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»erklärte Frau Ulten, „mit denen sie für den Mietzins haftbar sind. Nm giebt es ein Gesetz, daß man nicht mehr Hand an ihre Sachen legen darf, sobald sie aus dem Haus und jenseits der Lrottoirs sind. Da muß man scharf aufhassen."
Ms Armin nah Hause kam, wurde er lebhaft mit Fragen wegen seiner neuen Bekanntschaft bestürmt. Man fühlte sich so verloren und verlassen in der fremden Stadt, die erste Bekanntschaft war doch ein Anhaltspunkt, eine Beziehung zu dem unheimlich Unbekannten umher.
„Er ist ein Graf Stauffen, ein Landsmann, der einzige passende Umgang in meiner Klasse, die anderen sind alle echt Leipziger Spießer", erklärte Armin mit preußischem Nationalstolz. „Und denkt Euch, er war schon in der Wiege mit Lori Trachenberg, der einzigen Tochter vom Fürsten Trachenberg, verlobt."
Huld-e und Traute fänden diesen Umgang ebenfalls sehr passend und die Verlobung sehr romantisch. Sie wunderten sich nur, daß er noch auf der Schulbank säße, und erhielten die nötige Erklärung.
Als Traute hörte, wie ihr Anblick ihn in Ekstase versetzt hatte und daß er fast mit dem Kopf durch die Scheiben gefahren war, um sie zu sehen, lachte sie erfreut und geschmeichelt. Tie großen Aristokraten, die alles das besaßen, was ihr von Jugend an als das Begehrenswerteste hingestellt war, hatten für sie stets einen märchenhaften Zauber. Ihre warmblütige Phantasie beschäftigte sich gern mit einem Jdeälprinzen, ähnlich denen, die einst im Hause ihres Vaters verkehrt hatten und die den Glanzpunkt der Familienerinnerungen bildeten.
Frau Belten freute sich ebenfalls, daß ihr Sohn „Passenden Umgang" gefunden hatte. Sie kannte einige Glieder der Familie Stauffen Persönlich und wußte ganz genau, daß die Stauffens eine der ältesten und reichsten Familien des Landes waren.
(Fortsetzung folgt.)
Unser Garten im Juni.
(Nachdruck verboten.)
Der Juni bietet den letzten Zeitpunkt, um alles das auszupflanzen, was bislang noch nicht ausgepflanzt war. Wo ein Beet frei wird, sei es, daß man Radies, Kohlrabi, Salat oder, etwas abgeerntet hat, da wird es schnell wieder bepflanzt oder besät mit Erbsen, Bohnen, Winterkohl, Karotten für den Herbstbedarf, Endivien. — Bon den Endivien sät mau in der ersten Mitte des Mai nur die krausblättrigen Sorten. Sie entwickeln sich schneller und sind nicht so dauerhaft als die glattblättrigen, können daher im Herbst nicht lange ausbewahrt werden. Bon Winterrettig sät man in der ersten Hälfte des Monats nur wenig —- -gewissermaßen die Probe — nachher mehr.
Man muß die Stangenbohnen anranken, auf Salat- beeten den Trahtwürmcrn nachstellen, Winterkohlarten pflanzen und kräftig wachsende Gurken zum ersten Mal flüssig düngen — nachdem sie vorher gehörig verzogen sind. — Tas Verziehen dichter Saaten ist übrigens bei allen Gemüseaussaaten notwendig!
Tie wichtigste Arbeit besteht in häufigem Hacken, Jäten, Düngen und Wässern . Am 24. des Monats hört die Spargelernte auf. Nun wird das Düngen des Spargels, das Niederkämpfen des Ungeziefers mit voller Wucht betrieben!. Komposthaufen, Misthaufen verlangen ebenfalls Pflege, die ersteren öfteres Umsetzen, die letzteren öfteres Anfeuchtn, damit die Stoffe sich nicht durch Erhitzen und Trockenwerden des Düngers verflüchtigen.
Ob der Frost im Obstgarten alles vernichtet hat, noch wissen wir es nicht niit Sicherheit. Es scheint aber, als wenn in den geschützteren Lagen mehr durchgekommcn wäre, als erwartet worden ist. Auf jeden Fall müssen wir im Juni an die Düngung unserer Obstbäume denken und denen, die nichts tragen, reichlich Phosphorsäure geben, den anderen mehr Stickstoff und Kali. Der Grünschnitt an den Formbäumen nimmt was Interesse und unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Wildtriebe an den Veredelungen sind zu entspitzen, Erdbeeren zu entranken, nur Monatserdbeeren entrankt Man nicht, weil ihre Ranken die Haupternte bringen. Alle, Erdbcerbeete müssen dringend mit einer Schicht strohigen Düngers bedeckt werden, damit die Früchte darauf gut reifen und nicht faulen. Das Entspitzen des Wein
stockes, das Geizen desselben ist ebenfalls dringend notwendig.
Die Rosenbeete werden mit einer Schicht verrotteten Tungs bedeckt oder es wird ihnen eine Torfstreuschicht gegeben, der vor dem Aufstreuen 40prozentiges Kalisalz Doppelsuperphosphat und etwas Chilisalpeter beigemischt war . Nach der Blüte den Sommerschnitt der Rosen nicht vergessen! Alle Wildlinge, die veredelt werden sollen, biegt man so weit nieder, daß der höchste Punkt die zukünftige Veredelungsstclle bildet. So wird an diesem Punkte gutes Lösen erzwungen. Man kann schon ans treibendes Auge veredeln. — Die nötigen Vorarbeiten werden bekannt sein. — Dahlien, Malven, Gladiolen muß man anbinden, Nelken absenken, Goldlack, Winterlevkoyen aussäen, alle einmal- blühenden Rosen — Kletterrosen, Moosrosen, Centifolien usw. nach der Blüte ganz energisch schneiden. Es beginnt der Schnitt der Zier- und Schutzhecken. Gießen, Anbinden und Spritzen sind die Hauptmomeute bei der Zimmerpflege. An jedem warmen Morgen muß man spritzen und am Abend das Spritzen wiederholen. Bei kaltem Wetter spritzt nian nicht. Im Zimmer bilden Bestäuber und Auflockerungsholz die Hauptinstrumente bei der Pflauzenpflege. Mindestens alle 14 Tage ist die Erde der Töpfe auszulockern, auch zeitweiliges Düngen mit Nährsalzen ist nicht zu vergessen. Es geschieht dies, indem wir vor dem Auflockern einige Gramm Nährsalz aufstreuen und dasselbe beim Auflockern mit unterspateln. Tas Stecklingmachen von Kakteen, Fuchsien, Abutilon und Pelargonien rc. soll unseren Vorrat an Pflanzen vermehren. Alle Stecklinge wachsen leicht, sobald sie schattig ausgestellt sind und genügend feucht gehalten werden. Tas Heranziehen von Pflanzen im Sommer ist insofern von großer Bedeutung, als uns die Stecklingszucht im Sommer Pflanzen liefert, die bis zum Herbst hin nicht allein einen Flor geben, sondern auch so kräftig entwickelt sind, daß sie vorzüglich durch den Winter kommen.
I. C. Schmidt, Erfurt.
Die Hautflechte.
Von Dr. Wilhelm T e s ch e n (Berlin).
(Nachdruck verboten.)
Viele Laien und selbst wissenschaftlich hochstehende Aerzte betrachten die Hautflechte, dieses so ungeheuer verbreitete Leiden lediglich als eine Hautkrankheit und behandeln sie demgemäß, das heißt äußerlich. Das ist ein Irrtum, dem int Interesse aller an dieser Krankheit Leidenden entschieden widersprochen werden muß. Tie Flechten siild eine Krankheit, die im Innern des Organismus ihreu Ursprung haben, im Blute des Menschen; sie gehören zu d en sogen. „B l u t e n t m i s ch u n g s k r a u k - h-eiten". Ich weiß, viele moderne Merzte lieben diesen Ausdruck nicht, besonders die Anhänger Virchows- Es bleibt sich aber für die Sache ganz gleich, ob man von einer Blutentmischung oder nach Virchow von einer Z e l l e n erkränk- ung spricht.
Unter Blutentmischung, Dyskrasie, versteht man beit Zustand des menschlichen Organismus, wo der Stoffwechsel nicht mehr normal ist, wo die naturgemäße Verwandlung der aufgenommenen Nahrungsmittel nicht gehörig vor sich geht. Tie unausbleibliche Folge dieser chronischen Verdauungsstörung ist eine Entmischung, Entartung des Blutes. Das Blut hat nicht mehr seine normale Beschaffenheit, es ist nicht mehr imstande, alle Stoffe zu verwerten oder naturgemäß auszuscheiden.
Aus dieser Beschaffenheit des Blutes können entstehen: Tie Gicht, wo die Harnsalze zu wenig ausgeschieden werden, die Tuberkeln und Skropheln, wo dem Blute Eisen mangelt, und schließlich die Flechten und Hämorrhoiden, wo das Blut zu kohlenstoffhaltig ist. Leider sind alle Blutentmischungskrankheiten sehr erblich. Eltern, die an Dyskrasie leiden, bekommen meistens nur Kinder, die mit schlechten Blutbildun-gsstättcn ausgerüstet sind. Erworben wird die Dyskrasie durch die moderne Lebensweise. Personen, die in schlecht gelüfteten Räumen wohnen oder arbeiten, die andauernd schlechte, unzureichende Nahrung zu sich nehmen, Gelehrte, Beamte und Kaufleute, die zuviel am Schreibtisch sitzen, Frauen und Mädchen, die zu lange am Nähtisch oder an der Nähmaschine arbeiten, kurz alle Menschen, die sich nicht genügend in der frischen freien Luft bewegen, werden mit der Zeit chronisch b lut-.


