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Sonntag den 13. Januar

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Stuhl stand leer, ihr Platz bei Tische war frei, als sie noch ber uns weilte. Kommt aber der Tod so plötzlich, so haben wir keine Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen. Oeffnet sich die Thür, so glauben wir, daß der Entschlafene eintritt, wir hören seine Stimme, wir Worten aus ihn und immer wird die Wunde aufs neue aufgerissen.

Neben dem Wohnzimmer lag ein kleines Stübchen. Dort saßen wrr bei heruntergelassenen Vorhängen im düsteren Zwielicht unb sprachen von der teuren Entschlafenen.

Gegen Mittag hörte ich leise die Glocke ziehen. Das Mädchen öffnete die Thür, aber ich achtete nicht darauf. Einige Augenblicke später meldete das Mädchen, daß es Herr Fowler gewesen sei. Mein Vater fragte, ob er nichts hinterlassen habe.

Aber er ist ja im Wohnzimmer", sagte das Mädchen in ihrer ungeschickten Weise.

.O", rief mein Vater aufspringend,ich kann ihn nicht sehen; ich kann ;etzt mit keinem Menschen sprechen. Sagtest Du ihm nicht, daß die Frau", er brachte die Worte nicht heraus.

f ®af aIme/ -dumme Ding machte große Augen und sah aus, als ob ]te meinen wollte, gab aber keine Antwort.

Bist Du stark genug, mit ihm zu sprechen, Jessie?" sagte mem Vater.Mard würde doch alles falsch bestellen und es würde mir leid thun, wenn ich ihn verletzte". '

Ick) hatte auch nicht den Mut zu gehen. Wenn ich an die Phantasiegebilde dachte, die mich bis zwei Uhr morgens wachgehalten hatten, so erfüllte mich Scham unb schmerz über meine thörichten Gedanken. Aber ich sah des Vaters Unruhe unb wußte, daß die Magd jede Be­stellung falsch ausrichten würde, daher sagte ich: Gut Vater, ich werde .gehen, und ihm sagen, daß Du heute Nicht zu sprechen bist."

Unb morgen auch nicht nein, nicht vor der Beerdigung", rief er unter erneutem, heftigem Schmerzens- ausbruch aus.

Ich ging ins Wohnzimmer, wo ich Herrn Fowler an» Kamm mit seiner Mütze in ber Hand stehen sah. Er sah verlegen aus, schien aber nichts von der Trauer in- unserem Hhase zu wissen. Trotz der verhangenen Fenster war das Zimmer nicht dunkel. Ich konnte ihn deutlich sehen, und obgleich meine Augen vom Weinen getrübt waren, so hatte mich der Gram doch nicht genug geblendet, um nicht zu bemerken, daß mein Vater recht hatte, wenn er ihn einen schmucken Seemann nannte. Er verbeugte sich und fragte nach Kapitän Snowdon.

Sie können ihn nicht sprechen. Ein schweres Leid hat uns betroffen. Wir haben meine Mutter heute morgen tot int Bette gefunden."

Ich glaubte stark genug zu fein, diese Worte ohne Wemen zu sagen, aber trotz harten Kampfes unterlag ich.

Seeroman von Clark Rüssel.

(Fortsetzung.)

Ich trat an das Bett und sah meine Mutter, wie schlafend, mit dem Gesicht nach der Wand gekehrt, liegen. Sie hatte nicht friedlicher aussehen können, wenn sie der Schlaf unb nicht der Arm des Todes umfangen gehalten hatte, ein so glücklicher, zufriedener Ausdruck lag auf ihrem Antlitz unb verlieh ihm eine wunderbare Lieblichkeit. Ob­gleich ich nie im Leben einen Toten gesehen hatte, erkannte u« ort, daß alles aus war Starr vor Schrecken lehnte ich wich über das Bett; mein Atem schien zu stocken, so herzbrechend war dieser furchtbare, unerwartete Anblick Als nun der Vater leise zu mir trat, unb mich in seine Arme nahm, ba verbarg ich mein Antlitz an feiner Brust und weinte, wie ich nie zuvor geweint hatte.

Mein Vater hatte, ehe er mich weckte, das Mädchen zu dem Arzt gesandt, der in unserer Nähe wohnte. Er kam einige Minuten später, untersuchte meine Mutter auf« merk;am und sagte, daß sie schon seit einigen Stunden tot, unb daß die Ursache ohne Zweifel ein Herzschlag fei. Dies erwies sich später als richtig, aber ich wünschte, er hatte es uicht gesagt. Mein Vater brach bei seinen harten völlig zusammen, sv furchtbar war ihm der Ge- °auke, datz er ruhig geschlafen hatte, während fein Weib al§ teulje neben iljin lag. Ich kniete neben ihm nieder unb bemühte mich, ihn zu beruhigen, während ich ihn immer wieder bat, mich, die ich jetzt keinen Freund außer ihm hatte, in fernem Gram nicht zu vergessen.

sprach ihm auch freundlich zu, und nach einem Weilchen verließen wir das Zimmer und gingen hinunter. Der Anblick der alten Wohnstube mahnte uns mit grausamer Scharfe an unseren Verlust. Jeder Gegen- °n die Mutter, unb ich wagte kaum, nach

Stuhl zu blicken, tu bem sie gewöhnlich saß unb ut1ü>?9;i.Lr0^JeqJeiLnd'- toenn wir Gott bitten, uns unfere Ueben nicht durch einen plötzlichen Tod zu rauben

Krankheit bereitet allmählich vor; wir ge­wöhnen uns daran, die vertraute Gestalt nicht mehr da zu sehen, wo wir sonst ihrer Gegenwart sicher waren. Ihr

ier ist das Glück vergänglich wie der Tag, Dort ist es ewig, wie die Liebe Gottes.

_________________________________Th. Körner.

(Nachdruck verboten.)