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Zungen hingebreitet, und man ist zugleich erstaunt, über die Bereitwilligkeit Napoleons, mit welcher er dem englischen Arzte Rede steht. Es folgen dann die

Memoiren des General Rapp. (Adjutanten Napoleon I.) Bon ihm selbst erzählt. Uebertragen und bearbeitet von Oskar Marschall von Bieberstein. (Brosch. 6 Mk., geb. 7 Mk. 50 Pf.) Rapp, geb. in Colmar 1772, ist bekannt durch die Belagerung Danzigs. Auf dem denkwürdigen Feldzuge von 1812 begleitete er Napoleon ebenfalls als Adjutanten. Packender ist wohl dieser entsetzliche Rückzug aus den Eisgefilden Rußlands nie geschildert worden als durch Rapp. Die Memoiren bieten für den Geschichtsfreund unendlich viel des An­regenden, und werden gewiß gern von allen, die sich für jene hochinteressante Zeitepvche interessieren, gelesen werden. Won den Frauen aus Napoleons Zeit ragen als erste die Kaiserin Iosephine und neben ihr die Gr o ß h e r zo g i n S t e s) h a n i e v o n B a d e n her­vor, denen folgende Werke gewidmet sind:

Die verstoßene Josephine, 18091814. Won Friedrich Mas so n. Uebertragen und bearbeitet von Oskar Marschall von Bieberstein. Reich illu­striert. (Brosch. 6 Mk., geb. 7,50 Mk.) und

Stephanie, Großherzogin vonBaden. Eine Adoptivtochter Napoleon I. Nach Aussagen von Zeitgenossen und bisher unveröffentlichten Dokumenten. Won Joseph Turquan. Uebertragen und bearbeitet von Oskar Marschall von Bieberstein. (Bvosch. 3ch0 Mk., geb. 4,60 Mk.)

Masson, Unstreitig der beste Kenner des napoleo­nischen Zeitalters, entwirft ein wenig schmeichelhaftes Bild von der ersten Kaiserin der Franzosen. Zwar nennt sie auch der besonnene Turquankenntnislos, ohne Geist, ohne Charakter, überraschend durch ihren Mangel an Moral"; aber Masson scheint doch etwas animos gegen sie zu sein, jedenfalls kommen die entlastenden Momente bei ihm nicht gebührend zur Geltung. Napoleon und noch mehr der Prinz Karl von Baden, die Gemähte der beiden Damen, werden als gutmütige, blindverliebte Tölpel dar­gestellt. Josephine nimmt zum Besuch ihres Gemahls in Italien ihren geliebtenCharles" mit, während Stephanie als Braut des badischen Prinzen sogar ihren kaiserlichen Adoptivvater am Narrenseil oer Verliebtheit zu gängeln weiß. Indessen wurde die letztere durch die Schule des Unglücks gewitzigt; sie machte sich frei von Eitelkeit und Oberflächlichkeit, sie gewann ein Verständnis für ihre hohen Pflichten; wußte sie doch was Turquan nicht erwähnt die Achtung eines so hohen Mannes, wie der Ge­schichtsschreiber Schlosser einer war, zu gewinnen. Jo­sephine blieb dagegen vergnügungssüchtig, gedanken- und herzlos bis an ihr Ende; ihr scheint wirklich jeder edlere Kern gemangelt zu haben. Turquan weiß durch geschickte psychologische Entwickelung des Charakters zu fesseln, sodaß man sogar sein nicht seltenes moralisieren­des Räsonnement gern mit in den Kauf nimmt.

Weihnachtsbücher.

Die Karikatur der europäischen Völker, von I. Fuchs und Hans Krämer. Mit 500 Illustrationen und 60 Beilagen in Schwarz- und Farbendruck. (Verlag A. Hofmann & Co., Berlin SW. 22,50 Mk.) lieber dieses Werk, das bereits nach kaum einem Jahre in zweiter Auf­lage vorliegt, schreiben dieBlätter für Bücherfreunde": Mit vollem Recht darf der Verfasser dieses epochemachen­den Werkes im Vorworte seines Buches behaupten, er habe keinen Vorgänger in der deutschen Litteratur. Es ist die erste und, wie man zugleich sagen kann, auch eine er­schöpfende Darstellung des Gegenstandes, der schon fo lange eine systematische, die historische wie ästhetische Seite gleich­mäßig berücksichtigende Behandlung gefordert hat. Unermeß­liche Schwierigkeiten stellten sich dieser Riesenarbeit ent­gegen, aber der praktische Sinn, die umfassenden Spezial­kenntnisse und der unermüdliche Fleiß des Verfassers haben sie besiegt. Es' galt das gewaltige Material von etwa 68000 Karikaturen aller Art zu prüfen, zu sichten und die von der Spreu gesonderten Goldkörner unvergänglicher Satire übersichtlich zu ordnen. Nicht nur eine Geschichte der Karikatur hat Eduard Fuchs geschrieben, sondern er hat zugleich auch eine Darstellung der europäischen Geschichte

im Lichte der Karikatur geliefert und stch somit ein doppeltes Verdienst erworben." Weiterhin wollen wir zur Empfehlnug »dies, für den Weihnachtstisch ganz besonders geeigneten Werkes hier noch den Schlußpassus einer Kritik anführen, die der beste Kenner der Geschichte derKari­katur, Professor H. Schneegans in Würzburg (Verfasser der berühmtenGeschichte der grotesken Satire") in der ZeitschriftTer Lotse" über unser Kärikaturenwerk ge- schrieben hat:. . . . Mit dem Jahre 1848 schließt seine Darstellung ab. Sie ist ungemein lehrreich und außer­ordentlich interessant. Tie ganze Weltgeschichte, und nicht bloß die politische, die Geschichte der Sitten und Gebräuche, der Anschauungen und Gedanken, der Moden und Manieren, zieht in grellen Bildern an uns vorüber. Ganz besonders dankbar wird es jeder, der das Buch in die Hand nimmt, begrüßen, daß Verfasser und Verleger es so reich mit Bildern ausgestattet haben. Sie sind so zahlreich, daß nicht einmal alle im Texte erwähnt werden, und durchweg ebenso glücklich gewählt als trefflich wiedergcgeben. Der Stil des Buches ist geschmackvoll, lebhaft, geistreich. Man merkt jeder Zeile an, daß der Verfasser in seinem Stoff lebt und mit der größten Liebe seinen Gegenstand behandelt. Wir hätten nur den einen Wunsch: möge uns Fuchs recht bald in einem zweiten Bande die Geschichte der Karikatur vom Jahre 1848 bis in die Gegenwart vorführen. Tie Mmpse der Revolution, der siebziger Krieg, die Zeit der Einigung Deutschlands und die Ausgestaltung des Reiches haben eine Menge der interessantesten Karikaturen hervorgebracht. Sie könnte keinen besseren Geschichtsschreiber finden als Fuchs. Er möge die neue Arbeit nicht scheuen! Tas deutsche Publikum wird es ihm um so mehr danken, als es nach diesem ersten Band ganz gewiß begierig sein dürfte, zu er­fahren, wie Deutschland, das bis 1848 noch keineswegs in der Karikatur hervortrat, allmählich dazu kam, in der Karikatur den Rang zu erobern, den es geiviß jetzt auf diesem Gebiete einnimmt."

Luther als Erzieher. (208 S.) Berlin, Martin Warneck.

Volks-Kalender des Lahrer hinkenden Boten für 1903. (160 S.) Lahr, I. H. Geiger.

Nonce Casanova, Messalina, Roman aus der römischen Kaiserzeit. (279 S., Budapest, G. Grimm. 3. Mk.

Schulze-Smidt, Bernhardine. Aus dem goldenen Buche. Eine Geschichte in zwei Teilen für die reifere Ju­gend. (406 S. Mit 6 Tonbildern.) Bielefeld, »clhagen und Klasing. Elegant gebunden.

Kinderlust. Ein Jahrbuch für Knaben und Mädchen^ herausg. von Frieda Schanz. (200 S. Mit 12 bunten Voll­bildern.) Ebda. gebd.

Rhoden, Emmy v. Der Trotzkopf. Eine Pensions­geschichte für erwachsene Mädchen. (266 S. Illustriert von August Mandlick.) Stuttgart, Gustav Weise, gebd. 4,50 Mk.

Ernst, Adolf Wilhelm. Lenaus Frauengestaltem (404 S.) Stuttgart, Carl Krabbe, eleg. geb. 6, Mark.

Lenau's Gedichte. (441 S.) Ebda. Liebh. Einb< 3, Mark.

Burggraf, Julius. Goethe und Schiller im Wer­den der Kraft. (468 S.) Ebda. eleg. geb. 6, Mark.

, Zabeltitz, Hanns v. Tie Todbringerin. (94 S. Illustriert von F. v. Reznicek. Ebda. 1, Mk.

Zabeltitz, Hanns v. Prinzeß Hummelchen. (167 S. Jllustr. von F. v. Reznicek. Ebda. 2, Marr.

Spielhagen, Friedrich. Tie schönen Amerikane­rinnen. (180 S. Illustriert von C. H. Kn echter.) Ebda. 2, Mark.

H e y s e, Paul. San Bigilio, Novelle. (159 S. Jllustr. von Fritz Reiß.) Ebda. 2, Mark. j

Tauschrätsel.

Nachdruck verboten.

Heil, Futter, Mahl, Reiher, Horn, Bern, Hase, Bier, Hagel.

Bon jedem Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein neues Wort zu bilden, und zwar derart, daß die neu eingesüg« ten Buchstaben den Namen eines deutschen Tondichters ergeben.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.: Festbankette.

Redaktion: Curt Plato Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Luch« und Cteindruüerei (Pietsch Erben) in Güßen.