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existieren, in erster Reihe durch die Einnahmen, die ihm aus den verschiedenen Untersuchungen zufallen; sein Etat beträgt ca. 75 000 Mark, der Staat braucht hierzu jedoch wenig beizutragen, da das Institut auch vom Auslande vielfach um Prüfung und um Uebersendung der verschie­denen Sera angegangen wird.

In Glasgefäßen liegen Weiße Mäuse, sie sind mit Rotlaufgift infiziert, hier sind Ratten, an denen die Tuberkulose erprobt wird, dort Kaninchen, die sich ganz besonders für Blutuntersuchungen eignen; ein Diener hält zwischen beiden Händen langgestreckt ein Meerschweinchen, der Herr Professor injiziert ihm zuerst Tiphtheriegift und unmittelbar darauf das Gegengift, er macht dieses Experi­ment in abweichenden Tosen an verschiedenen Meerschwein­chen, um so eine Jmmunitätseinheit zwischen Wirkung und Gegenwirkung auszuprobieren. Tie Tiere zeigen an einzelnen Körperteilen künstlich hergestellte bunte Flecke; die Lage und Farbe dieser bunten Stellen werden genau rubriziert, sie markieren, welche Gifte und Gegengifte, welche verschiedene Tosen den sogenannten Versuchsobjekten beigebracht wurden. Der Laie sieht sich von Wundern umgeben, er kann nur empfinden, daß hier Großes er­sonnen wird zum Heile der Menschheit. Ich bin ein mit­fühlender Mensch, das Schicksal der Mäuse, Ratten und Meerschweinchen, für die mancher so viel Mitleid em­pfindet, ließ mich unberührt, und ich mußte an Professor Koch, den Großmeister der Bakteriologie, und an alle jene Forscher denken, die unter den höchsten Gefahren, mit einem antiken Heroismus, in allen Ländern die Seuchen­herde von Pest, Cholera, Malaria usw. aufsuchen, in ihnen sich aushalten und arbeiten; sie setzen ihr Leben nicht aufs Spiel der Lust wegen, an Tieren herumzuexperi­mentieren, sondern beseelt von dem eisernen Drangs, der Wissenschaft und der Menschheit zu dienen. A. H.

Weihnachtsbncher.

DaS corpus delicti." Erzählung von Marie Bernhard. (E. Pierson's Verlag, Dresden. Preis Mk. 3..) Die beliebte und gefeierte Verfasserin von Ein Gottesmann",Die Kinder",Verkauft und ver­loren" und so vielen anderen wirkungsvollen Romanen bewährt auch in dem vorliegenden Buche die Vorzüge ihrer (glänzenden Schreibweise und die in seltenem Grade ge- teigerte Fähigkeit, wirkliche Menschen lebendig und glaub­würdig vor uns hinzustellen. Tie Charaktere werden in deutliche Beleuchtung gerückt, Schatten und Licht mit Meisterhand verteilt und der Leser vom ersten bis zum letzten Worte gefesselt. So dürfte auch dieser Roman Marie Bernhards den Ruhm der Verfasserin mehren und ihren ansehnlichen Leserkreis noch bedeutend erweitern.

Theuriet, A Die Stiftsdame. Roman aus der Zeit der französischen Revolution. Autorisierte Ueber- setzung von Karl Muth. Mit einer biographisch-litte- rarischen Einleitung und dem Bildnis des Verfassers. 268 Seiten. Oktav. Broschiert Mk. 3.20, eleg. geb. Mk. 4.. (Verlagsanstalt Benzrger u. Co., Einsiedeln.) Dieser Ro­man führt den Leser in die bewegte Zeit der französischen Revolution, die mit allen ihren Schrecken und Greueln an unserem geistigen Auge vorüberzieht. Sie bildet den gewaltigen Hintergrund zu einem Riesengemälde, in dem die Stiftsdame als Hauptperson figuriert. Und das Schick­sal dieser edlen Frau ist es auch, was das Interesse des Lesers von Mfang an in Spannung hält und ihn nicht eher verläßt, bis sie aus dem Schaffst geendet, d. h. bis zum Schluß.

Frau Treue. Geschichten aus der Geschichte von Johannes Dose. Buchschmuck von Professor Seyffert. Deh. 5 Mk., Prachtband 6 Mk. Leipzig, Sächsischer Volks- schriften-Verlag.) Ter durch die Güte seiner Ausgaben rühmlichst bekannte Sächs. Volksschriften-Verlag bringt mit dieser christlichen Erzählung aus der Folgezeit des 30jäh- riaen Krieges eine ganz außerordentliche Bereicherung des Büchermarktes. Tas Werk bietet zuerst chronikartige Bilder aus der Geschichte der nordöstlichsten Grenzstadt unseres Landes, der Stadt Hadersleben, die man füglich mit dem TitelVon Geschlecht zu Geschlecht" bezeichnen kann, und zuletzt eine Geschichte aus den fünfziger und sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts, als Dänen, Schweden, Brandenburger

und Polacken sich in unserem Lande bekriegten und des Jam­mers kein Ende nehmen wollte. In schöner Sprache und großer Plastik sind die damaligen Vorgänge gezeichnet, welche unser Volk bewegten, und das ganze ist ein vortreff­liches Kulturbild.Frau Treue" ist ein Buch fürs deutsche Haus, wie es deren nur wenige giebt, ein Buch für unsere deutschen Frauen und Mädchen.

Im Kampf um Südafrika, das abschließende Werk über den Burenkrieg, an dem die ersten Staatsmänner und die Generale der Buren mitwirken, beginnt soeben zu er­scheinen. Wie vieles, was dunkel vor uns lag, findet hier die einfache Erklärung und wenn auch durch die offenen Urteile der Buren manche Illusion zerstört wird und wir erkennen, daß auch die Buren ihre Fehler hatten, so lernen wir doch auch die unverwüstliche Kraft kennen, die in diesem Volke schlummerte und die erst frei wurde, als die furchtbarsten Schicksalsschläge über das Land hereinbrachen und die höchsten Leistungen verlangten. Krüger giebt in schlichter, aber gerade dadurch doppelt wirksamer Weise eilt Bild seines Lebens und seiner Arbeit für sein Vater­land. Er zeigt, wie England alles gethan hat, um die Freiheit der Burenstaaten zu Grunde zu richten, und wie diesen schließlich nichts übrig blieb, als das Schwert ent­scheiden zu lassen. Ter Kampf der Transvaaler wird von General Ben Viljoen, einem der schneidigsten Buren, ge­schildert. Er führt Schwert und Feder gleich scharf und schonungslos deckt er auch die Fehler auf, an denen die Burenrepubliken gelitten haben. Mit diesem hochinter­essanten Baud beginnt die Lieferungsausgabe zu erscheinen, Ter dritte Band giebt ein treffliches Lebensbild des Präsi­denten Steijn und schildert dann die Züge von Te Wet und die Kämpfe der Freistaater. Dieser Band ist von Feld­prediger Kestell geschrieben, der den großen Krieg mitgemacht und oft auch hervorragenden Anteil an den politischen Ver­handlungen genommen hat. So werden die Gründe, welche die Buren zum Abschluß des Friedens bestimmten, hier zum ersten Male klargelegt und zwar an Hand des vom Verfasser selbst geführten Protokolles von Vereeniging. Auch Kitcheners mündliche Versprechungen, die Kestell stenogra­phierte, werden hier zum ersten Male mitgeteilt. Ter vierte Band schildert die Einfälle von M. Te Wet, van Toor- niks, General Smuts und anderen an der Kapkolonie und beleuchtet die dortigen Verhältnisse in meisterhafter Weise. Das Gesamtwerk kostet 28 Mk., die einzelnen Bände, elegant gebunden, 6 Mk. und 8 Mk. (I. F. Lehmanns Verlag, München.)

Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre. Von Felix Au erb ach. Mit Abbildungen. (Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinver­ständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens, 40. Bändchen.) Verlag von B. G. T e u b n e r in L e i p z t g.

Das Büchlein stellt eine zusammenhängende, für jeden Gebildeten verständliche Entwickelung der Begriffe dar, die tit der modernen Naturlehre eine allgemeine und exakte Rolle spielen; es sind das die Begriffe von Raum und Zeit und der aus ihnen sich ableitende Begriff Bewegung, die in ihren Mannigfaltigkeiten untersucht wird; die Begriffe von Kraft und Masse und, int Anschluß an letztere, die all­gemeinen Eigenschaften der Materie; sodann die Begriffe Arbeit und Energie; endlich als letzter und modernster Be­griff: die Entropie. . r m

Ihren eigentlichen Inhalt gewinnen diese Begriffe erstj durch die allgemeinen Sätze, die sich von ihnen aussagen lassen und die man Prinzipien nennt. So sind denn diese ebenfalls entwickelt, besonders ausführlich natürlich die Er­haltung der Energie und die Vermehrung der Entropie, da diese beiden Prinzipien allem Naturgeschehen die allgemeine Grundlage und Direktive geben. Die Anschauung ist durch zahlreiche Figuren erleichtert, auch sind vielfach Beispiele und Zahlentabellen der wichtigsten Größen beigegeben. Ter Verfasser hat sich mit Erfolg bestrebt, oen Stoff jedermann verständlich zu machen und sich dabei gleich weit entfernt zu halten von weniger verständlicher, allzugroßer wissen­schaftlicher Genauigkeit wie von Oberflächlichkeit. Tas! Bändchen kann zur weitesten Verbreitung empfohlen werden^

Auflösung des Tauschrätsels in Nr. 179: Beil, Feder, Mehl, Reiter, Hohn, Born, Vase, Eier, Nagel. Beethoven.

Redaktion: Curt Plato RUaticmLdiuck und Berlaa der BrL blichen UnlverkNktS.Bnch« und Cteindruäerei (Pietsch Erben) in Gießen.