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decker die Thür öffnete, und als dieser sich entfernt hatte, drückte er die Klinke auf und setzte sich und alle seine Kollegen in Freiheit.
Der Fuchs gilt als Sinnbild der List und Verschlagenheit. Schon seine Wohnung verschafft er sich oft auf höchst listige Weise, indem er, um sich die Mühe eigener Arbeit zu sparen, einen Dachsbau bezieht, dessen rechtmäßigen Bewohner er dadurch vertreibt, daß er den Eingang verunreinigt, und so den Dachs, einen großen Freund der Reinlichkeit, zum Auszug veranlaßt. Seine Jagdbeute verschafft er sich ebenfalls durch seine List, ja, es wird von glaubhaften Forschern bestätigt, daß er sich tot oder schlafend stellt, um feine Opfer sicher zu machen, und die Arglosen, wenn sie sich nahe genug an ihn herangewagt haben, plötzlich zu überfallen und zu erwürgen. Auch die Katze zeigt sich bei der Verfolgung der Mäuse als höchst verschlagenes Raubtier; unbeweglich und totenstill sitzt sie vor dem Mauseloch und macht sich klein, bis die Maus sicher geworden ist und sich herauswagt. Und selbst die letztere entbehrt nicht ganz aller List, wie sie bei ihrer Verfolgung beweist. Verlegt man einer im Zimmer befindlichen Maus ihr Fluchtloch und rückt bcmn Schränke und Möbel ab, um sie zu verfolgen, so scheint sie oft spurlos verschwunden. Geräuschlos und still harrt sie in einem Versteck, bis man sie entdeckt, aber sie entflieht nicht etwa bei unserer Annäherung aus demselben; denn dadurch würde sie sich verraten, sondern erst, wenn man sie direkt ertappt, etwa das Papier, unter dem sie harrt, beiseite schiebt, oder in die Ecke leuchtet, in die sie sich drückte. Durch diese List bewirkt sie, daß man oft dicht an ihrem Versteck vorübergeht, ohne sie zu entdecken, selbst Stockschläge an dasselbe. Pochen usw. treiben sie erst dann heraus, wenn eine unmittelbare Gefahr für sie vorliegt.
Die Beispiele aus der Vogelwelt sind nicht seltener als die aus der Käugetierklasse. Mit welch ungeheure« List gehen viele unserer gefiederten Sänger bei der Wahl ihres Nistplatzes gu Werke, und ist es nicht ebenfalls ein Beweis von List, wenn das brütende Vogelweibchen uns bis dicht an das Nest heraniommen läßt und sich dann erst in Sicherheit bringt, wenn man direkt nach ihm greift? Unter den Vögeln sind als besonders listig Raben, Elstern und Papageien bekannt. Erstere beiden gehen nicht nur mit großer Verschlagenheit bei der Ausführung ihrer Spitzbübereien zu Werke, sondern sie üben auch die Kunst der Verstellung in raffinierter Weise aus. Gefangene Raben flicken Personen oder Tieren, die sie nicht leiden mögen, gern etwas am Zeuge; heimlich versetzen sie den Nichtsahnenden von hinten einen scharfen Schjnabelhi-eb und nehmen dann rasch wieder ihren Platz ein, auf dem sie mit so ernster Miene dasitzen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Von Papageien wird gleichfalls berichtet, daß sie sich oft schlafend stellen, um Personen, denen sie nicht hold sind, heranzulocken und sie dann mit Schnabelhieben zu traktieren, i
Das Rebhuhn stellt sich) wenn es mit seinen des Fliegens noch! recht kundigen Jungen verfolgt wird, flügellahm, um die Aufmerksamkeit des Verfolgers auf sich zu lenken. Mühsam vor ihm herflatternd, bringt es ihm die Meinung bei, als könne er es mühelos Haschen, dadurch läßt er von den gefährdeten Jungen ab und läuft hinter der Alten her, die ihn so lange und so weit fortzulockeu weiß, bis ihre Kinder sich nach einer entgegengesetzten Richtung in Sicherheit gebracht haben. Die Kohlmeise lockt im Winter durch List die im Stocke verborgenen Bienen heraus, indem sie mit dem Schnabel anpocht, bis einige der Insassen Herausrommen, um nach dem Störenfried Ausschau zu halten. Die erste sich zeigende Biene wird ihr zur Beute; wenn sie diese auf einem in der Nähe befindlichen Aste verzehrt hat, fetzt sie ihr Spiel fort. Unter allen aber triumphiert der sogenannte Honiganzeiger in Afrika, welcher die Bienennester aufsucht, um sie dann dem Menschen zu verraten. Sobald er ein Bienennest gefunden hat, setzt er sich an die Landstraße und erregt durch Singen, Rufen und Schlagen mit den Flügeln die Aufmerksamkeit des ersten besten Daherkommenden, ihn dadurch einladend, ihm zu folgen. Sobald sich jemand hierzu bereit zeigt, führt er ihn, indem er von Baum zu Baum fliegt, zu dem Bienenstock, von dessen Ausbeute
ihm der dankbare Besitzer sodann einen guten Teil zu-, kommen läßt.
Mit der Klugheit der Schlangen ist es nicht weit her, und ist es nicht einzusehen, wie sie bei vielen Völkern als Sinnbild der List, und Klugheit haben gelten können. Auch bei dem Dotstellen der Käfer hat man es wohl nur mit einem Anflug des Instinkts, nicht aber mit einem Akte überlegter List zu thun. 'Dagegen erscheint es mir nicht angebracht, in diesem Sichtotstellen in allen Fällen eine rein mechanische Wirkung des bloßen Erschreckens zu erblicken. Mit dieser Erschreckens- und Gehirnerschütterungstheorie versucht man neuerdings analoge Erscheinungen! auch des höheren Tierlebens zu erklären, aber — einzelne Fälle ausgenommen, — gewiß mit Unrecht. Dir Maus, die sich bis .zum entscheidenden Augenblick in! ihrem Versteck hält, bannt gewiß nicht der Schrecken hinein, sie würde sonst im rechten Moment nicht so blitzschnell davonzulaufen vermögen. Ebensowenig hält das Entsetzen das brütende Vogelweibchen aus ihrem Neste fest — auch dieses würde sonst nicht den entscheidenden Moment zur Flucht ausnützen können. Sieht man bcifji duch, wie es mit gespanntem Auge jeber unserer Bewegungen folgt, um zuletzt mit sicherem Fluge zu verschwinden, nachdem es sich bie rechte Richtung bereits vorher klüglich auswählt. So habe ich auch von Käfern, bie sich, sobald man sich ihnen nähert, vom Zweig auf die Erde fallen lassen, be- obachtet, daß sie, sobald sie unten angelangt waren, blitzschnell davonliefen oder sich tiefer in die Löcher des Bodens verbargen. Das spricht ooch sicherlich nicht für eine Art Lähmung durch Schrecken? Weiter beobachtete ich an Käfern, welche ich beim Laufen über den Weg stellte, daß diese sich eine Zeit lang totstellten, d. h. still und! bewegungslos verharrten, und sobald . sie sicher geworden, davonjagteu. Stellte ich sie von neuem, so wiederholte sich der Vorgang. Warum sollte hier nicht der Instinkt eine mindestens ebenso häufige Rolle spielen wie das Erschrecken?
Man thut immer gut, in allen derartigen Fällen die Wahrheit in der Mitte zu suchen. Die Originalitäts-i haschieret der Forscher spielt ihnen gar zu gern einen Streich,- T-er Eine hat sich in eine Idee verrannt, und da er nur nach Beweisen für diese sucht, erblickt er in allen möglichen; Vorgängen nur unterstützende Momente für seine Idee. Einwanderer will gerade dadurch von sich reden machen, daß er das Gegenteil nachweist, und fein Verfahren ist genau das gleiche. Beide sind in gewissem Sinne Fanatiker vorgefaßter Meinungen. Der vorsichtige Forscher mißtraut beiden, bis der Beweis für die Wahrheit unzweifelhaft erbracht worden ist,
Mode.
„W ienerMod e". Tas vorliegende zweite Oktoberheft dieser beliebten Mod-e- und Frauenzeitung beweist wieder, daß dem alten, vornehmen Blatte - hervorragende Mit-^ arbeiter zur Seite stehen. Schpn bei flüchtiger Durchsicht fällt der Reichtum an neuen Toiletten und Hutmodellen günstig aus. lieber das Tragen von Pelzsachen bringt das Heft einen ausführlichen Modebericht, und die entzückenden! Handarbeitsmuster werden gewiß überall willkommen sein. Dem Unterhaltungsteile widmet die Leitung der „Mienen Mode" besondere Pflege, und da das Journal in allen! Stücken den höchsten Anforderungen zu genügen bestrebt ist, gewinnt es beständig neue, dankbare Leserinnen. — Abonnementsbestellungen nimmt jede Buchhandlung, jede Postanstalt, sowie der Verlag in Wien, VI. Gumpendorser- straße 87, zum Preise von 2.50 Mk, vierteljährlich entgegen, __
Delphischer Spruch-
Nachdruck verboten.
Heldentaten besing ich, doch legst du das Haupt mir zu Füßen, Trägt mich der Vogel, und gern wendet der Mime mich an.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Pyramide in vor. Nr.: G
RAD MINNA BRESLAU
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schM UniverfltätS-Bnch- und Steindrnckerci (Pietsch Erben) i.> Gießen.


