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damit verglich; dieselben waren den spähenden Augen und Ohren der „Wissensdurstigen" nicht entgangen, und ein geheimer Aerger hatte sich dadurch der Enttäuschten bemächtigt, die laut oder auch nur leise ausgesprochene Absicht, des Forstmeisters Familie gegenüber sich ebenso kühl zu verhalten, gab davon das beredteste Zeugnis. Bedauerlicherweise fehlte ihnen indes noch jede Gelegenheit, ihren Unwillen an den Bevorzugten auszulassen, aus dem Forstmeisterhause kamen weder Besuche noch Einladungen. Wahrscheinlich wünschte man nicht, dem Freier Gelegenheit zu geben, Vergleiche anzustellen.
Es mußte wohl mit der vielgepriesenen Schönheit der jungen Schwester des Forstmeisters nicht weit her sein. Leider hatte man noch immer nicht Gelegenheit gehabt, sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. Der Trauer wegen, hieß es, hielte sie sich noch! von allem Verkehr zurück. Die Trauer indes hinderte doch! nicht, mit den beiden Bevorzugten, Held und Mohrmann, die sich! allwöchentlich einmal wenigstens im Forsthause einfanden, zu verkehren und ihre Netze auszuspannen.
Hanna hatte sich durch diesen Verkehr, der doch ganz, natürlich und ohne ihr Zuthun entstanden war, unbewußt Feindinnen gemacht, welche die durch ihre vereitelten Bemühungen, den jungen Amtsrichter auf ihre Seite zu ziehen," empfangene Niederlage so bald nicht vergessen würden.
Aber auch Frau Bertha, die jetzt ebenfalls ganz zurückgezogen lebtet entging der Tadelsucht der Vernachlässigten nicht. Obgleich man ihre Koketterie und ihr etwas selbstgefälliges Wesen längst kannte und sich! zum Teil damit ausgesöhnt hatte, weil sie eine liebenswürdige, allezeit auf das Wohlbefinden ihrer Gäste bedachte Wirtin war, war der Aerger der guten Freundinnen jetzt doch zu weit gediehen, um nicht eine kleines Verdammungsurteil über die Verwegene, die sich unterstanden hatte, sie entbehren zu können, heraufzubeschwören.
O, sie würde wohl ihre Gründe haben, ihr Haus so gegen die Außenwelt abzusperren, daß außer den beiden bevorzugten Herren, die freien Zutritt hatten, niemand geladen wurde. Man sollte da gewiß nicht zu tief in die Karten sehen, ihr kokettes Spiel nicht klar durchschauen. „Man spielt nicht umsonst mit dem Feuer, Frau Bertha! Wer weiß, wie das noch enden wird! Der arme Mann, der so blind und sorglos in seinem Vertrauen ist! Ob er wohl gar nicht merkt, wie er betrogen wird? Es würde kein Wunder sein, wenn er einmal zu einem Radikalmittel griffe!" So und ähnlich schwirrten die Verdammungsurteile hin und her. Die guten, nachsichtigen Freunde, welche bis dahin Frau Berthas kokettes Spiel der Herrenwelt gegenüber sehr mild beurteilt hatten, waren nunmehr einig in ihrer Aburteilung.
Auch Held, dem bisher so viel Begehrten, sowie Mohrmann, dem sie ebenso ob seiner Abtrünnigkeit zürnten, wollte man nun zeigen, daß man sie entbehren könne; man ließ sie scheinbar unbeachtet und veranstaltete Vergnügungen, ohne sie zur Teilnahme aufzufordern. Die Betroffenen merkten indes nichts davon, lagen in der Woche ihren Geschäften ob und wanderten Sonntags zusammen stillvergnügt in das befreundete Haus. Auch im Forstmeisterhause lebte man ahnungslos des sich über seinem Dache zusammenballenden Unheils.
Frau Bertha schien neuerer Zeit der jungen Schwägerin freundlicher gesonnen zu sein, es lag wie ein wohligW Behagen über den einzelnen Gliedern, das nur zuweilen durch des Forstmeisters bitterböse Laune, die aus seinen dienstlichen Verhältnissen entsprang, gestört wurde. Er klagte wiederholt über neuerdings wieder um sich greifende Forstfrevel, über das Niederknallen seines besten und geschontesten Wildes. Die verübten Frevel waren aber auch! danach, eines Forstmannes Herz aufzubringen. Junge Schonungen wurden mutwillig über Nacht zerstört, entweder waren die Pflänzlinge ausgerissen, oder der Spitze beraubt — in beiden Fällen vernichtet!
„Aber Robert", sagte Hanna -eines Tages, als Werner aufs höchste gereizt, den Bericht des Försters über die Zerstörung einer jungen Anpflanzung entgegengenommen, nun seiner gerechten Empörung Worte gab, „laß Dir doch das nicht so zu Herzen gehen. Du thust Deine Schuldig
keit, Deine Untergebenen auch. Wozu Dich also aufregen, das ändert ja an der Sache nichts."
„Du hast gut reden, Kleine, von nicht aufregen! Fuchsteufelswild sollte man werden, wenn man sieht, wie jahrelange Arbeit und die Freude am kräftigen Gedeihen in einer Nacht durch solche Schandbuben vernichtet wird! Ich glaube uoch immer, da steckt der Karsten, der vermaledeite Wilddieb, dazwischen. Er will mir das Leben sauer machen , hofft vielleicht, daß ich, müde der ewigen Plackereien und des Aergers, um meine Versetzung -einkomme."
„Aber Karsten ist doch ein Wilddieb, weshalb sollte er sich an Deinen Pflanzungen vergreifen, Robert?"
„Was verstehst Du, kleine Unschuld, von einem rachsüchtigen Gemüt, das dem Gegner auf alle mögliche Weise das Leben erschweren möchte. Aber er soll sich hüten, der Spitzbube, kriege ich ihn zu fassen, so wird es ihm übel ergehen, mehrere Jahre Zuchthaus sind ihm dann sicher!"
„Möchtest Du nicht ein wenig nachsichtiger und damit vorsichtiger sein, lieber Robert? Du reizest den Menschen durch Deine strenge Verfolgung nur noch mehr und setzest Dijch selbst, bei einer so rohen, nur auf brutale Gewalt fußenden Natur der größten Gefahr aus", wagte Hanna einzuwenden.
„Sei nicht bange, liebes Kind, ich bin gewappnet für solche Angriffe. Die Kerle wissen das, und es hieße, ihr eigenes Leben einsetzen, wollten sie mich! angreifen."
„Aber aus dem Hinterhalt, Robert! Ach, ich bin so bange, bitte, bitte, mir zuliebe, sei aus Deiner Hut!"
„Liebe Hanna!" Der Forstmeister legte gerührt seine Arme um der Schwester Nacken. „Hast Du mich wirklich so lieb, daß Tu Dir solche Sorge um mich machst?"
„Zweifelst Du daran? Tu, der beste, gütigste Mensch, dem ich so unendlich viel zu danken habe — Du nahmst die Verwaiste ans in Deinem Hause —"
„Ach was, nichts hast Du. mir zu danken! Mir ist es Freude, eine Genugthnung, Dir eine Heimat, einen Schutz zu geben, bis dahin — wo ein anderer diese Rechte beanspruchen wird — und wie mir scheinen will, ist diese Zeit nicht allzu fern?" Er hob ihr gesenktes, tief errötendes Köpfchen empor und sah ihr schelmisch lächelnd in die halb verschleierten Augen.
„Nun, welche Staatsgehl imnisse werden denn hier verhandelt?" tönte Frau Berthas lachende Stimme, die soeben, gefolgt von Mohrmann, in das Zimmer trat.
„Ah Sie, Herr Staatsanwalt", rief Werner überrascht, den Ankömmling begrüßend, „ich hatte heute kaum uoch auf das Vergnügen gerechnet."
„Es lag auch nicht in meiner Absicht, Sie noch so spät zu überfallen, aber schieben Sie die Belästigung Ihrer Frau Gemahlin zu, der ich bei meinem Spaziergang begegnete und die mir erlaubte, sie hierher zu begleiten; nun konnte ich der freundlichen Einladung, einen Augenblick einzutreten, nicht widerstehen."
„Seien Sie mir deshalb um nichts weniger willkommen und fassen Sie mein Erstaunen nicht etwa falsch auf; ich war über die späte Stunde erstaunt, in der Sie den verhältnismäßig weiten Weg noch unternommen hatten." Er bot Mohrmann herzlich die Hand und bat, Platz zu nehmen. „Die Damen werden indes für einen Imbiß sorgen, ich fange -an, einen kannibalischen Hunger zu spüren."
Werner wirklich bei dem Eintritt Mohrmanns ein kleines Mißbehagen empfunden, so mußte das wohl jetzt vollständig beseitigt fein; denn nun war er wieder ganz der joviale, freundliche Herr, als welcher er allseits bekannt und geliebt war und in munterster Laune Jagd- anekd-oten zum besten gab.
Mitten zwischen einen solch! heiteren Scherz hinein unterbrach ihn Mohrmann: „A propos, Herr Forstmeister, ich glaube, wir bekommen bald wieder einen Prozeß mit dem Karsten. Es scheint, als ginge er wieder auf Raub aus. Ehe ich Ihrer Frau Gemahlin vorhin begegnete, hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, ihn an mir vorüberdefilieren zu sehen. Und der Kerl sah mich dabei so spitzbübisch grinsend an, als wenn er sagen wollte, wir beide werden demnächst einmal wieder miteinander zu verhandeln haben. Er scheint es nicht vergessen zu haben, daß ich bei der letzten Asfaire ihn meiner Ueberzeugung nach


