Nr. 187.
1902.
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(Nachdruck verboten.)
Kinder des Ostens.
Original-Roman von Georg Buß.
(Fortsetzung.)
Tas Mschreibeu des Dokuments nahm geraume Zeit in Anspruch. Ungeduldig schritt Kalussoff, während Popows Jeder über das Papier flog, im Zimmer hin und her, zuweilen vor einem der Bücherregale stehen bleibend, und die Titel der Bände nervös überfliegend. In einem besonderen Gefach befand sich eine Sammlung stark abgegriffener Büchner und Broschüren, die ausschließlich zur Litteratur des pottttfchcn 3iuXH.ruttou1.u9 gryvrn.-. uut> vvh betten manche verboten waren. Neugierig zog er einige heraus, um sie flüchtig zu durchblättern. Als er das Titelblatt eines dieser Bände aufschlug, stutzte er, denn oben rechts stand in halbverblaßter Schrift der Name „Stephan Godunow".
„Merkwürdig", dachte Kalussoff, „wie mag das Buch hierher gekommen sein?" Sitte Frage schwebte ihm auf den Lippen, aber er unterdrückte sie, denn im Grunde genoinmen war der Name „Godunow" in Rußland kein seltener.
Endlich war die Abschrift fertig, und Kalussoff fuhr eiligst damit zu einer Autorität auf elektrotechnischem Gebiete, einem Professor der Hochschule, um über den Wert des Patentes Erkundigungen einzuziehen.
„Ter Akkumulator ist in der That neu und interessant', bekannte der Professor nach Durchsicht der Patentschrift, „aber nun zu sagen, ob er auch praktisch verwertbar ist, vermag ich nicht. Solche Erfindungen wollen auf ihre Verwendbarkeit einige Zeit geprobt werden. Jedenfalls muß Herr Popow ein sehr erfahrener und scharfsinniger Techniker sein, der sich eingehend mit der einschlägigen Materie beschäftigt hat."
Mit sehr gehobenen Hoffnungen empfahl sich Kalussoff. Sein «Entschluß war gefaßt, den Vortrag zu halten und das Geld an die Erfindung zu wagen.
Schon gegen Mittag des folgenden Tages teilte Ti- mitry seinem Freunde Ilja Popow seine Zustimmung mit.
Ein strahlendes Lächeln überflog Popows Gesicht, als er die fünfzehntauseud Rubel in Empfang nahm, und mit der Miene eines Mannes, der großen Ereignissen entgegengeht, reichte er Kalussoff die Hand.
„So werden wir denn mit vereinten Kräften, teuerster Freund, das Werk beginnen", rief er begeistert, „und mit ihm den Beweis liefern, daß auch Rußland auf dem Gebiete der Elektrotechnik Bedeutendes zu leisten vermag. Wir werden glänzend reüssieren, sage ich rd wir
werden unsere Auslagen "— eraus-
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uns ergiebt. Sie werden Ihren Pelzhandel an den Nagel hängen und nur noch der Ausveitung unseres Patents leben. Es gewährt mir aufrichtige Freude, gerade Sie, dem ich schon längst die aufrichtigste Sympathie entgegentrage, für meine Hdee gewonnen zu haben. Bitte, lassen Sie uns noch einige Stunden beisammen bleiben, indem Sio mir das Vergnügen erweisen, mein Gast bei Disch M sein."
,Zch bin entzückt über Ihren Vorschlag", versicherte Kalussoff. „Sie müssen doch schon längst empfunden haben, wie vorzügliche ich mich in Ihrer ausgezeichneten Gesellschaft fühle, und wie sehr ich Ihr außerordentliches Vertrauen zu schätzen weiß."
su-ta ui rrrm ,cyrirren pe oayru, ;ooap sie ^cyrsch- kin, der ihnen begegnete, lachend fiir Orest und PyladeA erklärte.
„Ich bringe Dir", sagte Popow, als sie in feine Wohl-, nung eingetreten waren, salbungsvoll zu Milrca, „einen lieben Gast, der heute gewissermaßen mein Kompagnon geworden ist, und ich bitte Dich zur angemessenen Feier dieses Ereignisses dafür so sorgen, daß wir während des Tiners einige Libationen in besonders edlem Nah darbringen können."
Sic lächelte, während ihre Augen erhöhten Glanz annahmen, denn aus den LVorten des Bruders hatte sie entnommen, daß die Fünfzehntausend in seinen Besitz gelangt ivaren. Mit unnachahmlicher Grazie reichte sie Kalussoff die Hand, ihn herzlichst willkommen heißend und ihren Dank für die herrliche Blumenspende aus»- sprechend.
„Tiefe Ueberraschung", rief sie aus, „als ich die wunderschönen Blüten vorfand. Kein anderer, als Ti- mitry Akimowitsch kann Dir diese Freude bereitet haben, dachte ich, und ein Blick auf die Karte überzeugte mich, daß ich recht hatte."
Lächelnd entgegnete Kalussoff, daß er nur das Sehnen der schönen Frühlingskinder nach ihrer Schwester erfüllt habe.
Tie angeregteste Stimmung herrschte bei Tisch Der Gast entfaltete einen Glanz in der Unterhaltung, daß Mi- lica nicht umhin konnte, ihn im stillen zu bewundern. Als er seine politischen Ideen entwickelte, sprang sie sogar in Entzücken auf, klatschte stürmische in die Hände und ergriff das Glas, um in perlendem Champagner aus die Verwirklichf- ung derselben anzustoßen. Auch Ilja Popow zeigte sich enthusiasmiert und beteuerte wiederholt feine Ueberein- stimmung, während er vorsichtig nach der Thür schielte, als ob er irgend einen Lauscher fürchte.
Man verließ den Spetsesaal, um in den anstoßenden Salons weiter zu plaudern. Die Unterhaltung ging zu heiteren Scherzen und Neckereien über, in denen Kalussoff unerschöpflich war. Lachend schilderte er, wie eine junge hübsche Chinesin zu Meimatschiu in der Mongolei, wo er vor einigen Jahren wegen des Pelzhandels geweilt^


