(Nachdruck verboten.)
Prüfung.
Kriminalerzählung von E. Hainberg.
(Fortsetzung.)
„Hoffentlich fechten wir sie dann mit besserem Erfolg aus, als das erstemal!" meinte Mohrmann. „Doch noch eins! Neben Karsten ging ein zweiter Mensch, mit eben solcher Galgenphysiognomie. Ich meine, ich müßte das Gesicht schon einmal gesehen haben, kann mich aber nicht besinnen, wo und unter welchen Umständen, die roten Haare und der rote Vollbart, die der Mensch hatte, müßten mir doch erinnerlich sein/'
„Jedenfalls in amtlicher Eigenschaft", erwiderte Werner.
„Sicher", gab Mohrmann zu. „Aber da läuft einem ja so viel Gesindel unter die Augen, daß man sich unmöglich die einzelnen Gesichter merken kann."
„Ich werde die Wachtposten verstärken; ich denke, das soll einmal einen ordentlichen Fang geben."
„Recht so, Herr Forstmeister, und dann bringen Sie die Kerle her, und soviel an mir liegt, soll den Spitzbuben alsdann das höchste Maß der gesetzlichen Strafe sicher sein. — Doch was ist das?" unterbrach er sich und sprang erregt auf, eilte nach dem Fenster, das er hastig aufstieß, dann sich hinausbeugte und eine Zeitlang in die Dunkelheit hinaushorchte. Darauf sich wieder zurückwendend, sagte er erklärend zu dem Forstmeister : „Ich sah soeben die Galgenphysiognomie, von jbler ich! Ihnen vorhin sprach, an das Fenster gedrückt. Der Kerl hat gehorcht."
„Ta soll doch gleich —" Der Forstmeister stürzte hinaus.
„Robert, Robert!" riefen ihm Frau und Schwester nach.
„Beruhigen Sie sich, meine Damen, ich folge." Damit eilte auch Mohrmann hinaus in die dämmernde Nacht.
Tie beiden Frauen standen und lauschten, zitternd an die Hausthür gedrückt. Jeden Augenblick, fürchteten sie, müsse etwas Entsetzliches geschehen.
„Lassen wir die Hunde los", riet Hanna.
„Tas dürfen wir nicht, Robert ist schon einmal böse geworden, als ich ihm Tiana ohne seinen Willen nachsandte."
„O Gott, wie fürchterlich! ist das", klagte Hanna.
„Ja siehst Tn! Das ist nun die Kehrseite von dem Leben eines Forstmannes. Es ist eben nicht alles
Dienstag den 10. September.
£1901. — Nr. 128.
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lles zur rechten Zeit thun, und sichert den Erfolg.
das ist weise, das fesselt das Glück A. v. Loy.
Gold, was glänzt! Ta gehen sie nun hin, die beiden Männer, und wir armen Frauen bleiben unbeschützt zurück, wie leicht könnte der Unhold wieder heranschleichen.
„Laß uns die Thür verschließen, Bertha."
„Ja, das wird das beste sein — doch horch, ich hörte Roberts Stimme."
Auch Hanna hörte sie und atmete befreiter aus. „Robert!" ries sie.
„Hier, Kind!" scholl es zurück, „nur keine Furcht! So,, hier sind wir wieder zur Stelle, heil und gesund", sagte Werner und trat mit Mohrmann zugleich über die Schwelle.
„Es war übereilt, daß wir dem Menschen nachrannten", sagte Mohrmann; „was hätten wir ihm denn anhaben können, wenn wir ihn ergriffen hätten?"
„Ja, Sie mögen recht haben", pflichtete Werner bei. „Der Aerger über solch eilt Subjekt kann einen zuweilen rasend machen."
„Deine Wilderer haben uns den ganzen Abend verdorben", klagte Frau Bertha. „Nun aber schlage ich vor, meine Herrschasten, wir setzen uns zu Tisch und lassen Wild- und Forstfrevler sein, wo sie wollen."
„So spricht die Frau eines Forstmannes?" sagte Werner tadelnd.
„Warum nicht? Glaubst Tu, diese ewige Unterhaltung von diesen Zukunftsräubern und Mördern wirkte nicht beängstigend auf uns? Sieh Dir nur Hanna an, wie sie noch bleich ist von der ausgestandenen Angst."
„Du hast recht", pflichtete nun Werner bei. „Wir Männer vergessen gar oft in unserer beruflichen Angelegenheit auf unsere Lieben Rücksicht zu nehmen. Seid weiter nicht bange, Kinder! Und auch damit hast Du recht, liebe Frau, daß wir zu Tisch gehen. Ein gutes Glas Wein soll uns den Aerger hinunterspülen. Nachher begleite ich den Herrn Staatsanwalt eine Strecke und mache dann einen Streifzug durch den Wald."
„Um Gottes willen, nein!" riefen Frau Bertha und Hanna zu gleicher Zeit. „Tu willst heute abend, wo die gefährlichen Menschen herumschwärmen. Dich noch in den Wald begeben?"
„Ohne Furcht! Ihr wißt, daß ich vorbereitet bin. Außerdem durchstreift das Forstpersonal das Revier von allen Seiten, ich bin also nicht allein."
„Herr Forstmeister, auch ich möchte Sie bitten, heute zu Haus zu bleiben", versuchte Mohrmann die beiden Damen zu unterstützen.
„Und Sie allein einer Gefahr sich aussetzen lassen?"
„O", lachte Mohrmann, „meine Person bringt den Halunken keinen Gewinn; sie werden sich, hüten, aus solche Weise die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken."
„Sie mögen recht haben, Herr Staatsanwalt; trotzdem aber begleite ich Sie eine Strecke und pirsche dann noch ein wenig herum."
Tas war so bestimmt gesprochen, daß keiner der Anwesenden -eine weitere Einwendung zu thun wagte. Man


