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y er Siebe Blindheit hat die schärfsten Augen.
Fontane.
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
IV.
„Natürlich — wenn man jemanden in Europa sucht, dann braucht man nur einigemale auf dieser Allerweltsgasse, die man Friedrichstraße nennt, aus und ab zu bummeln und man findet seinen Mann! — Servus, Petershagen, wie geht's Ihnen?"
Tie lange hagere Gestalt des Rittmeisters a. D. Meyering blieb breitbeinig vor Eitel Fritz stehen und streckte ihm die breite, rotbehandschuhte Rechte entgegen.
„Tanke, Herr Rittmeister", entgegnete der junge Dragoner-Offizier, nicht sehr angenehm berührt durch diese Begegnung. „Man muß zufrieden sein."
„Viel Dienst jetzund?"
„Allerdings.... fast jeden Tag größere Felddienstübung."
„Kenne das. — Deshalb lassen Sie sich auch gar nrcht mehr im Sportklub sehen."
„Habe keine Zeit und — keine Lust."
„Sein Sie kein Frosch, Petershagen", lachte der Rittmeister a. D. „Die Herbstrennsaison hat begonnen — jetzt ist's gerade interessant . . . aber man hat Sie ja auch noch auf keinem Rennen gesehen?"
„Ich habe meinen Rennstall aufgegeben."
„Donnerwetter! Wollen Sie sich ettva auf Ihre Güter zurückziehen?"
„Möglich!"
Ter Rittmeister kniff das linke Auge zu und lächelte pfiffig.
„Wirft denn die Klitsche soviel ab?"
Eitel Fritz zuckte die Schultern und schickte sich zum Weitergehen an. Aber der Rittmeister steckte in vertraulicher Weise den Arm durch den des jungen Offiziers und führte ihn mit sanftem Zwang in eine Nebenstraße, wo sie ungestörter sprechen konnten.
„Nehmen Sie mir's nicht übel, Petershagen", sagte er teilnehmend, „aber Sie sehen nicht gut aus. Steht es schlecht? — Kann ich Ihnen helfen?"
„Ich hoffe allein fertig zu werden", entgegnete Eitel Fritz kurz.
„Also doch r-i na, ich ahnte es", fuhr der Rittmeister
fort, „als ich Sie nirgends mehr sah. Wieviel brauchen! Sie?"
„Ach, lassen Sie mich. . ."
Tas Zusammentreffen mit dem Rittmeister a. D. war ihm sehr unangenehm. Man wußte nicht so recht, wovorr der Rittmeister die Ausgaben seines sehr flotten Lebens bestritt. Regelmäßige Einnahmen besaß er außer feiner, kleinen Pension nicht und doch sah man ihn auf allen Rennplätzen, auf allen den glänzenden, öffentlichen Vergnügungen des Winters und in allen Theatern. Er speiste, nur in den feinsten Restaurants und war ein regelmäßigen Stammgast im Unionklub rind anderen vornehmen Ver- einigungen. Er wettete hoch beim Rennen und spielte mit, einem merkwürdigen Glück. Sein Ruf war nicht gerade der beste, aber man konnte ihm keine unehrenhafte Handlung nachweisen, und oftmals hatte er schon jungen Kava- lieren aus Geldverlegenheiten geholfen.
„Freilich", Pflegte er dabei zu sagen, „ich selbst kam, Jhnerr das Geld nicht geben, aber ich habe einige Geldmänner an der Hand — und wenn Sie es nickst aus einige Prozent Zinsen mehr und eine kleine Provision ansehen, könnte ich das Geschäft für Sie schon arrangieren."
In den meisten Fällen gingen die jungen Herrckstn darauf ein, war doch der Rittmeister ein Kavalier und eine Vertrauensperson in solchen Angelegenheiten. Dennoch zeigte man sich nicht gern öffentlich mit dem Herrn, dessen hageres Raubvogelgesicht auf allen Rennbahnen Deutschk- lands bekannt war, während er freilich in der eigentlichen ersten Gesellschaft niemals gesehen wurde.
„Sie wissen, Herr Rittmeister", fuhr Eitel Fritz zögernd fort, „ich habe Ihnen erst die Hälfte meiner Schuld von dreitausend Mark zurückzahlen können."
„Ach, lassen Sie doch den -Bettel", entgegnete der andere, „Sie brauchen Geld — ich. seh's Ihnen an. . ."
„Nein.
„Sein? — Wahrhaftig nicht? — Na, daun sind Sie verliebt!"
Eitel Fritz errötete vor Unmut.
„Na, sein Sie nicht böse. — Was haben Sie Heutes nachmittag vor?"
„Nichts." . _
„So kommen Sie mit nach Kärlshvrst. . . nein, Sie, dürfen mir keinen Korb geben. Ich mache Sie mit einer interessanten Dame bekannt."
„Dame?" t,
„Auf Ehre. Aus guter Familie — allerdings, bürgerlich, aber schick, eine Schönheit ersten Ranges und reich Millionärin..." , . „
„Sie machen mich in der That neugierig." .
„So kommen Sie mit?"
>,Meinetwegen. . ."
„Vorwärts dann! Fi He, Droschke!" •
Er winkte eine Droschke erster Klasse herbei, die beiden


