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Und ohne Empfindung für die Hitze und die Anstrengung schob Großmutter Germaiue ihren Wagen und hatte die Freude, mit als erste an Ort und Stelle sich einen recht guten Platz aussuchen zu können.
„Oho! Es war auch Zeit!" sagte sie und wischte sich die Stirn, auf der große Schweißtropfen perlten. „Das sieht so unbedeutend aus, solch ein Wagen, und ist doch so schwer zu schieben! Glücklicherweise", schloß sie ihr Selbstgespräch mit einem heiteren Lächeln, „wird's beim Nachhauseweg leichter gehen, aber wie heiß es ist. Kaum 9 Uhr, und die Sonne glüht ordentlich."
Es war wirklich sehr heiß an dem schönen Sonntagmorgen Ende Mai; nicht ein Lufthauch regte sich und die Sonne, brannte durch das zarte Laub der Bäume, und die Sperlinge führten ein wahres Konzert auf.
„Welch prächtiges Wetter!" sagte die Großmutter, uud ordnete an ihren braunen Kuchen, die bei der Fahrt ein bischen aus Reih uud Glied gekommen waren. „Welch prächs- tiges Wetter! Es wird ordentlich was an Menschen in Bewegung sein! Und nachdem alles wieder in schönster Ordnung ausgebreitet lag, trat sie einen Schritt zurück, um mit eiuem Blick der Befriedigung ihr Werk zu betrachten.
Aber plötzlich fuhr sie zusammen: war nicht gerade ein Regentropfen gefallen. . ."
Sie sieht schnell nach dem Himmel, und richtig, gerade über ihr stand eine mächtige, drohende Wolke.
„Ach, du lieber Gott!" rief sie angstvoll, „das ist doch nicht möglich!"
Im selben Augenblick fielen einige Tropfen ans den Weg.
Mit Blitzesschnelle und großer Geistesgegenwart riß die alte Frau ihre Schürze ab und breitete sie über die Pfefferkuchen, um dann, nachdem sie nach rascher Umschau in vielleicht 500 Schritt Entfernung einen offenen Hausflur bemerkte, die Deichsel des Wageus zu ergreifen und so schnell wie möglich auf das rettende Asyl zuzusteuern.
Aber ehe sie noch 10 Schritte gemacht hatte, brach der Schauer mit großen, schweren Tropfen los, die klatschend überall ausschlugen; gleich darauf begann eine wahre Sündflut.
Die arme, alte Frau flüchtete unter den Wassermassen, die ihr ins Gesicht schlugen, sie am Gehen hinderten, und durch die sich schnell bildenden Pfützen kam sie endlich; in den Schutz des Hausflures. Ganz außer Atem, angstvoll uud besorgt zog sie die Schürze fort und schrie entsetzt auf.
Ihre Kuchen, ihre schönen Kuchen, waren verdorben^ in einer unförmlichen, braunen Masse liefen sie nach allen Seiten auseinander.
Die alte Frau sah die Zerstörung mit einem verzweifelten Blick an; sie sah im Geist ihre Luisette, ihre einzige Freude auf Erden, blaß auf ihrem Bettchen liegen, und in den großen Augen stand es wie ein stummer Vorwurf des sterbenden Kindes. . .
„Oh! meine Luisette! meine Luisette! verzeih mir!" stöhnt die alte Frau Fassungslos, sie sieht nichts mehr, es war, als ob ihr Herz still stehen müßte.
Und plötzlich brach sie zusammen, dicht bet dem Wagen, und die Hände vor das Gesicht geschlagen, hockte sie dort unbeweglich ohne Weinen, ohne Schluchzen, furchtbar in ihrer stummen Verzweiflung.
III.
Inzwischen war der Regenschauer vorübergezogen. Die Sonne lachte wieder vom blauen Himmel. Aus den Straßen begann das für einige Minuten unterbrochene lustige Treiben wieder von neuem.
Als die Menschen die alte, durchnäßte Frau aus der Erde liegen sahen, blieben sie stehen und starrten sie und die verdorbene Ware neugierig aber auch mitleidig an.
Ein Arbeiter, der mit seinen Kindern spazieren ging, trat ganz dicht an die alte Fran heran und meinte: „Na, na, Mütterchen, es ist zwar ein Unglück, aber immer noch besser als ein Beinbruch!"
Und er ließ der Unglücklichen ein Geldstück in den Schoß fallen. Das Beispiel wirkte, und die 10 Centimesstücke und auch ab und zu ein größeres Geldstück mehrten sich in dem Schoße der alten Frau, die nach und nach wieder zu sich kam und über deren Gesicht nun endlich die erleichternden Thränen rannen.
„Oh! danke, danke! Sie sind alle so gut zu mir",
schluchzte sie unter Thränen, „es ist für meine Luisettep danke! danke", stammelte sie immer wieder.
IV.
Und Luisette hat ihren Aufenthalt auf dem Lande noch gehabt und ist gesund und kräftig zu der alten Großmutter heimgekehrt.
Das Wunder, auf welches die Alte hoffte, ist an dem Tage noch an sie herangetreten; denn unter den Leuten^ die die unglückliche Frau in dem Thüreingang umstanden^ war auch eine alte Dame, die selbst Großmutter, über den Schmerz der alten Frau gerührt, sich ihre Sorgen er-, zählen ließ und dann hilfreich ihre Hand aufthat.
Katechismus der Uhrmacherkunst.
Von F. W. Rüffert. Vierte, vollständig neubearbeitetS und vermehrte Auflage. Mit 252 Abbildungen und fünf Tabellen. In Originalleinenband 4 Mark. Verlag von
I, I. W e b e r in Leipzig.
In der vorliegenden vierten Auflage des Katechismus ist der Stoff gegen früher wesentlich vermehrt wordem Dabei ist der Verfasser sichtlich bestrebt gewesen, die trockene Weise älterer Werke zu vermeiden. Die zahlreichen Abbildungen, die ebenfalls eine Vermehrung erfahren haben, zeichnen sich durch große Klarheit aus und geben nur das unumgänglich Notwendige, tragen aber zum besseren Ver-t ständnis des Textes erheblich bei. Der Katechismus der Uhrmacherkunst ist mit dieser Auflage zu einem Lehrbuch geworden, das dem Uhrmacher in seinem Berus ein nützlicher Ratgeber sein soll; er ist auch ganz dazu geeignet, auf die mündlichen Lehrlingsprüfungen vorzubererten, die die Gewerbeordnung neuerlich eingeführt hat.
Gemernniitziges.
Das Treiben der B lüt enp flanz en im Z im- m e r. Wenn der Herbst die ersten Blätter von den Bäumen herunterschüttelt uud aller Blütenflor mählich verschwindet, dann besinnt sich der Blumenfreund wieder auf seine Zimmer unb' trifft Anstalten, um hier, Wenns draußen schneit und friert, duftende Blümlein ans Fenster zu zaubern. Crocus, Tulpen, Hyacinthen, Narzissen werden nach althergebrachter Weise eingepflanzt, daneben versucht mau es auch mit Christrosen, Flieder, Maiglöckchen, Schneeball, Päonie und Rosen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Das Mißlingen hat immer seinen besonderen Grund. Diesen Gründen hat Frau Elly Wehdemaun, eine begeisterte Blumenpflegerin, nachgeforscht, und in Nr. 27 des „Erfurter Führer im Gartenbau" das Treiben der Blütenpflanzen im Zimmer beschrieben. Da unseren Abonnenten diese Nummer kostenfrei zugeschickt wird, wenn sie sich mittels Karte nach Erfurt wenden, so dürfen wir alle Blumenfreunde aus diese Abhandlung verweisen.
Der tägliche Genuß der freien Lust ist ein unerläßliches Hilfsmittel zur Erhaltung der Gesundheit. Dieser Genuß stärkt die Lungen und hat einen entschiedenen Einfluß auf die Reinigung und Kräftigung des Blutes, als der nächsten und eigentlichen Lebensgnelle. Hetnroth.
„Praktischer Wegweiser", Würzburg,
Zifferblatträtsel.
Nachdruck verboten.
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Statt der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr find die Buchstaben AA, B, D, EE, I, LL, N, R, U derart zu setzen, daß die Zeiger bet ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren:
1—4 an Baum und Strauch. .
1—5 luftiger Aufenthaltsort. 2—5 Fluß in Frankreich. 2—6 französischer Komvonist. 4—7 Stadl in der Schweiz. 5—8 weiblicher Vorname. 7—11 kleines Werkzeug.
8—11 Stand.
9—12 Malaienstaat auf Sumatra.
9—2 Frauengcstalt des alten Testaments. 10—12 Hohepriester im alten Israel. 11—2 Farbe. ■
(Auslösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r Feile, Feige, Feime.
in Gießen.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlas der Brühl'schen Univerfitäts-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben)


