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Zum 10. Mai 1901.
Ein Gedenkblatt für den 30. Jahrestag des Frankfurter Friedens.
(Nachdruck verboten.)
Sei uns gegrüßt, lichtsroher Maientag! Tn brachtest Frieden einst auf jene Schlachten, Aus denen stolz nach hartem Schwerterschlag Tie Väter eine Krone heimwärts brachten: Tie Krone, die in Schmach verloren ging, Weil rostend unser Schwert im Winkel hing, Als Korsenwillkür vor bald hundert Jahren ,Teutschland bezwang mit wilden Söldnerscharen!
Ter hehrsten Königin ward Spott und Hohn, Tas Reich zersiel zu Trümmerwerk und Torsen, Bis — schon ein Greis — Luisens bester Sohn Tie Schmach getilgt an einem andern Korsen! Ta ward der Thron, den wir so oft erschaut In Sehnsuchtsträumen, wieder aufgebaut; Kornblumen lugten durch die Lorbeerreiser, Ter schlichte Held ward Deutschlands erster Kaiser! . . .
O Tag von Frankfurt, der uns Frieden gab, Gigantenschatten läßt du wiederkehren: Ter Kanzler steigt aus seinem Waldesgrab, Ten selbst die Gegner heimlich heut verehren . . . Ter Held von Wörth, der in die Zukunft sann Und jeden Kampf und jedes Herz gewann. . . Graf Moltke und manch andrer stolze Degen, Tie sich seitdem zum Schlummer mußten legen! . . .
Sie gingen hin, wo jede Fehde schweigt. . . Wohl sucht sie Kleinmut oft in banger Stunde, Wenn Thorenhaß sich gar geschäftig zeigt: Doch steht ihr herrlich Werk auf festem Grunde. Denn Volk und Fürsten wachen ob dem Band, Das unser Schmied gefügt ums Vaterland. . . Und die sich lang gehaßt nach blut'gem Streite, Stehn sern im Ost heut' wieder Seit' an Seite! . . .
Alwin Römer.
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
’ (Fortsetzung.)
Um seine hilslvse Gattin kümmerte er sich nicht weiter, sondern überließ es den beiden Verlobten, sie mühsam und vorsichtig in das anstoßende Gemach zu sichren. Durch den sauber gedeckten Tisch erhielt dies Speisezimmer einen etwas naheimelnderen Charakter als die Wohnstube, obgleich eine in der Ecke aufgestellte spanische Wand die Vermutung nahe legte, daß es gleichzeitig die Bestimmung hatte, einem Familienangehörigen als Schlafraum zu dienen. Die kleine Tafel zeigte ein sehr gefälliges Arrangement, und waren auch! die Teller nicht eben vom feinsten Porzellan, so trugen doch dafür die Servietten eine große eiugestickte Freiherrnkrone über dem verschlungenen Monogramm. Aus Hannas Gedeck lag sogar ein allerliebstes Sträußchen, das sie sichtlich erfreut mit einigen Tankes- worten gegen Herrn von Restorp an ihrem Busen befestigte.
„Vor wenig Jahren iwch hätte ich Ihnen in den Treibhäusern von Klitzow schönere Blumen schneiden lassen können", sagte er, „aber es ist ja, wie ich, denke, noch nicht das letzte Mal, daß ich Sie unter meinem Dache bewirte."
Er hatte schon wiederholt ungeduldigte Blicke nach der Thür geworfen, und um seine Mundwinkel zuckte es nervös, als dieselbe sich nun endlich austhat und als die Riesenhaube der Frau Bading, über einen mit verschiedenen dampfenden Schüsseln besetzten Präsentierbrett sichtbar wurde. Denn die Befürchtung der nur an grobe Arbeit gewöhnten Aufwärterin, daß ihr beim Servieren irgend ein Unglück passieren würde, schien allerdings hinlänglich gerechtfertigt schon durch die ungeschickte Art, auf die sie ihre zerbrechliche Bürde balancierte. Als sie ihre Thätigkeit damit begann, Hanna die Bratenschüssel von rechts anzubieten, erschien eine tiefe Zornesfalte auf der Stirn des Hausherrn, und sicherlich würde er im nächsten Moment die ohnehin ganz verängstigte Person durch einen zornigen Verweis um den letzten Rest ihrer Fassung gebracht haben, wenn sich nicht Inge zu ihm geneigt hätte, um ihm eüt paar beschwichtigende Worte zuzuflüstern. Unmittelbar darauf erhob sie sich von ihrem Stuhl und nahm der Aufwärterin das Brett aus den Händen.
„Lassen Sie das nur mich machen, liebe Frau Bading — Sie haben ja noch allerlei in der Küche zu thun."
Die fürchterliche Haube verschwand, und Herr von Restorp sagte mit einem etwas gezwungen klingenden Lachen:
„Diese Formlosigkeit, mein gnädiges Fräulein, gilt


