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Anschein, als ob eine gute Fee im Hause an der Arbeit wäre."
„Wenn eS Ihnen gefällt, so bin ich reichlich belohnt, erwiderte er errötend."
„Wenn es mir gefällt?" wiederholte sie erstaunt. „Nun, es wird allen gefallen, besonders Ihrer Mutter und Susanne."
„Kann sein, aber ich dachte nur daran, daß das alles jetzt mehr dem ähnlich ist, an was Sie gewöhnt sind."
„Nun ich hoffe, Sie haben sich nicht meinetwegen alle diese Mühe und Sorge gemacht!"
„Ich habe mir gar keine Sorge gemacht, aber Sie sind in Sorge, Fräulein Howell, und vielleicht werden diese Blumen Sie etwas erheitern."
„Ich habe keinen Anspruch auf solche Aufmerksamkeit, erwiderte sie zögernd mit einem forschenden Blick."
Obgleich er sehr verlegen war, hielten seine schwarzen Augen denselben ohne Schatten aus.
„Können Sie diese Blumen nicht von mir annehmen?" fragte er.
„Ich verstehe Sie nicht, erwiderte sie verwirrt."
„Fräulein Howell, rief er Plötzlich, ich würde die ganze Welt dafür geben, wenn Sie mir Ihre Freundschaft schenken würden. Sie würde mir so unendlich viel nützen!"
„Mister Atword erwiderte Mildred mit einem Lachen, das mit einigem Verdruß gemischt war, Sie lassen sich von Ihrer Phantasie betrügen, und ich fürchte, Sie geben sich absurden Gedanken hin. Aber Sie sind gutmütig, und ich will darum aufrichtig gegen Sie sein. Wir sind in Sorge. Verluste und Mißgeschick haben meinen Vater betroffen, wir sind verarmt, und werden vielleicht noch ärmer werden. Vielleicht werde ich bis zum Ende meines Lebens Arbeiterin sein, und darum bitte ich Sie, machen Sie keine Heldin aus mir, das wäre eine zu grausame Satire auf mein prosaisches Los!"
„Sie verstehen mich nicht, erwiderte er, vielleicht verstehe ich mich selbst kaum. Wenn Sie glauben, daß mein Kopf voll von sentimentalem Unsinn sei, so wird die Zeit Ihnen beweisen, wie sehr Sie sich irren. Ich habe viel gelernt, seit ich Sie kenne, und kann mein altes Leben nicht fortsetzen. Vielleicht erscheine ich Ihnen noch linkisch und lächerlich, aber die Zeit wird kommen, wo Sie sich meiner Freundschaft nicht schämen werden. —"
„Was veranlaßt Sie, zu glauben, daß ein einfaches Mädchen, wie ich Ihnen helfen könne?"
„Sie sind ungerecht gegen sich selbst und gegen mich, erwiderte er. Ich habe noch wenig von der Welt gesehen, aber ich erkannte sofort Ihre Ueberlegenheit. Ich habe unsere ländlichen Schönheiten mit Ihnen verglichen, und auf den ersten Blick erkannt, daß sie neben Ihnen nur irdenes Geschirr sind."
Mildred konnte sich nicht enthalten, laut zu lachen. „Wenn Sie Ihre Illusionen so schnell verlieren, sagte sie, so werde ich wohl auch bald an die Reihe kommen, und dann nur Fayence neben irgend einem Stück von echtem Porzellan sein."
„Sie mögen über mich lachen, aber eines Tages werden Sie finden, daß ich nicht so thöricht bin, wie Sie glauben!"
Mildred befand sich in einem Zustand unangenehmen Erstaunens. Sie konnte sich die Veränderung, die in ihm vorgegangen war, nicht erklären. Er bat um Freundschaft, aber sie zweifelte stark daran, ob ihm diese lange genügen würde. Sie wünschte sehr, dieses Gespräch abzubrechen und aller Annäherung von seiner Seite enthoben zu sein, denn der bloße Gedanke an Worte der Liebe von ihm oder irgend einem andern, als Arnold Vinton, erregte ihren heftigen Widerstand. Als sie sich umsah, um ihre Flucht vorzubereiten, sah sie einen Herrn rasch auf das Haus zukommen. Nach kurzem Zögern eilte sie ihm entgegen.
„Willkommen, Willkommen, Papa!" rief sie.
VIII.
Beratungen.
Robert sah, wie Mildred sich in die Arme des hochgewachsenen Herrn warf, deffen dunkle Augen feucht wurden bei der leidenschaftlichen Begrüßung seiner Tochter.
„Ich habe einen schlechten Eindruck gemacht, murrte er, und er wird vielleicht lange nachwirken."
Dieser Empfang des alten Herrn überzeugte Frau Atword, daß seine lange Abwesenheit nicht durch einen Familienzwist verursacht war. Er wurde von allen stürmisch begrüßt, und die Kinder wollten keinen Augenblick seine Arme verlassen.
„Fanny, sagte er zu seiner Frau, ich hatte mir gelobt, nicht früher hierherzukommen, bis ich eine Stellung habe, welche Dir ein sorgenloses Leben sichern würde. Aber solche Stellen sind besetzt, und wenn sie frei werden, werden sie mit Verwandten oder mit jüngeren Kräften besitzt. Aber meine Freunde arbeiten noch immer sür mich, und vielleicht gelingt es mir, einen bedeutenden Geschäftsverkehr mit dem Süden anzuknüpfen.
Trotz dieser hoffnungsvollen Aussichten bemerkte Mildred, daß er an diesem Abend mehr als einmal seufzte. Spät am Abend während die Kinder schliefen, sprachen die Eltern in Mildreds Gegenwart noch lange über bte Zukunft. Howell wünschte, daß sie auf dem Lande bleiben und vielleicht ein kleines Haus in «Forestville mieten sollten.
„Nein, Martin, erwarte Frau Howell, die Trennung muß aufhören. Jetzt, wo Du wieder da bist, erkenne ich erst, daß der Druck auf meinem Herzen weniger durch den Verlust und durch die Aussicht auf Armut, als durch die Sehnsucht hervorgebracht wurde. Mein Platz ist bei Dir! Aber hier müßig zu sitzen und zu warten, ist unerträglich."
„Mama hat recht, bestätigte Mildred. Papa, wir müssen eine kleine Wohnung mieten, unseren Mitteln entsprechend, und ein neues Leben beginnen. Es wird nicht lange dauern, bis Bella und ich Arbeit finden."
„Es ist bitterer als der Tod sür mich, erwiderte er, daß meine Frau und Töchter um ihr Brot arbeiten müssen."
„Papa, rief Mildred, wäre es nicht unendlich bitterer, das Gnadenbrot zu essen?' „Ich will nicht behaupten, daß ich Mühe und Armut liebe, aber es ist nicht meine Absicht, ruhig zu sitzen und die Hände zu ringen. Nur, wenn wir uns der Hoffnungslosigkeit überlassen, sind wir verloren. Wir wollen zusammenbleiben und unsere Anstrengungen vereinigen."
„Wirklich, rief Howell, vereint mit solch einer Frau und solchen Kindern kann man großes ausführen. Aber es ist wie in der Armee: Wenn einer seinen Platz im Glied verloren hatte, so war er allen im Wege und wurde überall umhergestoßen, und wenn er schwach war, seinem Schicksal überlassen. Die Welt geht ruhig weiter und tritt den unter die Füße, der seinen Halt verloren hat."
„Unverzagt, rief Mildred, indem sie ihre Arme um seinen Hals legte. Es giebt Tausende, die viel schlimmer daran sind als wir, also Mut gefaßt! Es wird eine Zeit kommen, wo wir eine schönere Heimat haben werden als je!"
Dann, um ihre Eltern zu erheitern, hauptsächlich aber in der Absicht, die Abreise zu beschleunigen, erzählte Mildred ihre Unterredung mit Robert, den sie nicht ohne Gewissensbisse etwas karrikierte. Frau Howell nahm gutmütig seine Partei.
„Mildred, Du bist ungerecht und satirisch, sagte sie, ich bin überzeugt, er ist ein ehrenwerter junger Mann."
„O Mama, wie gut Du bist! Wenn Du nichts anderes von einem Menschen zu sagen weißt, so behauptest Du, er sei wohlwollend, aber niemals werde ich solchen ehrenwerten jungen Mann heiraten."
„Sie waren alle getröstet, und die Hoffnung kehrte wieder."
Mildred war noch nicht lange in ihrem Zimmer, als sie das Knirschen der Räder von Rodens Wagen auf dem Kies vernahm. Lächelnd dachte sie: Er muß ein willigeres


