Weise in einer halben Million Ramnteileu Luft nicht mehr als ein Raumteil Säuredampf vorhanden wäre. Da- Mber sind von mehreren Forschern sehr viele eingehende und exakte Untersuchungen angestellt worden, hauptsächliche von den Chemikern der sächsischen Forstakademte in Tharandt. Ter im Jahre 1895 verstorbene Professor v. SchxoedM in Tharandt war der erste Kenner auf dem Gebiete, der sogen.Hüttenranchischäden". Schon sein Vorgänger Stöck- hardt hatte einen Hauptfeind der Pflanzen in der schwef­ligen Säure gefunden, die ja in den Verbrennungsgaseu der Steinkohle ziemlich reichlich vorhanden ist, weil die Kohle meist mehrere Prozente Schwefel enthält, und dieser beim Verbrennen schweflige Säure giebt .

v. Schroeder hat solche Rauchschäden sehr eingehend studiert, auch Schäden, welche durch Salzsäuredämpfe, ehe­mals zum Beispiel von Leblanc-Sodafabriken veranlaßt wurden. Er hat sich, hauptsächlich in früheren Jahren, mit dem Nachweis und der künstlichen Nachahmung solcher Schäden befaßt.

Nach feinem Tode wurden neuerdings im chemischen Laboratorium der Tharandter Akademie eingehende Studien über die Fabrikabgase und ihre Wirkung auf die Pflanzen, .über die Nachweisbarkeit solcher Schäden und ihre gesamte Beurteilung, vor allem auch, über die Feststellung der be­sonderen Arten von Rauchschäden und die Möglichkeit ihrer Abwehr oder Beseitigung unternommen. Durch ver­gleichende Experimente im Laboratorium wurden die Merk­male derchronischen", d .h. langsam, aber in großer Aus­dehnung vorkommenden, schleichenden Rauchschäden und die besonderen Ursachen der plötzlich, manchmal geradezu vernichtend in engerem Umkreis auftretendenakuten" Schäden ermittelt. Es hat sich dabei yerauAgestellt, daß ausgesprochen chronische Rauchschäden fast nur bei unseren großen Coniferenwaldungen durch die andauernden Belästi­gungen der schwefligen Sänre tn großen Verdünnungen, hauptsächlich in den Hellen Tagesstunden verursacht wer- beu. Die allerschlimmste Wirkung aber wird von Gasen verübt, welche Fluor einen dem Chlor ähnlichen chemi­schen Stoff, wenn auch in noch sv geringer Menge ent­halten. Dieses Element in seinen verschiedenen sauren Ver­bindungen (Fluorwasserstoff, Kieselfluvrwasserstvff und Fluorstlicium) ist der ärgste Feind der lebenden Zelle, für die grüne Pflanze außerordentlich schnell totbringend. Es erscheint gelegentlich in den Abgasen solcher Fabriken, welche fluorhaltige Mineralien oder Präparat« verarbeiten, so z. B. in den Schornsteingasen der Düngerfabriken, welche das bekannteSuperphosphat" erzeugen, bei Glasfabriken, welche Kryolith oder Flußspat verschmelzen, bei Emaille- sabriken oder Fabriken, welche direkt die sogenannte Flußf- säure oder Fluorwasserstoffsäure Herstellen, unter Umstan­den auch bei Ziegeleien, welche fluorhaltigen Lehm brennen. Diese Flußsäure ist an und für sich ein höchst gefährliches, in Wasser lösliches Gas, welches einzuatmen man sich sorg­fältig hüten muß, und welches selbst Kieselmineralien und Glas, also einen sonst den stärksten Säuren widerstehenden Stofs, leicht auflöst. Bei diesen Gasen bedarf es keineswegs andauernder Belästigung, um die zarten Pflanzenblätter und -Blüten schwer zu schädigen.

Es giebt Wohl Mittel, diese Fluorgase unschädlich zu machen; die Jndustriewerkstätten würden ja sonst sich nicht zu helfen wissen, und auf die Benutzung der Flußsäure müßte man einfach verzichten, wenn man nicht durch Wasservorrich­tungen die Gase vor dem Verlassen der Apparate oder Oefen und Schornsteine bis zu einem gewissen Grade reinigen könnte. Es ist natürlich versucht worden, dies durch Waschen mit Wasser oder mit Wasser und Kalk zu erreichen. Doch steckt wieder ein warnendesAber" dahinter: Schutzmittel giebt es, aber die Schutzeinrichtungen die Wasch-Vorricht­ungen für die äbziehenden Gase erfordern große Auf­merksamkeit und einen unproduktiven Aufwand an Mühe und Kosten, welcher nur zu leicht Anlaß, zur Nichtbeachtung giebt. Es ist ja nur allzu menschlich, im Drang der aller­notwendigsten Arbeiten im Jndustriegetriebe solche aus­schließlich zehrende, nicht aber ernährende Thütigkeit zu vernachlässigen, und das ist ja der Urgrund vieler Mängel, Schäden und Unfälle!

So geschieht es auch nicht selten, daß selbst bei technisch vollkommensten Einrichtungen und bei dem ehrlichen Willen der Fabrikleitung, solche Belästigungen und Schädigungen

der Nachbarschaft zu vermeiden, Anlaß zu bitterer Wäge gegeben wird. =

Nachlässige Betriebsführung oder rücksichtslose FaMÄ fetter zwingen allerdings die Bedrohten oder Geschädigte» ohne weiteres, den Schjutz der §§ 906 und 907 des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches und des § 20 der Gewerbe-Ord­nung für das Deutsche Reichl vom 21. Juni 1869 anzui rufen. Prof. Dr. H. W.

Gemeinnütziges.

Als zuträgliches, die Verdauung beförs derndes Mittel wurde erprobt, kurz vor und nach der Mahlzeit etwas Johannisbrot (etwa 12 Schoten) gut zu kauen. Hierdurch^ werden, nach! demPraktischenWegweiser"/ Würzburg, nicht nur Blähungen geheilt, sondern auch, in vorzüglicher Weise, namentliche bei etwas energischeni. Kauen/ die Zähne nach Einnahme der Mahlzeit gut gereinigt; dies dürfte auch! besonders für Kinder ein gut anzubringendes! Zahnreiniguugsmittel sein, welches nicht umständlich und kostspielig, dabei aber zuträglich und gesundheitsfördernd ist; nur das gute Kauen des Johannisbrotes muß ein ge­schärft werden.

Vermischtes.

Ein heraufziehendes Gewitter erfüllt bte Gemüter von vielen Tausenden mit Furcht und Schrecken. Man schließt ängstlich die Fenster, setzt sich scheu in einen Winkel und zittert und bebt dann bei jedem neuen Donner-, schlag. Aber nichts ist thörichter als Gewitter furchst. Wir schweben tagtäglich in größeren Gefahren, als es die sind, die uns vom Gewitter drohen. Die Gewitterfurcht, sagt Dr. Zimmermann in seinem Werke:Natzurkrast und Natur­gesetze" sehr richtig, ist eine thörichte, wenn sie auch, ive-, nigstens bei zartnervigen Personen, sehr zu entschuldigen' ist, da der betäubende Schlag, der einem nahe niederfahren-- den Blitze folgt, auch ganz kräftige Personen zu erschüttern vermag. Daß der Blitz töten könne, ist allerdings wahr; aber das hat er mit jedem fallenden Dachziegel oderBlumen-> topf gemein. Sollte man sich nun fürchten, in einer Stadt zu wohnxn, in welcher es Blumentöpfe und Dachziegeln giebt? Dann dürfte man überhaupt nicht ausgehen; denn man kann von einem Wagen gerädert, von einem bösen Pferde totgeschlagen, von einem tollen Hunde gebissen wer­den. Man dürfte dann aber auch nicht zu Hause bleiben, denn die Stubendecke oder das ganze Haus könnte einstürzen. Daß der Blitz Häuser anzündet, ist allerdings wahr; aber das hat er mit jedem Talglicht und mit jeder glimmenden Kohle gemein, und die bei weitem wenigsten Feuersbrünste entstehen durch den Blitz. Wäre es möglich, unsere tag­tägliche Feuersgefahr durchs Donner zu verkünden, es würde gar nicht aushören zu donnern, wir würden vom Geräusch! taub werden. Und nun erst, wie thöricht ist die Gewitter­furcht, wenn man an die Krankheiten denkt! Wir wollen nicht von Epidemien sprechen, nicht von der Cholera, son­dern von Nerven-, gastrischen und anderen Fiebern, von Lungenentzündungen, Ruhr rc. Es sterben in Berlin an diesen verschiedenen Krankheiten durchschnittlich in der Woche 300 Menschen; in 1500mal so viel Zeit, d. h. in 30 Jahren, ist in Berlin nur ein einziger Mensche vom Blitz erschlagen worden! Ist es da nicht höchst lächerlich!, sich vor dem Tod durch den Blitz zu fürchten? Das Verhältnis ist wie 468 000 zu 1. _____________

Wortspiel.

(Nachdruck verboten.)

Mit schönen frischen Eiern fand Ich eine Frau, die schwitzend stand Am Markt. Wieviel war meine Frage Für's Wort mit M der Preis betrage? Als ich zu teuer fand den Kauf, Da fuhr sie ganz entrüstet auf: Stets ist, kann ich auch schlecht nur lesen, Reell mein Wort mit W gewesen l Hier giebt es nicht mit H das Wort, Paßt's Ihnen nicht, so geh'n Sie fortl* (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r P o l a r m e e r.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlas der Brübl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.