Mee Mer freies Feld, ein Brausen wie Orgelklang und gedämpfter Trommelwirbel drang an ihr Ohr, man fuhr Mer eine große Brücke, unten donnerte ein Wasserfall Über Lin Wehr. Noch eine kurze Strecke Wegs! über ein holpriges Steinpflaster, dann blitzten ein paar verstreute Lichter auf und der Wagen rasselte in ein offenes Hosthor.
Ein feüchtwarmer Tun,st aus Wehställen und von massenhaft nassem Laub Und Kohl schlug den Ankommenden entgegen. Dunkel und verschwommen, zum Teil ganz hinter den großen, schwarzen Blätrerhaufen riesiger Baumgruppen versteckt, ragten die Umrisse des Gehöfts aus der Nacht heraus. Jetzt brach ein Lichtstrom aus einer Thür, in dem Line.Veranda aus roten Backsteinen mit einer Freitreppe auftauchte. Und aus dieser Veranda, mitten in dem Licht- strom, unter den breiten Blättern eines Nußbaumes, die sich blaßgrün, fast weiß gegen die schwarze Nacht albhoben, stand ein Mann, den Traute heute nicht erwartet hatte, hier zu sehen, Paul Lehmigke.
Geblendet von dem ungewohnten Licht, das von einer Stalllaterne aus der Veranda und von einer Lampe aus dem Hause kam, und etwas schwindelig von der langen Fahrt, taumelte Traute von ihrem hohen Sitz herunter.
Als Paul Lehmigke ihr hilfreich die Hand reichte, hielt sie dieselbe fest und sagte wärm mit unverkennbarer! Freude: „O, tote gut, daß Sie hier sind, es wäre unheim- li,ch gewesen, hier unter lauter Fremde zu kommen."
„Ich dachte, es ses Lesser, Sie persönlich in Ihren neuen Berus einzuführen", war die trockene Erwiderung und Paul Lehmigke war in Wahrheit einzig und allein aus dem Grunde gekommen, um den Damen von vornherein seinen Leuten gegenüber eine autoritative Stellung zu sichern. Als aber Traute ihn so herzlich begrüßte. Und die Ankunft der Damen plötzlich Leben und Bewegung in das öde, leere Haus brachte, fühlte er ein Wohlbehagen sich in seinem Innern erwärmen, das ihn in eine seltsam angeregte Stimmung versetzte. Wieder übte der Takt und das harmonische Wesen verfeinerter Lebensart der drei Damen einen Zauber aus ihn aus, den er kaum hätte definieren können, aber um so wohlthuender empfand.
Er war etwas besorgt gewesen, daß der neue Wohn- brt einen höchst deprimierenden Eindruck auf die ver- wöhnien Damen machen würde, aber diese waren entschlossen i, alles von der besten Seite anzusehen. Hulde Und Traute aus Grundsatz und Eifer für das neu zu beginnende Leben, und Frau Velten aus Höflichkeit und Takt- aefühl. Sie nannten alles gemütlich., urbehaglich! und idyllisch, selbst die häßliche Borderdiele mit dem Lackstei- Nerneu Fußboden, den weißgekalkten Wänden, die mit Jagdtrophäen und uralten, verdorrten Erntekronen geschmückt waren, die bäuerisch niedrigen Zimmer mit den grellbunten Tapeten, den unge strichen en Dielen und geschimacklos bemalten Decken, in denen Oelfarbe, Kleister und frisch gescheuerte Fußböden den muffigen Geruch der unbewohnten Räume nur teilweise betäubten.
„Wie herrlich", sagte Frau Velten, „hier ist Platz für all unsere Möbel, selbst für meine großen Wäscheschränke! M« «emütlich werden wir uns hier ein» richten I"
(Fortsetzung folgt.)
Vom Weltfrieden der Tiere.
Von Arnold Rohde.
Nachdruck verboten.
Die Welt ist vollkommen überall.
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
Der Mensch ist nicht der natürliche Feind der Tiere; erst die grausame Kultur hat ihn dazu gemacht. In bet Wildnis, an wenig besuchten Statten nähern sich viele Tiere, obwohl sie den Menschen ohne weiteres als oen, Stärkeren erkennen müssen, noch ganz zutraulich, ihrem tückischen Feinde, und häufig sind es gerade Die Vögel, welche in anderen Gegenden schleunigst beim Nahen des Menschen entfliehen, weil sie ganz genau lvissen, was sie von ihm zu halten haben.
, Als die Weißen zuerst die Inseln der südlichen Hemisphäre besuchten, fanden sie die Tiere daselbst ganz furchtlos. Manche Vögel, wie Pinguine und Albatrosse schenkten dem Menschen, der doch ein ganz neues Wesen für sie darstellte,
nicht einmal die geringste Aufmerksamkeit. Man ivollte das Nest des Älbätroß photographieren, und mußte den brütenden Vogel erst mit Gewalt vom Neste wegdrängen, um die Mer sichtbar zu machen. Er pickte da nur nach dem Mndringling, als wenn er diesen damit verscheuchen könnte.
Die merkwürdige Furchtlosigkeit der Albatroß-Arten, welche um so sonderbarer ist, da diese Vögel Flugkünstler ersten Ranges sind, und die Reisenden ans den Weltmeeren im eleganten Fluge fast wochenlang begleiten, ist schon sehr häufig von Beobachtern geschildert worden. Schon Plinius erzählt, die Vögel hätten die Hellenen besonders lieb; aber seinen Zusatz, daß sie andere Menschen mit Geschrei verfolgten, kann man nur als dichterische Erfindung betrachten. Man nannte sie damals Diomedes-Vögel, denn die Fabel erzählte, daß sie durch Verwandelung der Gefährten des Diomedes entstanden seien. Dem Vogel fehlt es nicht an einem geeigneten Werkzeug, sich zu verteidigen, wenn er angegriffen wird; denn er besitzt nicht nur mächtige Flügel, sondern einen großen, kräftigen Raubtierschnabel. Aber es scheint, daß er die Tücke der Menschen gar nicht begreifen will. Die Matrosen machen sich häufig den Spcch den gemeinen Albatroß, wenn er das Schiff umkreist, mit einer Angel zu fangen, und aufs Deck zu ziehen, wobei sie als Köder ein Stück Fleisch oder Speck benutzen. Er läßt sich dann alle Neckereien ruhig gefallen, und erst wenn es ihm gar zu ungemütlich wird, beginnt er sich mit seinem Schnabel zur Wehr zu setzen, genau wie ein treuer Haushund, der eine ganze Portion Spaß vertragen kann, aber doch auch einmal zubeißt, wenn es gar zu toll wird. Läßt man den gekränkten Älbätroß aber frei, so geht er doch wieder an die Angel — so grenzenlos vertrauensselig ist das Tier.
Noch furchtloser benehmen sich die Tiere auf ihren Nistplätzen. In einem vom Baron Walter Rothschild herans- gegebenen Werke erzählt Heinrich! Palmer, er habe beim! Betreten der Insel Laysan, welche zu den einsamen, nordwestlich von den Sandwich-Jnseln gelegenen Koralleninseln gehört, eine so ungeheuer große, unübersehbare Schar dieser dichtgelagerten Vögel gesehen, daß er durch dieses ganz ungewöhnliche Schauspiel völlig frappiert gewesen. Die Vögel blieben sämtlich ruhig an ihrem Platze sitzen. Als dann Palmer in Begleitung des Direktors Freeth von der Guano-Gesellschaft den Brutplatz besuchte, mußte ein Junge vorausgeschickt werden, um durch die dichten Vogelscharen einen Weg zu bahnen, denn das ganze weit ausgedehnte Terrain war buchstäblich mit Albatrossen gepflastert. Es war der weißbrüstige Bogel, welchem sein grenzenloses Zutrauen zum Menschen — denn er läßt sich von diesem mit Händen greifen — den Namen „Dummkopf" eingetragen hat.
Darwin erzählt, daß auch die Tauben auf einer von ihm besuchten Insel garnicht begreifen wollten, daß fie im Menschen einen Feind zu sehen hätten. Die Vögel konnten weitergeschoben werden, ehe sie sich rührten, und versuchten sogar, sich den Menschen auf den Kopf zu setzen. Im Kerguelen-Land flogen die Vögel in einem der aus- gedehnten Krähenhorste nicht empor, wenn Menschen kamen, sondern verteidigten vielmehr ihr Gebiet und pickten auch wirtlich so heftig auf die Eindringlinge los,, daß sie diese zum Rückzug zwangen. Hätten sie je zuvor einen Menschen gesehen, wären sie gewiß nicht so mutig gewesen.
Der große Alk, welcher früher sehr häufig an der nordöstlichen Küste Amerikas vorkam, hakte so großes Vertrauen zu dem Menschen, daß er mit einem Knüttel niedergeschlagen werden konnte.
Charles F. Holder weiß noch von einer Reihe ähnlicher Beobachtungen zu berichten. Vor einigen Jahren besuchte er eine Stelle an einem im Meere gelegenen Felsenriff Floridas, wo eine Seeschwalbe nistete, und fand die Vögel bemerkenswert zähm; sie befanden sich in so großer Anzahl -auf dem Felsen, daß sie eine schwarze Wolke über demselben bildeten, welche zu Zeiten in einer Entfernung von drei Kilometern sichtbar war. Als er landete war das Geschrei der Taufende von Vögeln so laut und hielt so lange an, daß die menschliche Stimme kaum vernehmlich wär, ferbft wenn man laut rief. , Als Holder dann einmal aus Leibeskräften schrie,, schwiegen die Vögel sämtlich einen Augenblick, augenscheinlich, um zu horchen, worauf das fürchterliche Getöse von neuem begann. Diese Vögel wären so zahw, und flogen so dicht an seinen Kopf heran, daß er sie fast, berühren konnte, ja,


