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Auflösung der Charade in vor. Nr.: Rosenkranz.

Redaktion: Curt Plato. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Mn UniversitSts-Buch- nnd.Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

Die geheime Presse war in vollem Betrieb. Unbekannt | den Behörden, woher sie kamen, überschwemmten Massen I von Flugschriften, Broschüren usw. das Land- Man hatte I sich schon an vieles gewöhnt, und bte gewöhnlichen Er- I zeugnisfe dieser Art fanden kaum mehr Beachtung. Da erschien plötzlich im Jahre 1834 eine Schrift, bte alle | Geister wieder in Bewegung brachte, diebte bei weitem I gefährlichste und strafbarste" der ganM Epoche genannt i wurde, und welche sichder hessische Landbote betitelte, 1 mit dem Motto:Friede den Hütten, Krieg den Palasten . j Der Verfasser dieser Broschüre war niemand anders, als i Georg Büchner, der dadurch mit einem Schritt

mitten in der ganzen Bewegung stand. Buchner I

hat die in ihrer Art bedeutendste Schrift ftner Zeit (ich werde auf ihren Wert noch zu sprechen I kommen) auf Anraten Weidigs ab gefasst. August Becker I schrieb sie ab, da nach seinen Aussagen BüchnersHaud- | schrift zu unleserlich war, und brachte sie zu Weidig. Dieserverbesserte" sie in seiner Art und gab ihr den 1 Anstrich, der sie auch gesinnungsverwandten Mannern I abstoßend macht. Büchner und Schütz, ebenfalls em Gte- i Mier Student, der auch Mitglied der geheimen Gesell­schaft, der Becker und Büchner angehörten, war, brachten ie zusammen nach Offenbach in die Preller'sche Druckeren Ende Juli wurden dann die gedruckten ltzemplare durch Schütz und Minningerode abgeholt. Einen Teil hatte -Nin- ningerode, dem sich noch ein Gießener Student zugesellt, nach Butzbach und Gießen mitgenommen, den anderen Teil i übernahm Schütz, um ihn nach Darmstadt zu überführen. Die Polizei war indessen auf die drei Träger aufmerksam geworden und als Minningerode Gießen betreten wollte, wurde er ungehalten und vor den Univerfttatsrichter geführt. Dort erklärt er ganz gemütlich, er habe von selbst hierher kommen wollen, da er eine hochverräterische Schrift aufgefangen und diese der Behörde habe über­bringen wollen. Unterdessen war der größte xeti der Schrift aber schon in den Händen der Landbevölkerung, «jn der Nacht, im Schutze der Dunkelheit wurde sie verbreitet. Ungesehen von wem flogen die kleinen Blättchen plötzlich m die Stuben der erschrockenen Bauern, die nicht wußten, was sie mit dem Dinge anfangen sollten, und e§ dem nächsten Gendarmen übergaben. So geschah es, daß thal- sächlich der größte Teil der Auflage wieder in die Hande der Behörde kam. Büchner, erschreckt über die Verhaftung seines Freundes Minningerode, eilte noch in derselben Nacht nach Butzbach, um Weidig um Rat zu fragen. Unterdessen hatte der Universitätsrichter Georgi, es ist derselbe, der später die Verhandlungen gegen Weidig so unrühmlich leitete, auch der Wohnung Büchners einen Besuch ab­gestattet und Haussuchung ab gehalten, aber nichts Kom-

wegte Leben.

Ich habe in diesen Zeilen in der Kürze Georg Büchner als Politiker zeigen wollen wie er als junger Gießener Student an einer Bewegung teilnahm, die einen guten Kern hatte, aber durch einige Hitzkopfe zur remen Revo­lution umgestaltet wurde. Dabei mußte der Dichter Mchner, als den wir ihn wohl zuerst zu betrachten haben, zu kurz kommen. Vielleicht ist nnr Gelegenheit gegeben, dies später nachzuholen. Mit mingen Worten möchte ich dann noch auf bte genannte Schrift ,Mer hessische Landbote" eingehen, um mein oben gegebenes Ver­sprechen zu lösen. ,

Die Broschüre ist mit Recht als die erste sozialistische betrachtet worden. Büchner hat den Versuch gemacht, bte materiellen Interessen des Volkes mit denen der Revolution zu vereinigen. Er ging von der Idee aus, zunächst bte i materiellen Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen, und dann es höher hinauf zu den geistigen zu fuhren.^ Was, die Sckrift wie sie uns fetzt überliefert (Karl Emil Franzos Lt ie in einer AusgabeSämtliche Werke" von Gg. Büchner, Frankfurt a. M. 1879 lückenlos abgedmtckt um- anaenehm macht, ist! das Hrnernziehen bet Bibel, lenes, i/biee Zusammenstellung widrige Breitmachen biblischer Vbrasen Büchner hat dies nicht verschuldet- Das Ware aanz gegen seine Ideen und seinen Entwickelungsgang Wchtet Weidig hat das Manuskript mit. seinen Sen verbessert oder verschlechtert. Denn einerseits I (st eben dies Hineinziehen der Religion nur als eme ^er- I schlechterung zu bezeichnen, während auberersetts ansthe - I nend auch manche Stellen gemildert und dort wo Buchner I zu scharf gewesen mit seiner Feder besänftigend eiiige- | wirkt hat. .

Alles in allem ist jedoch die Schrift ein denkwur- I big es Dokument aus jenentollen Jahren", bte m ihren I Auswüchsen die heutige Generation nur öflw Spotte reizen I können, in ihrer Gesamtheit aber eme wichtige Staffel in

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kannte Pfarrer Dr. Weidig Vorstand, üt regster Ver- bindung. Konferenzen wurden m Butzbach selbst, m . Großenlinden, Langgöns u. a. Orten abgehalten, um den wünschenswerten persönlichen Meinungsaustausch aufrecht zu erhalten.

In diese Kreise geriet nun Georg Büchner, als er Gießen betrat und in dem Studenten August Becker, ernem Angehörigen der theologischen Fakultät, einem etwas ver­kommenen Subjekte, in dem aber doch em guter Kern stak, einen Freund gefunden hatte. Es ist auch hier eigen­tümlich, daß Büchner, der seine alten Freunde, die er aus der Gymnasialzeit kannte und die nun rnGteßen stu­dierten, von sich tveggestohen, an diesem Menschen, an dem ihn wohl zuerst nur das Psychologische ^teresfterte, einen treiten und aufrichtigen Freund ftnden. mußte. Dieser Becker nun führte ihn bald in das revolutionäre Treiben ein uttb Büchner folgte ihm gerne. War ihm. doch lebe Abwechslung, jede Aufregung, die ihn von fernen Grü­beleien ablenken konnte, nur willkommen. Durch Becker wurde Büchner bald auch mit Weidig bekannt und diese zwei so entgegengesetzte Naturen, nahezu rn den gerrng- füaiqsten Ansichten verschieden, waren bald durch das eme große Interesse einer allgemeinen Umwälzung vereint. Beide wollten freilich auf ganz verschiedenen Wegen ihrem Ziel zustreben. Weidig war Monarchist, ihm schwebte em einiges Deutschland mit einem Kaiser vor, Buchner war im Gegensatz Republikaner. Der Pfarrer Weidig stand dem Atheisten Büchner gegenüber und so ließen sich Zuge ihrer inneren Verschiedenheit weiter verfolgen.

strebungen. . _ ,

Georg Büchner aber wurde der Boden m Gießen doch bald zu heiß. Er wandte sich wieder nach Darmstadt, wo er in fünf Wochen sein großartiges, geradezu grandros wirkendes, DramaDantons Tod" verfaßte. Aber auch hier konnte er sich von den Banden, tn bte er sich rn Gießen verstrickt, nicht frei machen. Oeffentltch zwar setzte er seine Studien in der Anatomie fort um, ferne Eltern, die er trotz seiner geschilderten Thatigkeit iN Un­kenntnis über sein Verhalten, gelassen hatte, zu tauschen. Fnsaeheim blieb er aber mit fernen politischen Freunden in Gießen und Butzbach in Korrespondmz, ja, er gründete, sozusagen unter den Augen ferner Eltern, bte als ton servativ von einem solchen Treiben nichts wissen durften, in Darmstadt eine geheime Gesellschaft, ^Elche sem mt Landboten aufgestelltes Programm zu verwirklichen. uchte. Dock bald wurde ihm auch hier der Boden zu heiß. Er bemerkte, wie er von allen Seiten beobachtet wurde und als eines Tages eine Vorladung vor den Untmisuchnngs- richter kam, ergriff er bie Flucht und begab ftc^ ttneber nach Straßburg Dort ergab er sich eifrig fernen Studien, sodaß er schon im Jahre 1836 sich als Privatdozent m Zürich niederlassen wollte. Doch der Tod kam ihm Mvor, Am 13. Februar 1837 endete dieses kurze und reich be-

promittterendes gefunden. Mchner zurückgekehrt, pvchi auf sein gutes Recht. Er weiß, daß man nichts hatte ftnden können das ihn in irgend einer Welfe belasten konnte, und stolz erhobenen Hauptes geht er zum Universitäts- richter um sich über die stattgehabte Haussuchung zu beschweren. Dieser hatte wohl Verdacht, aber kerne greif­baren Beweise in der Hand, und mußte sich noch alle Mühe geben, den in seinem Rechtsgefuhl gekrankten In­denten, der sogar an das Hofgericht appellieren wollte, zu beruhigen. Die anderen Teilnehmer an der Ver­schwörung wurden nach und nach gefänglich emgezogen und wahrlich, sie haben hart gebüßt für ihre Be-