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rauh, gebiMkiM Dann wurde fie immer gemäßigter, milder.
Da unterbrach ein seltsamer Laut seinen Gedanken- gang; es klang wie ein Schluchzen, dann wie ein Flüstern. Johannes duckte sich unwillkürlich und spähte durch! das Geäst.
Ein roter Punkt tauchte aus, blieb stehen. Johannes lachte grimmig und schliche vorsichtig näher. Jetzt langte es schon, er sah genug.
Seine Rosl und der Ferl!
(Fortsetzung folgt.)
SprWeufelchen des Weines.
Aus der Lebensgeschichte eines Verfolgten. Von Dr. Kurt Rudolf Kreusner.
(Nachdruck verboten.)
Go wahr es ist, daß der Wein des Menschen Herz erfreut, so sicher ist es auch, daß, wenn in froher Zecher-Runde die Funken des Witzes sprühen oder im lustigen kecken Treiben des Karnevals die Wogen übermütiger Ausgelassenheit hochgehen, jener Wein am meisten bevorzugt wird, der jetzt zum Leidwesen seiner Verehrer durch eine neue Besteuerung nicht unerheblich verteuert werden soll, nämlich der einheimische Schaumwein oder, wie ihn die meisten noch immer zu nennen pflegen, der Sekt oder Champagner. Der Rotwein mag für alte Knaben eine von den besten Gaben sein, der wirkliche Kenner alter bouquetreicher Rheinweine mag mit geringschätziger Gebärde an der süßesten Spende der Witwe Cliquot vorübergehen, wenn ihm eine Flasche „Steinberger Kabinett" winkt; denn dies sind die Freuden eines abgeklärten veredelten Geschmacks, wie er nur auf Grund langjähriger Erfahrung erworben wird. Dort aber, wo die frohe Lebenslust der Jugend überschäumt, trinkt man stets am liebsten jenen Wein, der schon in seinem Aeußeren ein Sinnbild ungebundenen, ausgelassenen Frohsinns ist, wenn auch seine aufsteigenden, schnell zerrinnenden Schaumperlen daran gemahnen sollten, daß der Genuß der Stunde flüchtig ist und schnell verrauscht..
Zu unserer Väter und Großväter Zeiten war für jeden, der nicht im Besitze eines reichlichen Mammons war, der Genuß einer Flasche Champagner fast ein Ereignis. Wer nicht ein besonderer Schlemmer und Verschwender war, gönnte sich eine Flasche Gold- oder Silbergekapselten nur bei ganz besonderen Gelegenheiten wie Hochzeitsschmäusen und Tauffesten, oder wenn es galt, das Wohl des Landesvaters an dessen Wiegenfeste in solenner Weise zu begießen; denn damals, wo die deutsche Schaumwein- fabrikation noch in den Kinderschuhen stak, hatte man ein heute unbegreifliches Vorurteil gegen unser einheimi- sches Produkt, und trank fast nur echten Champagner, der ja auch heute trotz des allgemeinen Steigens des Wohlstandes ftdE); nicht gerade als Getränk für einen kinderreichen Familienvater mit kleinem Einkommen eignet.
Dies ist nun innerhalb der Zeit eines Menschenalters ganz anders geworden, seitdem der deutsche Schaumwein hoffähig geworden ist, und man sich auch in den Zirkeln des Reichtums nicht mehr schämt, eine Flasche Hochheimer Mousseux oder Seligmüller selber zu trinken, und auch seinen Gästen vorzusetzen; denn die besseren Marken deutscher Herkunft sind, wie von allen zugestanden wird, die nicht den echten Wein der Champagne nur aus Laune und Großthuerei trinken, den französischen Produkten nicht nur völlig ebenbürtig, sondern übertreffen diese sogar in mancher Hinsicht.
Die Anfänge der deutschen Schaumweinfabrikation reichen bis in die Zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege lag damals in der allerjüngsten Vergangenheit, und die Abneigung gegen das Franzosentum, wie sie namentlich! auch, vom Turnvater Jahn genährt wurde, war wohl die treibende Ursache, daß man sich auch von den französischen Champagnern unabhängig zu machen bemühte, und um das Jahr 1830 in Eßlingen, Heilbronn, Würzburg, und an der Mosel, etwas später aucEji am Rheine mit der Fabrikation von Schaumwein begann. Es zeigte sich, jedoch, auch hier, wie in vielen anderen Fällen, daß der Deutsche nur zu leicht geneigt ist, alles was vom Ausland kommt,
zu überschätzen, und das Produkt deS eigenen Fleißes gering zu bewerten; denn die ersten Schaumweinfabrikanten fanden für ihre Ware in Deutschland keinen Absatz; dafür öffneten die Engländer bereitwilligst ihre Thore dem deutschen Champagner, der, weil er im allgemeinen schwerer ist, als der französische, dem Geschmack eines Volkes besser zusagte, welches durch das feuchte Nebel- und Seeklima schon im allgemeinen einem stärkeren Alkoholgenuß zuneigt. Weil diese in England verbrauchten Schaumweine nun hauptsächlich aus Hochheim und von der Mosel kommen, entstanden zur Bezeichnung der Gattung an sich in England die Namen Spärkling Hock und Spärkling Moselle, die noch heut dort üblich find.
Ohne die englischen Absatzgebiete wäre die deutsche Schaumweinindustrie wahrscheinlich! auf halber Entwickelung stehen geblieben und hätte immerdar ein kümmerliches Dasein geführt, wenn nicht die Verhältnisse, wie sie sich nach 1870 entwickelten, eine gründliche Aenderung herbergeführt hätten. Das nationale Selbstgefühl hatte mächtige Antriebe erhalten; es wurde bekannt, daß der alte Kaiser Wilhelm selbst für seine Person dem deutschen Champagner den Vorzug gab; nicht zum wenigsten wirkte aber die Verteuerung des französischen Schaumweines um etwa 1,50 Mark die Flasche durch den im Jahre 1885 auf denselben gelegten Schutzzoll. Seitdem hat die einheimische Industrie einen außerordentlichen Aufschwung genommen, und man kann mit vollem Recht behaupten, daß Deutsche land heute nicht nur das Land ist, in dem der meiste Champagner getrunken wird, sondern daß es auch nächst Frankreich am meisten davon produziert. Die Gesamterzeugung beträgt gegenwärtig über 12 Millionen Flaschen, von denen etwa ein und eine ,Viertel Million ausgeführt werden, während zum inländischen Verbrauche noch 800 000 Flaschen treten, die in Luxemburg, das zum deutschen Zollverein gehört, produziert werden; außerdem werden nöch echte französische Marken im Werte von fast 5 Millionen Mark eingeführt. Diesen Mengen gegenüber bleibt der Champagnerverbrauch, Frankreichs, welches von seiner Erzeugung von rund 24 Millionen Flaschen 17 Mill, an das Ausland verkauft, weit zurück, obwohl dieses mit Wein so reich! gesegnete Land, das jährlich aus seinen Weinbergen nicht weniger als 40 bis 50 Millionen Hektoliter der Bachusgabe erntet, nicht unerhebliche, Mengen niederösterreichischen oder steirischen Schaumweines aufkauft und als eigenes Erzeugnis in den Handel bringt.
Wenn wir uns nach diesen trockenen Zahlenangaben den Geheimnissen der Fabrikation zuwenden, so sei zur Beruhigung aller Freunde dieses moussierenden Weines gesagt, daß bei weitem der größte Teil unseres einheimischen Schaumweines ebenso wie des in Oesterreich-Ungarn erzeugten peinlich genau nach den in Frankreichs üblichen Methoden erzeugt wird. In großen Stückfässern macht der Wein teils mit teils ohne Zuckerlösung seine Gährung durch, und zwar enthalten jene Fässer, aus welchen Schaumwein für England und seine Kolonien hergestellt werden soll, nur den reinen Wein einer bestimmten Lage, weil , unsere angelsächsischen Vettern auch beim Champagner eine bestimmte, durch das Aroma diktierte Eigenart wünschen, also z. B. Johannisberger oder Hochheimer Mousseux. Die für den Jnlandsverbrauch bestimmten Fässer hingegen enthalten Verschnittweine, d. h. Mischungen verschiedener Marken, die mit Vorbedacht miteinander verschnitten werden, damit das fertige Produkt an Geschmack und Charakter dem französischen möglichst ähnlich! wird, der ebenfalls keine ausgesprochene Blume hat, sondern aus Mischungen verschiedener Lagen bereitet wird.
Nach neun- bis zwölfmonatlicher Lagerung wird der Wein auf die Flaschen abgefüllt, welche wagerecht in Gestelle gelagert werden, in denen die Flaschenhälse durch runde" Ausschnitte gesteckt werden. In diesen Gestellen, welche man nach französischem Vorgänge Pupitres nennt, werden die Flaschen tagtäglich durch den Kellerarbeiter einige Augenblicke geschüttelt, damit die Hefe und andere Niederschläge sich nicht an den tiefsten Stellen ansammeln und damit eine für den gesamten Flascheninhalt gleichmäßige Gährung stattfindet, dabei wird jedesmal der Flaschenhals um eine Kleinigkeit gesenkt, bezw. der Flaschenboden gehoben, bis endlich wenn die Gährung in wünschenswerter


