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wenigstens eine gütliche Vereinbarung hinsichtlich der Form, in welcher er sich der Oeffentlichkeit gegenüber vollzieht."

Er sprach in einem freundlich wohlwollenden, fast väterlichen Ton. In seinem ganzen Benehmen aber war eine Zurückhaltung, die er sich bei dem Verkehr mit Franz Norrenbergs Tochter bisher nicht auferlegt hatte. Dora sah ihm sekundenlang fest ins Gesicht; dann schüttelte sie mit emergisch abweisender Gebärde den Kopf.

Mir sind derartige Komödien in tiefster Seele zu­wider. Und was kann uns auch! schließlich daran gelegen sein, die Welt zu täuschen? Ist mein guter Name wirklich! bedroht, so müßte man wohl auf ein anderes Mittel sinnen, ihn unangetastet zu erhalten."

Sandory fuhr mit der Rechten wie nachdenklich durch seinen langen seidenweichen Bart. Nicht der leiseste An­flug von Befangenheit zeigte sich, in seinem Benehmen. Ja, wenn es nur so leicht wäre, die hunderttausend Köpfe der gistzüngigen Fama zu zertreten!" meinte er. Glauben Sie mir, das ist ein aufreibender und wider­wärtiger Kampf, der selbst int günstigsten Falle nur mit einem Pyrrhussiege endigen kann."

Dora saß kerzengerade auf ihrem Stuhl; das herrische in diesem Moment geradezu unschöne Antlitz hatte die steinerne Unbeweglichkeit einer Maske angenommen. Nein", unterbrach sie den Sprechenden schroff,an einen derartigen Kampf habe ich selbstverständlich nicht gedacht. Mögen doch die Leute glauben und reden, was sie wollen, wenn ihnen nur der Vorwand genommenn ist, mich durch ihr hämisches Mitleid zu beschimpfen! Das allein ist es, was ich; nicht ertragen könnte, und davor sollen Sie mich bewahren."

In leichtem Erstaunen hob Sandory den Kopf.Ich? Ja, ich bin natürlich ganz zu Ihren Diensten; aber wie ich! es anfangen sollte"

Er stand auf, da auch; Dora sich von ihrem Sitz erhoben hatte.

Sie verstehen mich nicht so lassen Sie mich etwas deutlicher reden! Sie find es, der mich! bloßgestellt hat, und Ihre Pflicht ist es, meinen guten Namen wieder­herzustellen wenn Sie fein Schurke sind!"

Weder Bestürzung noch Zorn, nur grenzenlose Ver­wunderung prägte sich in Sandorys Zügen aus.

Verzeihen Sie mir die Schwerfälligkeit meines Be­griffsvermögens, Fräulein Norrenberg, aber ich verstehe Sie jetzt noch weniger als vorher. Wann und wodurch hätte ich Sie bloßgestellt?"

Wenn Sie die Stirn haben, eine solche Frage an mich zu richten, ist es wohl müßig, Ihnen Antwort darauf zu geben. Es war also niemals Ihre Absicht, sich um meine Hand zu bewerben?"

Aber, mein verehrtes Fräulein, eine so ungewöhn­liche Frage"

Was kümmert es Sie, ob sie ungewöhnlich ist oder nicht? Wenn es mir gefällt, meine weibliche Würde weg­zuwerfen Sie wären doch wohl der letzte, der sich darüber aufhalten dürfte. Sie sollen mir nur antworten, kurz und bündig, mit einem einfachen Ja oder Nein! Dazu wenigstens wird Ihr Mannesrnnt doch ausreichen."

Wenn ich die Frage denn wirklich als ernsthaft gemeint ansehen soll nein, mein gnädiges Fräulein, ich habe einen so vermessenen Gedanken bisher in der Thal nicht gehegt."

Die Hände des Mädchens hatten sich geballt. Etwas von der blutgierigen Wildheit eines sprungbereiten Raub­tieres funkelte in ihren Augen.

Gehen Sie!" stieß sie hervor.Gehen Sie auf der Stelle sonst schlage ich Ihnen ins Gesicht!"

Rudolf Sandory bückte sich nach seinem Hut und wandte sich zur Thür.Sie müssen notwendig etwas zur Beruhigung Ihres aufgeregten Nervensystems - thun, Fräulein Norrenberg", sagte er freundlich, als er schon die Hand auf dem Drücker hatte.Ich werde mir erlauben, Ihren Herrn Vater darauf aufmerksam zu machen."

Damit verließ er das Zimmer, gleichmütig, wie er es betreten hatte. Ms er den Garten durchschritt, sah er Franz Norrenbergs gebrechliche Gestalt langsam die Straße heraufkommen. Er wich den Begegnungen mit feinem alten Freunde sonst keineswegs aus; heute aber

schien ihm sehr wenig an einem Zusammentreffen ge­legen zu sein; denn er beschleunigte feine Schiritte und schlug dann, nachdem er die Gartenthür hinter sich zu­geworfen hatte, die entgegengesetzte Richtung ein.

Wie klug sie es angelegt hatte!" dachte er.Der Alte sollte uns mitten in einer rührenden Liebesszene überraschen. Aber ich muß mich ergebenst bedanke,:, Fräulein Tigerkatze! Bei einem Weibe, das man lieben soll, sind die Krallen jedenfalls überflüssig."

Und er wirbelte das spanische Rohr mit dem silbernen Knopf zwischen den Fingern wie ein zwanzigjähriger Jüngling.

Wo ist meine Tochter?" fragte der Bankier, sobald er das Haus betrat.Sie hat eben einen Besuch gehabt, nicht wahr?"

Jawohl, erst in diesem Augenblick ist Herr Sandory fortgegangen. Und das Fräulein ist noch drinnen in dem kleinen Salon."

Norrenberg ließ sich! kaum Zeit, den Ueberrock abzu­streifen. Die Adern an feinen Schläfen lagen wie dicke blaue Stränge unter der gelben Haut, als er bei feiner Tochter eintrat. Dora mochte ihn bereits durch das Fenster erblickt haben und 'darauf vorbereitet fein, daß er sie sogleich auf suchen würde. Jedenfalls hatte sie in der kurzen Zeit, die seit Sandorys Entfernung vergangen war, ihre äußerliche Ruhe vollständig zurückgewonnen, und von der furchtbaren Erregung der letzten Minuten war keine Spur mehr auf ihrem Gesicht.

Dieser Mensch ist bei Dir gewesen, Dora, versuche nicht, es zu leugnen; denn ich habe ihn mit meinen eigenen Augen gesehen. Dn empfängst also hinter meinem Rücken feine Besuche!" stieß Norrenberg hervor.

Ist es meine Schuld, daß Du abwesend warst?" gab sie gleichmütig zurück.Ich würde ihn sonst in Deiner Gegenwart empfangen haben."

Nein, das hättest Du nicht!" rief der Bankier, dessen Brust in keuchenden Atemzügen arbeitete, und der an allen Gliedern zitterte in seinem überschäumenden, ohn­mächtigen Zorn.Denn ich würde ihn zur Thür hinaus- geworfeu haben den Schurken den Dieb!"

Dann bedaure ich; um so mehr, daß er bereits frei­willig gegangen war. Du bist so verschwenderisch mit Deinen Schmähworten und Drohungen, wenn er nicht dabei ist, daß ich; nachgerade den lebhaften Wunsch em­pfinde, Du möchtest ihm das alles auch; einmal ins Gesicht hinein wiederholen."

Wünsche Dir das lieber nicht, Dora! Es würde dabei nichts Gutes herauskommen weder für ihn, noch für uns!"

Eine sehr dunkle Warnung. Und Du weißt, Vater, daß ich; mich vor Gespenstern nicht fürchte."

Du könntest es in diesem Fäll lernen, mein Kind! Es gießt Gespenster, die am Hellen Tage umgehen, und die einen bis in die Nacht des Wahnsinns treiben können. Aber Du wirst michnicht zur Verzweiflung bringen wollen mit Deinem lieblosen Trotz. Was kann dieser Mann noch, von Dir begehren, und was hast Du mit ihm zu schaffen? Ist es denn nicht genug mit dem Verhängnis, das er bereits über Dich heraufbeschworen hat der elende, gewissenlose Geselle?"

Und wenn es nun gerade dieses Verhängnis wäre, das mich; an ihn fesselt?"

Es giebt nichts, das Dich an ihn fesseln könnte nichts! Eher dürstest Du Dich an einen hergelaufenen Vagabunden von der Landstraße fortwerfen, als an ihn. Denn er ist ein Ausgestoßener, ein Versehmter er besudelt bie Hand, die er berührt, und würde das Weib, das verblendet genug wäre, sich an ihn zu hängen, un­fehlbar mit sich> hinabreißen in den Abgrund der Schmach und Schande."

Es geschah nicht oft, daß Franz Norrenberg sich einer so pathetischen Ausdrucksweise bediente. Nur das ver­zweifelte Bestreben, seine Tochter vor der unglückseligen Verirrung $u bewahren, der er sie so nahe sah, gab ihm in diesem Augenblick Worte ein, die feiner Rede sonst völlig fremd waren. Es durfte ihn nicht einmal be­fremden, wenn feine eindringliche Beschwörung Dora biet