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Sämtliche Stoffe zur Siegellackfabrikation müssen vor ihrer Verwendung durchaus trocken sein; in der Fabrik trocknet man sie, zur Vermeidung besonderer Kosten, durch Ausnutzung der Wärme, welche von dem Harz-Schmelz­ofen ausströmt. Der flüssigen Harzmasse werden die in­differenten Stoffe wie Kreide, Magnesia usw. zugesetzt, welche das Gewicht oder Volumen beeinflussen; schließlich wird der Farbstoff eingerührt und alles sehr gut vermischt. Sollen mehrere Farbstoffe verwendet werden, so werden sie zunächst gsemisM, dann der so gewonnenen Farbmasse die weißen Körper zugefügt, worauf dann das Farben- gemifch in die geschmolzene Harzmasse eingerührt wird. Für große Betriebe giebt es besondere Farbmischmaschsinen. Tas Schmelzen der Masse muß sehr vorsichtig geschehen; denn die Temperatur darf nicht höher steigen, als gerade erforderlich ist, um die Masse flüssig zu erhalten. Man baut deshalb besondere Oefen, welche sich leicht regulieren lassen. Auch dürfen die Gefäße nicht 8U groß sein; denn man muß das flüssige Harz, um die Farben beizumischen, auf dem Herde schnell und leicht umrühren können, eine Arbeit, die bei Verwendung umfangreicher Kessel nicht gut möglich ist. Bei einem recht sinnreich angelegten Schmelzofen sitzen die Gesäße in einer mit Sand gefüllten Blechwanne, welchje von den Feuergasen umstrichen und erhitzt wird; die Sandbettung erwärmt sich gleichmäßig und teilt ihre Hitze den Schmelzgefäßen mit.

Um dem Siegellack die übliche Stangensorm zu geben, bedient man sich besonderer Messingformen. Für Stangen von rechteckigem und dreiseitigem Querschnitt verwendet man Messingplatten, welche von Kanälen durchbohrt sind, deren Form den Siegellackstangen entspricht. Beim Guß stellt man die Formen aufrecht, verschließt die Oeffnungen auf einer Seite durch eine Seitenschiene und gießt mit dem Schöpflöffel die Masse ein. Da die Kanäle sich nach der Einflußöfsnung zu ein wenig erweitern, so ist die Ent­fernung der Stäbe aus der Form nicht mit besonderen Schmierigkeiten verknüpft. Soll der Siegellack stellenweise versilbert, vergoldet, oder mit Bronzestaub verdeckt wer­den, so streut man die betreffenden Blättchen oder Pulver in die Form ein. Für Siegellack von ovalem, oder kreisrundem Querschnitt verwendet man Doppel­formen mit halbzylindrischen Rinnen, welche übereinander gelegt und verschlossen, die vollen Zylinder ergeben. Da die Messingformen ziemlich kostspielig sind, so genügt es auch,, sich eine einzige korrekte Form unfertigen zu lassen und nach dieser Formen in gewöhnlichem Schriftmetall zu fertigen.

Die aus der Form gewonnenen Stangen haben nicht genügenden Glanz; sie müssen erst noch Politur erhalten. Das geschieht derart, daß man die Stangen in den sogenannten Polierofen hält, in welchem sich erhitzte Luft befindet; die Temperatur derselben genügt, um die Oberflächen in Fluß zu bringen, wodurch sie sofort Glanz annehmen. In dieser Beschaffenheit werden sie einem Arbeiter zugereicht, welcher mittels Stempeln Schrift und Verzierungen aufdrückt.

Bekanntlich. findet der Siegellack vielfach zum Ver­schluß von Flaschen Anwendung; es ist jedoch zu beachten, daß er zum Verschluß von Spirituosen nicht gut verwendet werden kann, da er durch alkoholische Flüssigkeiten gelöst wird. Man verwendet daher an seiner Stelle ein Ge­misch von Wachs, Paraffin, Mennige und Schlemmkreide. Uebrigens wird der Flaschenlack mehr und mehr durch Metallkapseln verdrängt.

Eine besondere Spezialität bildet der durchscheinende Siegellack, welcher zu den feinsten Sorten gehört. Es können zu seiner Herstellung nur sehr feine gereinigte Materialen Verwendung finden; durchscheinend wird der Siegellack aber erst, wenn man ihm eine hinreichende Menge -von Mastix zufügt und sehr feinen hellfarbigen und dickflüssigen Terpentin verwendet.

Gewöhnliche Sterbliche verwenden einen so kost­spieligen Siegellack nicht, und es giebt sicher Tausende von Menschen, deren Gesamtbedarf an Siegellack ihr ganzes Leben hindurch 'nur wenige Pfennige ausmacht. Dennoch 'bildet die Siegellack-Fabrikation eines der wich­tigsten Gebiete der Lackindustrie. Der Wahlspruch der

sogenannten Fechitvereineviele Wenig machen ein Viel" könnte auch für die Siegellack-Fabrikanten zutreffen.

Citterarifd?es.

Kindtr-Aritung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 8: Was in der Welt vorgeht: Kapitän Lans vomIltis" und sein Leidensgenosse; Was find die Boxer"? Ein sonderbarer Mietzins; Eine Ehrung gefallener preußischer Krieger; Ein Hund von Tigern zerrissen; Kleine Notizen. Aus dem Reiche der Natur: Ausrottung der Känguruhs.Was John. Dollond der Taucher erzählte" von Bruno H. Bürgel. (Forts.> Jndianerlcben im Thüringer Wald" von Felix von Stenglin. <Forts.) Erlebnisse. Briefwechsel. Tauschccke. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postänstalten, Buchhandlungen und die Expedition in Groß- Lichterfelde. ________________

Was versteht mar» unter naturgemäßer Lebens- und Aeilweise? Diese Frage behandelt die erste Nummer des Hygieni­schen Quartals (Verlag Otto Borggold Leipzig) in äußerst interessan­ter Weise, indem der Autor dieser Arbeit zunächst das Antworten-Er­gebnis, welches er auf seine Umfragen bei medizinischen, hygienischen, und schriftstellerischen Autoritäten erhielt, veröffentlicht, um dann seiner eigenen Ausführung die physiologische Beweisführung im Anschluß an die einzelnen NaturfaktorcnDiät Bewegung Luft Licht Wasser Metallismus Erdbehandluna Elektrizität Magne­tismus Hypnose und Suggestion" anzuschließen. Die Ausführungen bilden eine allgemeinverständliche Zusammenfassung wissenschaftlicher Forschungen aus dem genannten Gebiete und sind wohl im stände, den Leser von der Lebens- und Heilkraft der natürlichm Faktoren zu über­zeugen. Dann folgen weitere äußerst intereffante Artikel. Das 84 Seiten starke, vornehm ausgestattete Heft kostet 1 Mark. Abonniert man auf einen Jahrgang (4 Hefte), so erhält man diesen für 8 Mark.

Charade.

Nachdruck verboten.

Auf der Eins dort im Eins-Zwei Ging die Maid spazieren.

Als der Eins-Zwei kam vorbei, Thät er's Herz verlieren.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Die Silbe Ha-

(Hagar, Hase, Haken, Hafen, Hafer, Havel, Hader, Hagel, Hamen, Hanau.),

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 161:

Ewig muß das Ew'ge währen, Darum sinke nicht dein Mut; Will das Alter selbst verzehren Deines Herzens Flammenglut. Denn gelöst vom Sklavenbande Fliegt sie auf zum Baterlande, An des Lichtes ew'gen Quellen Sich den Göttern zu gesellen. v. Collin.

Es gingen insgesamt 16 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 3. Einsender: Hch. Klaus, Hoboist Jnf.-Rgt. Nr. 116, Gießen, Kaserne I.

Der Preis Keller, Geschichte der Musik, geb. ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der AbonncmentSquittung in der Geschäfts­stelle derFamilienblätter" in Empfang zu nehmen.

Mein Hessenland!*)

O sei gegrüßt, mein Hessenland! Mit Jubel rühm' ich dich aus's neue. Dir schlägt mein Herz, dir schwört die Hand, Ich bleibe dein in deutscher Treue.

Dir gilt zum Preise mancher Ton Von Ruhm und Glanz aus alten Zeiten.

Die Sage spinnt um dich als Lohn Das Lied vom Lieben und vom Streiten.

O Hessenland mit Thal und Höh'n, Mit Strom und grünen Rebengauen, Kein Lob erklingt für dich zu schön, So herrlich bist du anzuschauen.

Darmstadt.

*) Nachdruck gestattet.

Der Bergmann schürft nach Erz- gestein,

Die Mandel reift bei Aprikosen, Die Fluren geben Korn und Wein, Die Wälder Holz, die Hecken Rosen.

Ob Menschen auch wieGras vergeh'n Und wie ein Blatt im Wind ver- stieben:

Dein Volk der Chatten wird bestch'n; Sein starker Kern ist echt geblieben.

Am Bau des Reichs ein Edelstein, So strahlst du, Heimat, ohne Fehle. Mein Hcssenland, o Land am Rhein, Wie lieb' ich dich in tiefster Seele!

Karl Schäfer.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UmversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße».