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Höhe der Uferwände. Mit gewaltigem Tosen braust plötzlich das Wasser wie eine Sturmflut heran, alles mit sich reißend, und das Passieren einer unbekannten Furt mit dem landesüblichen Ochsenwagen, dem 12 bis 16 Tiere zu je zweien vorgespannt sind, ist oft mit Lebensgefahr und Verlust der gesamten aus­geführten Habe verbunden. An Kennzeichen, die ein Un­eingeweihter gar nicht bemerkt, erkennen die Buren, ob sie es wagen dürfen, mit ihrem Fuhrwerk oder zu Pferde den Flußlauf zu passieren. Die Wasserhöhe an bemoosten Steinen im Flußbette oder an Baumstümpfen, die aus dem Wasser hervorragen, dient ihnen als Richtschnur. Wehe dem, der mitten im Flusse fest sitzen bleibt! Verschonen ihn auch die oft heranbraufenden schmutzigen Wassermassen, so peinigen ihn und sein erschöpftes Vieh die zu Tausenden sich einfindenden Nimmersatten Moskitos. Mit Beulen über und über versehen, geht man aus einem solchen, meistenteils nächtlichen Kampf hervor.

Durch das reißende Ausströmen der Wasser bilden sich infolge des Gegenpralls des Seewassers an den Ausflüssen Sandbänke, die stetig ihre Lage, Höhe und Tiefe ändern und Schiffen von größerem Tiefgang die Einfahrt verwehren. Es giebt Flüsse, die in der trockenen Zeit vollständig ohne Wasser sind, dennoch wird der Einheimische in solchen Terrains nie verdursten, denn an dem Sprießen mehrerer Knollengewächse und Gräser kann man die Stellen erkennen, unter welchen nach einigem Graben Wasser sicher zu finden ist. Ein Hottentott tränkte einst mich und mein fast zusammenbrechendes Pferd, indem er einen langen Stock an einer von ihm ausgesuchten Stelle in die Erde stieß und durch Rütteln und kreisförmiges Bewegen eine sich stets erweiternde, trichterförmige Oeffnung schuf, die sich bald mit der kostbaren Müssigkeit füllte. Nur in den größten Flüssen findet man während des ganzen Jahres Wasser, und in diesen oftmals auch nur stellenweise. So haben wir im Westen den Cunene mit verschiedenen Katarakten, der die Grenze unserer südwestafrikanischen Besitzung gegen das nördlich gelegene, portu­giesische Angola-Gebiet abschließt, und über dessen Ursprung die Nachrichten auseinandergehen. Man vermutet, daß er mit dem östlich gelegenen Okavango und Tonke-Fluß in unterirdischer Verbindung steht, welche letzteren ihren Ausfluß aus dem Ngami- See nehmen.

Den südlichen Teil unserer Besitzung begrenzt der Orange River oder Gariep, der, wie die erstgenannten, von Osten nach Westen fließend, sich in den Atlantischen Ozean ergießt. Auf den Sandbänken, in der Nähe des Ausflusses, fand seinerzeit der Bremer Kaufmann Lüderitz seinen Tod. Mit flachen Booten kann man diesen Fluß auf weite Strecken befahren, doch wird eine Einfahrt von der See für tiefergehende Schiffe nur zu ermöglichen sein, wenn zwei Wellenbrecher, rechts und links vom Ausfluß, geschaffen werden.

Vollständig erforscht ist der untere Flußlauf immer noch nicht, und Traders, d. h. Handelsleute, welche in diesem Gebiet reisten, behaupten, seine Uferwände zeigen Spuren von Kohlen und Eisen, sie wollen auch den typischenblauen Grund" der Diamantenfelder an einigen Stellen entdeckt haben. In ihn ergießtz sich der in letzter Zeit oft genannte Vaal River, welcher zum Teil die Südgrenze Transvaals bildet, und in der Ge- ichichte des Burentums eine bedeutsame Rolle spielt. Ebenso wie der Orange River nimmt er eine Reihe kleinerer Flüsse auf, die zum Teil äußerst fischreich sind. Das Gefall des Vaal ist ziemlich steil, das Bett größtenteils schieferartiges Gestein, an manchen Punkten ganz glatt und eben, hin und wieder auch sehr ausgedehnt in der Breite und oberhalb Kimberleys lieferte sein Bett seinerzeit die wertvollsten und schönsten Diamanten.

Die Flußläufe sind in der Regel schon von weitem zu er- kMnen,^da ihre Ufer fast durchgängig mit prachtvollem $aum» und Pflanzenwuchs bestanden sind. Der hervorragendste der Nebenflüsse des Vaal ist der Mooi River, dessen Eigentümlich­keiten spater geschildert werden sollen.

MV°rer Bedeutung ist der südlichst gelegene der westlichen Flusse, der Olifants River, welcher seinen Namen ourch die Elephanteniagden erhielt, die srüher an seinen Ufern abgehalten wurden. Eine mit vielen Kosten erbaute eiserne Brücke über diesen Fluß wurde von den reißenden Wassern wieder hmweggespült.

BM Osten Südafrikas gewinnen wir ein gang anderes Bild, venn hier Unben wir zahlreiche Flüsse, die in 'dem das Land durchziehenden Drakensgebirge oder dessen Ausläufern ent- prlngen, unabhängig von einander fließend und große, dicht bevölkerte, fruchtbare Strecken durchziehend, in den Indischen Ozean munden. Gehen wir die Südostküste hinauf, so finden wir als ersten erwähnenswerten Fluß den Buffalo. An seiner ^undung liegt East London, das als Einfuhrhafen eine große . Mittelst Baggermaschinen hat man eine vreite Emfahrtstraße durch die der Mündung vorgelagerten Sand- ' geschaffen, und der Verkehr nahm dadurch große Dimen- Iwnen an. Schiffe laufen letzt ein und aus, und mit kleineren Booten kann man beträchtliche Entfernungen den Fluß aufwärts ^uiuciit,yen.

®ann kommen wir auf unserer Wanderung zum Umtata

und Umzimvubu oder St. Johns-Flusse. Der erstere hat weniger Bedeutung wie der St. Johns. Zwei mächtige Felsen, dieThore des St. Johns", begrenzen die Einfahrt und sind ein weithin sichtbares Merkzeichen für die Schiffe. Man hat verschiedentlich versucht, die landschaftlichen Schönheiten und die wunderbare Umgebung des Flufses mit dem halbtropischen Baumwuchs und Laubwerk zu schildern, aber auch die regste Phantasie kann das Bild nicht in solche Färben kleiden, die erforderlich sind, um die ganze Schönheit der Natur an diesem Punkte wiederzugeben. Der St. Johns ist deshalb auch ein beliebter Ausflugspunkt. Kleine Dampfer vermitteln den Verkehr von dem nördlicher gelegenen Durban, und die Boote können bis 12 englische Meilen den Fluß hinauf fahren. In dem Hinterlande, Pondoland, bilden die vielen kleinen Gebirgsflüsse herrliche Katarakte und Wasserfälle, von denen der Tsitza-Wasser- fall der schönste und tiefste der Kapkolonie ist. lieber ein fast senkrecht abfallendes Felsstück stürzen sich die Wasser 375 Fuß hinab und bieten, namentlich bei Hellem Mondschein, einen feenhaften Anblick.

Auch der nunmehr in der Reihe folgende Umgeni-Fluß in Natal bildet bei dem kleinen Orte Howick einen herrlichen, 364 Fuß tiefen Wasserfall. Ein enger Felsenkessel nimmt die ge­waltigen Wassermengen auf, und schon von weitem kündigt ein dichter Staubregen das Vorhandensein des Falles an. Bei diesem Flusse, wie auch bei dem in letzter Zeit viel genannten Tugela und einigen anderen, höher hinauf gelegenen Flüssen, ist ein Zugang von der See nur zu gewissen Zeiten mit kleinen Booten zu ermöglichen. Der Krokodilfluß oder Limpopo ist zwar einer der bedeutendsten Ströme, zum Teil aber noch unerforscht, soweit seine Verwendbarkeit für die Schiffahrt in Frage kommt. Er bildet die Nohdgrenze von Transvaal und fließt, nachdem er beträchtliche, fieberschwangere, sumpfige Tiefländer durchzogen, oberhalb der Delagoabai ins Meer. Bis etwa 25 Meilen hinauf ist dieser Strom schiffbar, soweit bis jetzt festgestellt ist. Wir gelangen nun zum Zambesi, dem Könige der Flüsse des Südens. Unterhalb der berühmten Viktoriafälle breiten fich die Wasser des Flusses bald wieder wie oberhalb der Stürze zu bedeutender Weite aus, die sich auf zirka 1200 Meter erstreckt. Dann teilt sich der Strom in mehrere Arme, von denen allein der Kuama, der größte und zu jeder Zeit des Jahres schiffbare ist. Unzählige größere und kleinere, dicht von Wafservögeln be­völkerte und mit üppiger Vegetation bestandene Inseln liegen im Strome zerstreut. Es fließen ihm, von Norden und Süden kommend, eine ganze Anzahl Flüsse zu, die beträchtliche Wasser­mengen mit sich führen und teilweise von den Eingeborenen in selbstgefertigten Booten aus Baumstämmen befahren werden. Von dem Ausflüsse bilden diese Arme ein Delta von etwa 80 englischen Meilen Breite. Wie Rhodesia-Goldsucher dem Ver­fasser dieses berichteten, ist der Strom bis weit oberhalb Tete, den jetzt neu entdeckten alten Goldfeldern, aus welcher Gegend König Salomo sein Gold hergeholt haben soll, schiffbar, und alten Urkunden zufolge dehnten die Portugiesen in früheren Jahrhunderten ihre Handelszüge bis dahin aus. Heute schließt der Fluß das zentrale Afrika von dem südlichen Teile ab; doch steht man im Begriff, Forschungen dahingehend anzustellen, bis zu welcher Entfernung von der Küste der Stromlauf für Han­delszwecke nutzbar gemacht werden kann. Bis jetzt hat das in den Tiefländern grassierende Fieber dem Europäer den längeren Aufenthalt dort unmöglich gemacht. Durch ausgedehnte An­pflanzungen, die infolge des schnellen Wachstums der Pflanzen in diesen tropischen Strichen verhältnismäßig leicht bewerk­stelligt werden können, gedenkt man auch diesem Uebelstande abzuhelfen.

Kehren wir nun zu demschönen Flusse", dem Mooi River, zurück. Wer die alte Hauptstadt Transvaals, Potschesstrom, be­sucht hat, dem wird auch das klare Wasser dieses den Ort be- rührenden Flusses ausgefallen sein. Man kennt den Ursprung des Mooi River nicht genau und vermutet, daß er den Wonder- fontein-Quellen entspringt. Schon lange, ehe man von den Diamantenfeldern kommend, den Mooi-Fluß erreicht, fallen dein aufmerksamen Beobachter eine Anzahl kleiner Bäche, Spruits genannt, auf. Die Wasser dieser Bäche fließen meist von Nordost nach Südwest, d. h. dem Vaal-Flusse zu. Diabas-Gestein ist rn diesem Teile vorherrschend und zeigt sich in vielen Ver­schiedenheiten.

Je näher an Potschefstrom, desto hügeliger wird das Terrain. Zuweilen trifft man morastigen Schiefer- und Kalkboden an höher gelegenen Stellen, wo man ihn nicht zu finden erwartet, stellenweise klingt der feste Boden ganz hohl, gleichsam als ob man über einen Brückenbogen hinwegschreitet. Dann zeigen sich auch eine Unmenge größerer und kleinerer Erdrisse und Spalten, die unterliegende Kalkschichten erkennen lassen. Verschiedene Untersuchungen seitens der Geologen bestätigen die dem Ver­fasser dieses von Transvaal-Buren gemachte Mitteilung, daß der Mooi River und einige kleinere Spruits stellenweife im Boden gänzlich verschwinden, um nach oft meilenlanger unter­irdischer Laufbahn südlich von diesem Punkte wieder zutage zu treten. Sehr wenig ist bisher zur genauen Erforschung dieses