"

Ich bitte Dich, Egon, fei vernünftig! Dein Vater hoffte darauf, als ihr beide noch ganz kleine Dinger wart. Es schien so natürlich, daß eines Tages ein wär­meres Gefühl als Freundschaft zwischen euch erwachen würde."

Egon stand auf und trat ans Fenster. Einen Augen­blick fesselte ihn das Leben und Treiben unter den Lin­den. Dann wandte er sich wieder zu seiner Mutter.Was soll ich denn dort auf dem pommerschen Landgut. Ich bin für den Landjunker nicht geschaffen. Ws Bildhauer finde ich hier in Berlin am besten meinen Weg; Deine Pläne durchkreuzen die meinigen. Und wer zwingt mich denn, mit meinen 26 Jahren ins Ehejoch zu kriechen? Gewiß wir waren Freunde in der Kindheit, aber was will solch eine Kinderfreundschaft bedeuten. Jetzt muß sie 19 Jahre alt sein; seit vielen Jahren haben wir uns nicht gesehen, und Haven gar kein Interesse für einander."

Es' war ein Herzenswunsch Deines seligen Vaters, und !allles, was ich von Dir verlange, ist, daß Du eine Einladung zum Besuch ihres Landhauses annimmst".

Dieses Versprechen, Mutter, kann ich Dir nicht geben. Ich habe meine Studienfahrt nach Paris Dir zu Liebe aufgeschoben; in diesem Jahre weiß ich Dich bei den Reichenbergs gut ausgehoben, und so wirst Du mir nicht verübeln, wenn ich jetzt die vor langer Zeit geplante Reise unternehme. Wenn es sich nur um einen Besuch auf Schloß Reichenberg handelt, so wird man mich auch im Herbst oder int nächsten Jahre dort gern ausnehmen."

An einem sonnigen Morgen trat Egon mit seinem Skizzenbüch aus der Thür des Hotels Fürstenhof zu Lauter­berg. Seine Pariser Reise hatte in ihm den Entschluß sich ganz und gar dem Kunstlerberuf zu widmen, voll­kommen gefestigt. Der Anregung eines erfahrenen Freun­des folgend, hatte er sich einer Künstlersahrt nach dem Harz angeschlossen, um hier Naturstudien zu treiben. Schließlich hatte er in Lauterberg Rast gemacht, wo sich int Herbst seine Mutter zur Kur einfinden sollte.

Es war noch sehr früh. In dem dicksten Schatten hing der Tau noch schwer an Baum und Strauch, ivie Juwelen in der Sonne glitzernd. Als Egon das Ufer des Flusses erreichte, zündete er sich eine Zigarette an und stellte seinen Felbstnhl aus, um die am Tage zuvor begangene Arbeit sortzusetzen.

Guten Morgen!" sagte plötzlich jemand hinter seinem Rücken. Es war eine junge Dame, welche über seine Schul­ter auf das Skizzenbuch blickte. Sie trug ein weißes Musse­linkleid und einen großen, mit heiteren Blumen geschmück­ten Hut, welcher das Gesicht beschattete.

Egon zuckte zusammen.Ach Sie haben mich er­schreckt, Fräulein Eva, ick hatte @ie jetzt nicht erwartet."

Dann bitte ich um Verzeihung. Nicht wahr, es ist kornisch daß wir uns so oft begegnen."

Sehr komisch", sagte Egon lachend.

Wissen Sie", sagte das Mädchen,ich dachte heute früh darüber nach; ich glaube, wir kommen nur deshalb so gut miteinander aus, weil wir absolut nichts von ein­ander wissen. Die Leute, denen mau sonst begegnet, sind alle gleichsam etikettiert. Man weiß, wer jeder ist, Aber unser Verkehr ist wirklich originell. Sie könnten zum Beispiel ein Herzog oder ein Bankbeamter sein, es kommt gar nicht ein bischen darauf an. Darum eBen ist's so nett Ein Maler aber sind Sre gewiß nickst, sonst könnten Sie diesen verkrüppelten Baum nicht zeichnen, an dem garnichts Rechtes zu sehen ist."

Und Sie? wofür soll ich Sie denn halten?"

Meinetwegen eine Masckstnenschreiberin auf Ferien was Sie wollen.

Aber wollen wir nicht endlich das Inkognito auf­geben? Sie haben sich mir als Fräulein Eva vorgestellt gut! Aber daß Sie mich alsHerr Müller mit dem« Skizzenbuch" getauft, fängt mir hier an, unaugenehnt zu werden. Die Leute beginnen bereits, sich über uns lustia

braunen Augen tra1

,ist das wahr? Dars

ihr innig die HaN

Kleines Mädchen", sagte er.

ich es glauben?"

Sie antwortete nicht, doch sie senkte den Kopf etwas tiefer. Egon berührte eine ihrer Hände, die schlank und sonnengebräunt auf der Banklehne ruhten, mit {einen Lippen. .

Liebling", sagte er,wenn Du wüßtest, tote so ganz anders mir die Welt erscheint, seit ich Dich kenne. In diesen schönen Morgenstunden bist Du ein Teil meines Lebens geworden. Jeden Tag erwachte ich hier zu neuem Glück. Ich wußte nicht, wie schön das Leben ist, bevor ich Dich sah." ' .

Er fühlte die schlanken Finger in ferner Hand zittern. Sie blickte auf, und ihre Augen begegneten ben feinen, verschleiert, verwundert, und mit einem neuen Licht in ihren Tiefen, welches sie ihm schöner und lieber denn

zu machen."

Lassen Sie doch, das ist ja gerade amüsant. Sehen Sie, es ist nicht einmal wahrscheinlich, daß wir einander noch wieder begegnen. In einigen Tagen werden wir beide unseres Weges gehen. Ich! glaube kaum, daß totr uns Wiedersehen."

Es ist sehr unwahrscheinlieh", sagte Egon schwer- 1UUh,/Sie wünschen es am Ende auch gar nicht einmal

Was wünsche ich nicht?"

Nun, daß wir uns jemals Wiedersehen sollten."

Hm das habe ich mir noch garnicht überlegt."

Ach! Sie sind heute in wunderlicher Laune."

Streiten wir doch an diesem schönen Morgen nicht wer weiß, ob noch ein solcher wiederkehrt."

Mit einer Miene plötzlichjer Ueberraschüng fragte sie: Ist dies Ihr letzter Morgen hier?"

Egon sah sie vorwurfsvoll und traurig an:Ich glaube, ich sagte schon, daß meine Mutter hierher zur Kur kommt, und daß ich mich ihr dann ganz und gar widmen muß. Ich fürchte, wir werden uns nicht oft mehr sehen."

Wirklich? Verzeihen Sie, ich- halte es vergessen."-

Egon warf ihr einen schnellen Blick zu, doch sie sah träumerisch in die Baumzweige hinauf.

Er begann fein Skizzenbuch zuzubinden, und steckte das Zeichengerät in "bie Tasche, verdrossen zu ihr hinüber blickend. Das Mädchen faß da und schien ihn kaum ait- zusehen. Sie stützte das Kinn auf die Hände, in jener sorglosen Stellung, die ihm während der beiden letzten Wochen so vertraut geworden war.

Ich werde Sie vermissen", sagte sie plötzlich

Wenn es wirklich wäre" sagte Egon hastig. Und wie ihn nun ein warmer, leuchtender Blick aus ihren ' f, eilte er zu ihr hinüber und drückte >d.