(Nachdruck verboten.)
Prüfung.'
Krimmalerzählung von E. Hainberg.
(Fortsetzung.)
Werner kam, wie sich leicht denken läßt, in keiner fröhlichen Stimmung nach Haus. Er wurde sogleich von Gattin und Schwester bestürmt, die wissen wollten, wie die Angelegenheit stände, wie es Mohrmann gehe, und pb der Thäter noch nicht entdeckt sei?
„O ja!" lachte Werner bitter aus. „Seht mich einmal hn, und ihr seht ihn!"
Frau Bertha und Hanna schrieen zu gleicher Zeit auf: »,Robert! Man soll mit solchen Dingen nicht scherzen."
„Wer sagt euch denn, daß das ein Scherz ist?" entgegnete Werner bitter.
„Du willst doch nicht sagen, daß man Dich der äb- fcheulichen That beschuldigt?"
„Ganz dasselbe. Warum denn auch nicht? Wäre es denn nicht möglich, daß ich Mohrmann aus — liebe Hanna", unterbrach er sich, „möchtest Du mir nicht einmal ein frisches Glas Wasser holen, aber recht frisch, laß lieber erst ein paar Eimer ablaufen."
Hanna tvar sofort bereit, und als sie die Thür hinter sich geschlossen hatte, vollendete Werner seinen unterbrochenen Satz mit den weiteren Worten: „Also wäre e§ denn nicht möglich, daß ich Mohrmann aus Eifersucht niedergeschossen hätte?"
Seine Gattin starrte ihn erst eine Weile sprachlos! tot, dann sagte sie von Angst gefoltert? „Robert, sprich Nicht so Entsetzliches."
„Nicht ich sage das, sondern die Welt folgert so, Bertha", sprach er mit einem Ton, in dem die ganze Dual seines Innern lag. Gram, Sorge, Empörung.
„Aber was soll denn das. heißen?" sagte nun Frau Bertha fassungslos.
„Ja, liebe Frau, Du bist ein wenig, nein, wohl sehr Unvorsichtig gewesen, Du hast Dir allzusehr die Huldig- üngen Mohrmanns gefallen lassen, und nun Dein Zusammentreffen im Walde, ihr müßt von irgend jemand beobachtet worden sein, das legt man sich eben auf die schlimmste Art aus, und sieht nun in mir den beleidigten Gatten, der seine angegriffene Ehre zu rächen vermeinte."
„Allmächtiger Gott", stöhnte Bertha .auf, »was, find dre Menschen schlecht!".
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1901. — Nr. 130.
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rwünschte Arbeit ist der Leiden Arzt.
Shakespeare.
.„Sie urteilen nach dem, was sie sehen, nach dem? Schein."
„Und was haben sie gesehen? Eine zufamge Begeg-! nung, und ein gemeinschaftliches Zusammengehen nachs meines Gatten Haus."
„Tas letztere würde nicht so schlimm anzüsehen sein, liebes Kind, wenn nicht die offenbare Huldigung und Deine nur zu bereitwillige Entgegennahme vorausgegangen wäre."
Frau Bertha schluchzte auf. „Denkst Du denn selbst so schlecht von mir?"
„Nein", sagte er offen. „Aber kch will Mr gestehen, daß mich Deine Duldung, um nicht zu sagen Aufmunterung doch zuweilen verdrossen hat — aber eine solche That, nein! Damit wäre meine Ehre, wenn sie wirklich befleckt wäre, nicht reingewaschen."
„Robert, verzeihe mir! Ja, ich habe gefehlt, ich war eitel und gefallsüchtig. Fortan aber soll mein Bestreben sein, nur Dir zu gefallen. Du sollst nie wieder über Dein Weib zu klagen haben. Wir lieben uns! Laß uns nun auch vor der Welt in Frieden, Einigkeit und Liebe zusammen- tzalten! Ich sehe mit Schauder, wohin meine Unbedachtsamkeit geführt, und in welche Unannehmlichkeiten sie Dich verstrickt hat! Noch einmal, verzeihe mir!" Sie schlang ihre Arme um ihn, und küßte ihn. ■ -
Hatte noch irgend ein leiser Groll in ihm gehaftet, er war verschwunden bei diesen aufrichtigen Aeußerungen der Reue, und die Sorge um ihn that ihm wohl. Er hatte Bertha noch nie so sanft und liebevoll gefunden. Er ergriff, daher mit Herzlichkeit ihre Hand, und sagte mild: „Laß uns jetzt nicht weiter darüber sprechen, denke lieber darüber nach, wer euch zusammen gesehen hat, um dies Gerücht unter die Leute bringen zu können. Mir will scheinen, als müsse der Urheber des Geklatsches der verruchten That nicht allzufern stehen."
„Hier ist das Wasser; aber wird' ess Dir nicht zu ' kühl sein?"
.Hanna wär wieder eingetreten.
„Du haft recht", sagte Werner, das' Glas, welches ihm Hanna gereicht, wieder zurückstellend, „es ist sehr kalt."
„Aber Du bist mir noch schuldig, zu erzählen, tote, man es wagen kann, Dich für den Thäter zu halten, Robert: ihr wäret doch Freunde", drang Hanna in den- Bruder, der wieder in sein finsteres Schweigen zurück-! gesunken war.
„Man kann aber den rechten nicht finden, da wählt man mich. Wir könnten ja Streit unterwegs miteinander gehabt haben —; und meine alte Jagdflinte lag in derl Nähe —
„Aber Du hast ja gär keine Flinte mitgenommen",- widersprach Hanna.
.„Aber, mein Gott, düs wäre ja! dumm von Dir gewesen«


