HMMü MÄM
as find die Kleinsten der Kleinen,
Doch leider gar dicht gesellt,
Die Eines nur können und meinen,
Sie seien die Pfeiler der Welt. W. Jensen.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von Anton v. Perfall.
(Fortsetzung.)
Etwas wie Schadenfreude drängte Johannes, alles zu berichten. Er klopfte an die eiserne Thür.
„Herein!"
Polentz saß an seinem Schreibtische. Ein Durch^- einander aufgeschlagener Bücher umgab ihn rings, selbst der Boden war mit Papieren und Akten bedeckt. Die Geldschränke standen weit offen.
Mit einer hastigen Bewegung wandte er sich zu Johannes. Der Anblick mußte allerdings ein überraschender sein. Er sprang jäh auf.
„Wie sehen Sie aus, Johannes? Was ist geschahen? Man hat Sie überfallen, ausgeraubt? Sie bluten ja am Halse?"
Johannes griff hastig nach der Stelle, besah seine Hand, sie war wirklich blutig.
Die ganze grauenhafte Szene mit dem Alten trat wieder vor ihm auf. Er mußte sich setzen. Dann erzählte er. Polentz lief erregt im Raume umher, aber er sagte kein Wort. Johannes begriff nicht, wie er das alles so verhältnismäßig ruhig mit anhören könne.
Plötzlich ertrug es Polentz nicht mehr länger, er packte Johannes bei der Schulter. „Ob der Handel abgeschlossen ist? Das will ich wissen! Notariell?"
Johannes bejahte es.
„Und der Kaufschilling bleibt bei mir liegen?"
„Bis auf die fünftausend Mark, welche ich bereits bezahlt habe", entgegnete Johannes.
Polentz atmete erleichtert auf, und warf sich in seinen Sessel.
„Ja, ja, ich begreife es. Es muß schrecklich gewesen sein! Verwünschtes Pech; aber wenn wir nur das Anwesen haben, den Grund und Boden, den Wald —"
Er stieß das alles einzeln, in höchster Erregung heraus, und trocknete dabei die feuchte Stirne mit seinem seidenen Taschentuch. „Morgen ist alles wieder an den Mann gebracht. Man wartet schon darauf."
Polentz griff nach dem Arm des Bauern, seine Gesichtszüge 'spannten sich seltsam. „Johannes, ich muß
Ihnen etwas sagen, wir sind ja doch Freunde, Verwandte, wir — wir stehen und fallen zusammen. Ich habe auch schwere Stunden erlebt unterdes —"
Johannes horchte auf. Zugleich kam ihm das Mitleid mit dem gebrochenen, bleichen Manne.
„Reden Sie, Herr Polentz, reden Sie!"
„Sie haben die erleuchteten Fenster gesehen bei Altingers, nicht wahr? Musik gehört? Man tanzt wohl! dort — alles Lüge! Ich habe das arrangiert. Es ist Schein — für die Leute. Es ist nämlich niemand da zum Tanzen."
Polentz beugte sich dicht bis zu dem Ohr des Johannes.
„Mein Fritz ist" — er machte eine bezeichnende Handbewegung — „durchgebrannt. Sehen Sie den Kassenschrank dort? Den hat er ausgeleert. — Nun, offen; gesagt, Johannes, es war nicht mehr viel darin. Er -hat sich getäuscht, der liebe Junge. Mer das wäre noch nicht so schlimm. Es existieren Wechsel mit meiner Unterschrift, die ich! nicht geschrieben habe. Morgen liegen sie dem Gerichte vor, wenn ich sie nicht einlöse. Sehen Sie, wie wichtig es war, daß Sie heute noch kauften
Er warf einen irren Blick umher auf die geöffneten Kassenschlränke, auf die Papiere und Bücher. „Es geht noch, es geht eben noch. Aber sonst darf niemand kommen, Geld einzufordern — diesen ganzen Monat nicht. Ein Kind könnte mich! umwerfen, das sein Sparkassenbuch einfordert. Aber später — ja, dann geht es schon wieder. Nur Zeit, Zeit brauche ich; dann muß es wieder gehen."
Er sprang auf, eilte an das Fenster, und blickte in die Nacht hinaus.
Johannes drückte sich! die schmerzende Brust. „Könnt' man denn net, wenn's fehlat, da unten im Keller — das Deponierte — grab auf an Monat —" nur zögernd kamen die Worte heraus.
Polentz wandte sich jäh um. „Sind Sie denn verrückt? Glauben Sie, man läßt das Geld im Keller lagern wie die Kartoffeln? Woher sollten denn die Zinsen kommen? Sollen die aus dem Kellerboden wachsen? Geld muß arbeiten, sonst bringt es nichts. Aber kann ich für die schlechten Zeiten? Zum Teufel, was kümmert Sie überhaupt das alles? Haben Sie vielleicht Angst um Ihre lumpigen fünfzigtausend Mark? Wollen Sie sie haben?"
Er gffnete hastig eine Schiublade, aus der das blanke Gold in tiefen Hvlzfchüsseln herausleuchtete.
Johannes schämte sich. Er war gewiß der letzte, der ein Recht hatte, auf seine Sicherheit bedacht zu sein. Polentz sollte ihm nicht zürnen, die Ereignisse des Tages, dazu die Unglücksnachricht, die er eben vernommen, hatten ihn verwirrt. Er wollte gehen.


