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Gästen, daß zwar nach der Versicherung des Arztes keine , Gefahr für das Leben seines Vaters vorhanden scheine, daß über unfet* beit lobto eilten bett UmftänDcn bie ^errfcl) elften I leider nicht bitten könne, länger zu bleiben. Natürlich hatte ohnedies niemand an eine Fortsetzung des unter­brochenen Festes geglaubt, und feder hatte vielmehr den j Augenblick herbeigewünscht, wo er sich entfernen könne, vlnie den Verdacht der Teilnahmlosigkeit aus ftch zu laden. Ter Aufbruch erfolgte demgemäß sehr schnell; das um I feine erhofften schauspielerischen Lorbeer» betrogene junge j Volk ließ sich sogar nicht einmal Zeit, die Kostüme wieder I abzulegen, und in weniger als einer Viertelstunde hatten i sich die hell erleuchteten Prunkzimmer der Ignatius schen Wohnung vollständig geleert.

Herbert schickte nun auch den Lohndiener, die Kochfrau und die beiden zur Aushilfe angenommenen Mädchen nach I Hause. Dann, nachdem er auf seine Frage erfahren hatte, | daß der Kranke bereits vorübergehend wieder bei Bewußt- I fein gewesen sei, auf Doktor Müller's Wunsch, aber nie­mand außer seiner Gattin sehen solle, trat er unter emen der Kronleuchter, und durchlas noch einmal den selftamen I Abschiedsbrief seiner Braut. Er hielt das Blatt in der 1 Hand, als Hilde's mit Thränen kämpfende Stimme neben ihm ertönte: , _ I

Wo ist Felicia? Ich suche fte überall. vergebens, und niemand kann mir sagen, wo sie sich befindet."

Herbert zögerte eine Sekunde lang, dann reichte er J ihr stumm den Brief, der ja alles enthielt, was er selbst ihr als Erklärung für das Verschwinden der Amerikanerin hätte sagen können. Aber seine Schwester nahm das Un- I geheuerliche nicht mit derselbeit Fassung auf tote er. I

Sie ist fort? Sie schreibt, daß ein grausames Ver­hängnis sie gezwungen hat, unser Haus zu verlassen? I Und Tu kannst ruhig hier stehen? Du setzest nicht alles daran, die Unglückliche zu finden?"

Es scheint nicht, daß ich damit Felicra's eigenen Wünschen entsprechen würde. Und sie ist kein verlaufenes, hilfloses Kind, um dessen Leben man zittern mußte Meine I Sohnespflicht hatte mir jedenfalls als die naherliegende I und dringendere zu gelten." _ I

Ja. Aber Tu hast sie jetzt erfüllt; denn Doktor Müller sagte mir soeben, daß wir ganz ruhig fern durften, und daß zunächst nichts weiter gethan iverden könne. Es giebt also nichts mehr, das Dich abhalten könnte, Felicia zu suchen." ., . , , . ,

Und willst Du mir auch sagen, wo ich jetzt i» der Nacht damit beginnen soll? Ich kann doch Nicht die Polizei auf ihre Fährte Hetzen."

Das darfst Du freilich nicht. Aber Du kannst Dich wenigstens in dem Pensionat nach ihr erkundigen. Sicher­lich hat sie sich dahin gewendet; denn es giebt keine j Familie in der Stadt, mit der sie genau genug bekannt | gewesen wäre, um bei ihr eine Zuflucht zu suchen. Und wenn Du sie dort nicht finden solltest, so wird man wenigstens eine Vermutung äußern können, wo sie »i» sonst aufhält." , .

Herbert fühlte, daß seine Schwester tm Recht war, und daß er in der That nicht ganz unthätig warten durfte, bis ihm Felicia die in ibrem Briefe verheißene weitere Erklärung gab. Schon die Unmöglichkeit, ihr Verschwinden auch nur für einen einzigen Tag zu verheimlichen, zwang ihn, wenigstens einen Versuch zu ihrer Auffindung, und zur Verhinderung des sonst ganz unvermeidlichen argen Skandals zu machen, wie wenig Anteil auch tminer die Sehnsucht seines Herzens an einem solchen Entschlüsse haben mochte. ,

Wohl", sagte er,ich werde thun, was ich ver­mag, und was ich vor mir selbst verantworten kann."

"Hilde war allein, und da man ihr gesagt hatte, daß sie sich dem Krankenzimmer vorläufig fern halten solle, fetzte sie sich aus einen der chaotisch durcheinander ge­schobenen Stühle, stützte die Ellenbogen ihrer nackten Arme auf die Lehne eines anderen, und barg das Gesicht m den Händen. Sie war noch immer in ihrem duftigen Elsenkostüm, und sie hatte in der Aufregung nicht einmal daran gedacht, die an ihrem Kleide befestigten Schmetter­lingsflügel abzulegen. In weichen Wellen fiel ihr schönes Haar über Schultern und Nacken herab, und die natürliche Anmut ihrer geschmeidigen Gestalt offenbarte sich um so reizender, je weniger ihr in diesem Augenblicke daran gelegen war, hübsch und vorteilhaft auszusehen.

Sie saß so sehr lange, ohne sich zu rühren. Ihr junges Herz war zum Sterbetl traurig; bemt sie liebte Felicia kaum minder aufrichtig, als sie ihren Vater liebte, und daß diese beiden teuren Menschen ihr gleichzeitig so bitteren Kummer bereiten mußten, dünkte sie eine fast unerträgliche Grausamkeit des Geschickes.

Ta klang von der Schwelle des Salons her eine tiefe sympathische Männerstimme an ihr Ohr:

Mut, mein liebes Fräulein! Es geht Ihrem Vater schon viel besser, und wenn nicht alle Anzeichen trügen,^ wird er in kurzer Zeit völlig wieder hergestellt sein."

Schon beim ersten Laute hatte Hilde erkannt, daß es Toktor Hermann Müller war, der zu ihr sprach, und sie war nicht im mindesten erschrocken. Sie ließ die Arme von der Stuhllehne herab gleiten, und wandte ihm mit einem Ausdrucke rührenden Vertrauens ihr in all seiner; Betrübnis noch so holdes Kindergesichtchen zu:

Ich danke Ihnen, Herr Doktor! Und es verhält sich! auch wirklich so nicht wahr? Sie sagen es nicht nur,, um mich für den Augenblick zu trösten?"

Nein, gewiß nicht! Wir Aerzte sind ja leider zu­weilen gezwungen, dergleichen zu thun. Aber diesmal ist es keine fromme Lüge, sondern meine redliche Neber-, zeugung."

Gott sei Dank! Wie gut, daß Sie gerade 6et uns waren, als das Schreckliche geschah! Wer Sie sind doch nickt gekommen, um sich von mir zu verabschieden? Sie wollen uns doch nicht jetzt schon verlassen?"

Ich glaube nicht, daß ich Ihrem Vater vorerst noch von irgend welchem Nutzen sein kann; aber wenn Sie es wünschen, bleibe ich gern."

Ach ja, ich bitte Sie recht sehr darum von ganzem Herzen! Es ist gewiß eine sehr unbescheidene Zumutung, aber ich glaube, ich würde vor Angst vergehen, wenn ich j Sie nicht mehr hier wüßte. Wollen Sie sich nicht ein i wenig setzen? Und darf ich Ihnen vielleicht em Glas! Wein, oder eine andere Stärkung besorgen?"

Toktor Müller lehnte freundlich dankend ab, und ließ sich in einiger Entfernung von ihr nieder. Wenn Hilde eine bessere Beobachterin gewesen wäre, so würde fte zu ihrem Erstaunen wahrgenvmmen haben, daß die größere Befangenheit heute nicht bei ihr, sondern bet dem statt­lichen Manne war, zu dem sie bisher immer mit einer Art von scheuer Ehrfurcht aufgeblickt hatte. War auch durch die Ereignisse des heutigen Abends diese ehrfürchtige Em­pfindung eher noch vertieft als verringert worden, soi hatte sich ihr doch ein Gefühl warmer Dankbarkeit und. innigen Vertrauens zugesel t, das Hilde ermutigte, uugletch freier und natürlia-er mit ihm zu verkehren, als es je zuvor der Fall gewesen. .

Dem Doktor aber war es, als hätte sich plötzlich eine wunderbare Wandlung mit diesem lieblichen jungen Wesen vollzogen, und als sähe er es jetzt eigentlich zum ersten Mal War ihm die Tochter des Kämmerers bis dahin nur wie ein reizendes Kind erschienen, das man zwar mit herzlichem Wohlgefallen betrachten, mit dem man stch aber nicht ernstlich beschäftigen konnte, so wurde ihm wahrend, dieses, von so seltsamen Umständen herbeigefuhrten nächt­lichen Alleinseins nicht nur an ihrer jungfräulich holde» äußeren Erscheinung, sondern noch mehr aus ihren Worte» I offenbar, wie sehr er sie unterschätzt hatte. Mochte st« auch in vielen Dingen immerhin noch die liebenswürdige! Naivetät eines Kindes haben, so gaben ihr doch die Reifs ihres Verstandes, und die klare Selbständigkeit ihres Urteils! vollen Anspruch darauf, ganz so tote jede andere erwachsens Dame behandelt zu werden. Und je weniger sie sich be­mühte, klug und geistreich zu erscheinen, desto größeres, Entzücken bereitete es dem grauhaarigen Manne mit dem jugendlichen Antlitz, in ihrem unbefangenen Geplauder all­gemach alle Reize einer zarten und reinen Madchenseele vor seinen Blicken entfaltet zu sehen.

Ein Luftzug, der durch das Oefsnen irgend einest Thür im Hinteren Teile der Wohnung entstanden fern mochte, ließ die leicht gekleidete Hilde fröstelnd erschauern, I u»d Toktor Hermann Müller, der das Zucken ihrer schulte« gesehen hatte, fragte arglos, ob sie nicht lieber et» I schützendes Tuch umnehmen wollte. Ta zum ersten Mal wurde sie sich bewußt, daß sie noch immer all den Flttter- I float ihrer Elfenrolle trug, und et» heißes Rot der Beschäme I ung flammte in ihrem Gesicht auf. , ,

IMein Gott, was müssen Sie von mir-denken". sagte