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ruhten Gertruds blaue Augen auf meinem Gesicht, qlänzenb, fragend, mitleidig. Als ich ging, schüttelten sie mir die Hand, der Forster und seine Frau:Solchen Abend haben wer rm Walde noch nicht gehabt! Kommen Sie morgen ivreder? ^ Es ist die reine Selbstsucht, aber der Mensch will bo$ auch leben, und das kann er nicht vom Brot allein; meine Frau ist eine Pfarrerstochter, und wenn nM tue Vögel singen, ist's gar still im Wald! Sie kommen wieder gelt?"

Und Gertrud ,gab mir die Hand und sagte nichts. Sre hob nur ein wenig die Augen, und ihre Hand schloß

lercht um meine.Ja, ja, ich komme wieder, morgen!" rief ich. Und fröhlich schritt ich« durchs den nächtlichen, rauschenden, brausenden Wald.

Urch ich kam wieder. Jeden Abend. Bis zum letzten Abend. v

Da traf ich die Frauen allein im Haus. Der Förster war noch« nicht heimgekehrt aus dem Revier.

Fräulein Gertrud", bat ich, äls wir allein im Zimmer waren;wollen Sie noch eine halbe Stunde mit mir in den Wald? Sagen Sie, Sie wollten mir die Hirsche zeigen. Ich muß mit Ihnen reden!"

Da gingen wir hin; oft schweigend, dann über gleich- Se Dinge freundlich! plaudernd. Da lag ein großer ter Eichenstamm.

Setzen wir uns hier!" bat ich. Befangen und mit glühenden Wangen gehorchte sie.

Und wissen Sie, Fräulein Gertrud, weshalb ich! Sie hier hinausgeführt habe?"

Sie schüttelte verneinend das Haupt und sah vor sich nieder.

Um Ihnen, dem reinen, mir so lieb gewordenen Mädchen die Geschichte 'eines Mannes zu erzählen. Darf ich!?"

Sie hob die Augen mit einem stillen Blick der Er­gebung.

So hören Sie denn!" Sie saß da, die Hände im Schost gefaltet. Ihr Fuß stand im welken Winterlaub. Ueber uns rauschte und raunte es geheimnisvoll in den Lüften.

(Schluß folgt.)

Eine Kaiserkrönung vor 1100 Jahren.

Karl der Große,

zum Kaiser gekrönt am 25. Dezember 800.

Von Dr. EduardBusse.

Nachdruck verboten.

Für die jubiläumsfrohe Gegenwart bringt der heurige Winter Gedächtnistage von höherer Bedeutung, als sie sich! an die Säkularerinnerungen und sonstigen Erinnerungs­feiern für einzelne Personen zu knüpfen pflegen. Am 18. Januar nächsten Jahres begeht das neue deutsche Reich seinen dreißigsten Geburtstag und überschreitet damit die Altersgrenze, die man gemeinhin als ein Menschenalter bezeichnet, und dessen Erreichung ihm seine Feinde in der Geburtsstunde abgesprochen haben. Am selbigen Tage sind es 200 Jahre her, daß der Sohn des Großen Kurfürsten in der Stadt der reinen Vernunft sich die Krone eines Königsin" Preußen aufs Haupt setzte. Wenige Wochen vorher, am 25. Dezember 1900 aber kehrt zum 1100. Male der Tag wieder, an dem ein Monarch, in dessen Adern ebenfalls deutschj-fränkisches Blut floß, in Rom aus der Hand des Papstes das Diadem empfing, durch das nach einer Unterbrechung von mehr als 300 Jahren das altrömische Kaisertum, wieder künstlich zum Leben gerufen wurde, ein Kaisertum, welches durch Männer von höchster altklassischer Bildung wie Titus, Vespasian, Hadrian, und Mark Aurel und durch Zerrbilder des Menschen wie Caligula und Helio- gabalus vergegenwärtigt wird, dem anderseits aber auch von edelster christlicher Anschauung getragene Leute wie Konstantin und Theodosius angehörten, und das schließ­lich rühmlos durch Odoaker endete, der den Schchach^- kopf Romulus 'Augustulus einfach davonjagte.

Am ersten Weihnachtsfeiertage des Jahres 800 empfing Karl der Große aus den Händen des Papstes Leo III. die römische Kaiserkrone, und dieser Tag ist

Ser Geburtstag desheiligen römischen Reiches deutscher Nation", dessen Leben am 6. August 1806 nach einem Be­stehen von fast 1006 Jahren durch freiwillige Abdankung seines Hauptes endete.

Unter allen großen Männern, welche seit Christus über den Erdball gewandert sind, hat das Bild keines einzigen in der Phantasie der Nachwelt so tiefe Wurzeln geschlagen, als das Karls des Großen, des ältesten Sohnes Pipins des Kleinen und seiner Gemahlin Bertha, der Tochter des Grafen Charibert von Laon, der nach "dem Tode seines Vaters im Jahre 768 die Herrschaft über Austrasien und Aquitanien erhielt, aber schon drei Jahre später nach dem Tode seines Bruders Karlmann dessen Erbteil seiner Witwe Desiderata und seinen unmündigen Söhnen entriß, sodaß er wiederum das ganze große Frankenreich unter seinem Szepter vereinigte.

Mit der Flucht der vertriebenen Witwe, die sich! zu ihrem Vater, dem Longobardenkönig Desiderius rettete, begann die lange Reihe von Kriegen, welche die 46 jährige Regierungszeit dieses ungewöhnlichen Mannes aussüllen, der den Erfolg dauernd an seine Spuren zu ketten wußte, obwohl die politischen Verhältnisse sich mehr als einmal höchst ungünstig für ihn gestalteten. Auf seinen Kriegszügen, die chn bald weit mach Spanien und Italien hinein und bald an die dänische Grenze und tief in die. heutige Mark Brandenburg, nach Böhmen und bis an die Raab in Ungarn führten, wurde ihm die Sieges­göttin nie ernstlich, untreu,' und 'so ist es kein Wunder, daß sich an die alles andere in der damaligen christ­lichen Welt berghoch überragende Gestalt, der selbst die fernen Ommajaden in Bagdad, die Nachfolger Muhameds aufrichtige Bewunderung nicht versagten, eine Litteratur knüpfte, wie es nie zuvor und nachher bei einem anderen Monarchen der Fall gewesen ist. Nicht nur diejenigen Völker, über die er geherrscht, also Deutsche, Nieder­länder, Franzosen und Italiener feierten ihn im Liede, sondern auch dort, wo er nur vorübergehende Spuren seines politischen und militärischen Lebens hinterlassen, bei den Spaniern, Engländern und Skandinaviern,, wob die geschäftige Phantasie um ihn das schimmernde Kleid der Sage, welches den Nachkommen die Schwächen und Mängel verhüllt und in den «Nebeln der Vergangenheit den, der ihr Liebling ist, noch größer erscheinen läßt, als er wirklich war.

Karl hat sicherlich beim Antritt seiner Regierung nichts weniger im Auge gehabt, als die Gründung einer Allerwelts-Alleinherrschaft. Wie jeder andere Machthaber trachtete er danach, seine Hausmacht zu erweitern, und das Glück war ihm darin überaus günstig. Der frühe Tod seines Bruders sicherte ihm die Alleinherrschaft im Fränkischen; die Jntriguen seiner verwitweten Schwä­gerin gaben ihm den Anlaß,; sich in die Angelegenheiten Italiens einzumischen, die Notschreie der Christen in Spanien zogen ihn in den Kampf mit der Maurenherrschaft. Gegenüber den Sachsen aber, mit welchen er 32 Jahre hindurch fast ununterbrochen Krieg geführt hat, fehlte es ihm anfänglich an jedem glaubhaftem Kriegsvorwand, daß aber auch dieser markigste der deutschen Stämme dem großep Ganzen eingefügt wurde, war eine innere Notwendigkeit in einer Zeit, wo das Slaventum bis an die Elbe "reichte und dem deutschen Volke der Boden der Zukunft bereitet werden mußte.

Erst von dem Zeitpunkte, wo er während der sieben- monatlichen Belagerung Pavias im Jahre 773 und 774 zum ersten Mal nach Rom zog, gehen Karls Pläne ins große. Der feierliche Empfang seitens des Papstes, welchem er die Pipinische' Schenkung bestätigte, der Ein­zug ,cm der Seite des 'ersten Bischofs der Christenheit in die Peterskirche und die Eindrücke von der Herrlich­keit und Größe der ersten Stadt der Welt, gaben seinen Ideen neue Ziele. Er begann seine recht mangelhafte Jugendbildung zu vervollständigen, ließ sich täglich aus den Werken der Schriftsteller des Altertums vorlesen, zog Gelehrte an seinen Hof, welche ihm dieselben über­setzten und erklärten, und füllte seine Seele mit den Bildern altrömischer Kriegsthaten und Friedensmacht. Den Helden jener Zeiten nachzustreben und die Grenzen seiner Macht bis zu den «fernsten Gegenden hinauszurücken, iöarb nun sein höchstes Ziel. Der Frankenkönig ver-