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Er trat ans Fenster und blickte zu der Bergwand hinüber, in deren Waldesdickicht Lillis „Märchenschloß" verborgen lag. Aber er sah nichts; denn der Himmel Zhatten sich düster bezogen, und die Höhen rings" umher
und es war denn auch seine erste Eingebung, daß er zu dem Stelldichein nicht gehen dürfe, wie flehentlich auch immer Lillis Bitte klang. War es doch im besten Falle Nichts anderes, als eine Stunde bitterster Qual, die sie und ihn erwartete, wenn er ihrem Verlangen nachgab. Zudem auch regte sich's in seinem Herzen wie bange Furcht, daß eg um all seine mühsam erkämpfte Festigkeit geschehen sein könnte, wenn er sich noch einmal dem Zauber ihrer verführerischen Schönheit aussetzte, diesem Zauber, dessen gefährliche Macht er nun hinlänglich an sich erfahren.
Vermittler zwischen ihr und mir machen kann. Ich bin nrcht reich, aber zur Zahlung einer angemessenen Entschädigung erkläre ich mich ohne weiteres bereit"
„Kein Wort mehr!" fuhr Rudolf auf, unfähig länger an .sich zu halten. „Ich will die Beschimpfung nicht gehört haben, die Ihr schamloses Anerbieten enthält. Aber machen wir nun wenigstens ein Ende! Da liegt alles, was Sie zum Schreiben brauchen. Setzen Sie Ihr Geständnis auf, damit es noch mit der Mittagspost an seinen Bestimmungsort abgehen kann."
„Wie, Sie lehnen meinen Vorschlag ab? Und ohne zuvor diejenige befragt zu haben, auf deren Entscheidung es hier doch allein ankommen kann? Das sollten Sie sich wahrlich noch überlegen, Herr Rechtsanwalt! Die l.u"ge '^ame hat, soviel ich, weiß, ihre Gefängnisstrafe bereits verbüßt, und es ist mir bekannt, daß sie in durstigen Verhältnissen lebt. Eine anständige Geldsumme rst für sie also jedenfalls von viel größerem Wert als en,e nachträgliche Freisprechung, die doch nur eine recht zweifelhafte Entschädigung für die ausgestandenen Leiden bedeuten würde. Zum mindesten aber kann ich verlangen daß Sie nur Zeit lassen, mit dem Fräulein selbst darüber zu verhandeln."
I Komödie, die er ihm da vorspielte, aber er war dennoch nicht fest genug, ihm die Erfüllung seines Wunsches äu versagen.
„Also auf morgen denn!" sagte er. „Ich werde Sie bis nenn Uhr vormittags hier erwarten."
„Und Sie werden vorher nichts gegen mich unternehmen ?"
„Nein, ich werde bis zu diesem Zeitpunkt keinem Menschen Mitteilung machen, von dem, was ich weiß, damit Ihr Geständnis in' den Augen der Richter nichts von dem Anschein der Freiwilligkeit einbüße. Aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich mich mit dem Schlage der neunten Stunde jeder Rücksicht entledigt fühlen, und schonungslos gegen Sie vorgehen werde, wenn Sie mich etwa vergeblich auf Ihr Erscheinen warten ließen."
„Ich werde kommen — verlassen Sie sich darauf. Und Sie haben mir sonst nichts mehr zu sagen?"
„Nein, nicht das ich wüßte."
„Auch — auch keine Bestellung an meine Tochter?" „Nein, Herr von Rauten — keine!"
„So darf ich mich wohl verabschieden. Auf Wiedersehen also in vierundzwanzig Stunden! Guten Morgen!"
„Guten Morgen!"
Ranten wandte sich zum Gehen, aber er verweilte noch sekundenlang zaudernd auf der Schwelle, ehe er das Zimmer wirklich verließ. Noch bis zum letzten Moment schien er auf eine Sinnesänderung Rudolfs gehofft zu haben. Und als er seine Erwartung betrogen sah, als der junge Rechtsanwalt ihm vielmehr den Rücken kehrte wie einem hinausgewiesencn Bettler, da verzerrte sich sein leichenfarbiges Antlitz zu einer wahrhaft unheimlichen Grimasse der Wut. In seinen Augen war ein Glitzern wie in den tückischen Lichtern eines sprungbereiten Raubtieres.
Einen Augenblick schwankte Rudolf wirklich. Erdachte an die Armut der beiden Frauen, und daran, daß er m der That kein Recht hatte, ihrer Entschließung vorzugreifen. Aber sein unschlüssiges Zaudern währte kaum Zanger als etne einzige Sekunde. Wie er Margarete Willisen kannte, war er ja der Antwort gewiß, die sie diesem Elenden auf seinen schimpflichen Vorschlag neben wurde. Es war ihm, als mache er sich einer tödlichen Beleidigung des edlen, stolzen Geschöpfes schuldig, wenn er durch fein Benehmen gewissermaßen den Anschein erweckte, als hätte er sic eines derartigen schmachvollen Abkommens fähig, gehalten.
Verantwortung für meinmMungsweis‘e$‘auf ‘mich" I w ^rac£) "lehr, und aufatmend
erklärte er. „Jch^bin sicher, Mch im vollen Nnverstä^dnis I qehenden“^ckloüH Wc ^er dem Fort- Mit ihr zu befinden." I lwvcnoen ja^oß.
Nun erst schien der andere den verzweifelten Ernst I Zehntes Kapitel.
i^br ^age mit voller Klarheit zu erkennen, und er ließ „Bei allem, was Ihnen heilig ist, beschwöre ick Sie n’rh!11 CJs die Maske spöttischer Ueberlegenheit fallen, wie ! mir heute abend eine kurze Unterredung an dem Orte rorhiu die des anmaßenden Hochmuts. Der stolze ! unseres gestrigen Zusammentreffens zu gewähren Rth einer Viertelstunde die Schwelle über- I kann Ihnen keinen passenderen Vorschlägen, weil weder war zu einem völlig geknickten armen I mein Vater noch sonst ein Mensche auf der Welt etwas 'FM to?rsenr fber demütig um Erbarmen flehte, davon wissen darf. Aus diesem Grunde bitte td). Sie E ,^kel und tiefer Verachtung wanote Rudolf sich I auch, mir keine Antwort zukommen zu lassen. Ich werde von ihm ab. I um sieben Uhr dort sein, und geduldig harren, bis Sie
Wort gehört", erklärte er. I erscheinen. Sie können mir wegen meines thörichten „-.assen Sie uns doch diesen ebenso zwecklosen als wider- ! gestrigen Benehmens unmöglich so böse sein, daß Sie wartigen Auftritt beenden/ mich vergebens warten ließen. Denken Sie wegen dieses
Hapten richtete sich auf. Sein Gesicht war aschfahl, j Brieses nicht schlecht von mir, und halten Sie sich ver- Schultern bebten. „Gut denn", erwiderte er. sichert, daß ich mich nur uach den grausamsten Kämpfen , wich ^hrem Verlangen fügen. Aber einen j entschließen konnte, ihn zu schreiben. Wenn Sie jemals
Aufschub von vierundzwanzig Stunden wenigstens dürfen ein klein wenig Freundschuft für mich gefühlt haben, werden mir mcht verweigern. Ich verspreche Ihnen, daß I Sie jetzt wenigstens bereit sein, mich anzuhören, ehe ich mich Wahreno dieser Zell nicht von hier entfernen I Sie mich verachten. Ihre unglückliche
- Lilli von Ranten."
gewonnen?"^ mtt etuem V°to)En Aufschub für Sie Das war der Inhalt eines unverkennbar in großer 9 cvjjr mid3 _ „jÄia. 9rfipr ., . , . ,. . . Hast und Aufregung geschriebenen Billets, das Rudolf
„llur mich nichts. Aber ich habe em Kmd, und I auf dem Tische seines Zimmers voriand als pt nwrn
•niphrtrtp1 es armen, unglücklichen Kindes willen, er- I fünf Uhr nachmittags von einem Spaziergänge heim- Ä w n vor ^hnen zu dieser letzten Bitte, kehrte. Eine peinlichere Ueberraschung, als sie dieser Brief
sw nach Paris schicken, wo sie, wie ich hoffe, in einer nnr befreundeten Familie Zuflucht finden wird. In demselben Augenblick, wo ich das schriftliche Bekenntnis memer Schuld in Ihre Hände lege, und wo Lillis Zeugnis somit überflüssig geworden ist, wird sie von hier abreisen. Aber ich werde sie alsdann wahrscheinlich memals Wiedersehen. Und wenn auch nur noch ein winziger Rest von Menschlichkeit in Ihrem Herzen ist so können Sie einem verzweifelten Vater diese letzten vierundzwanzig Stunden nicht verweigern, die er noch mll ^seinem Kinde verleben möchte."
, ^Witten schienen seine Stimme zu ersticken, und er fuhr sich mit den behandschuhten Fingern an die Augen. Es war nach Rudolfs innerster Ueberzeugung nur eine
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