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den schönen Dingen, die sie vor wenigen hoffnungsreichen Stunden gekauft hatten, und blickten sich weinend an. „Wie wird die Zukunft sein?" fragten sie sich vergeblich. Die goldenen Aussichten hatten sich in ein dunkles Chaos verwandelt, und ein drückendes Vorgefühl senkte sich auf sie herab. Tief in Mildreds Seele lag die Hoffnung, daß ihr Freund Arnold Vinton sich als treu erweisen werde, was auch geschehen möge. Die arme Frau Howell aber klammerte sich an die Hoffnung, daß der Sturm vorübergehen werde, ohne daß ihre Befürchtungen in Erfüllung gingen. So oft hatte sie gesehen, wie ihr Vater halb verzweifelt war, und wie dann immer wieder eine Art von Arrangement zusammengestoppelt wurde, welches sie in den Stand setzte, wie früher weiter zu wirtschaften. Sie sehnte sich nach der Rückkehr ihres Gatten, aber als er kam, brachte er ihr keinen Trost.
„Sprich nicht mit mir, sagte er, ich kann Dir nichts sagen, was Du nicht schon weißt! Die Ereignisse der nächsten Wochen werden alles entscheiden!"
Bald überzeugte die Folge Frau Howell, daß es ein schweres Versäumnis ist, in guten Tagen keine Vorsorge für einen schwarzen Tag zu treffen. Der Sturm ging nicht vorüber, in kurzer Zeit fallierte die Firma, Howell erhielt eine kleine Summe, um die unmittelbare Not abzuhalten. Mildred rechtfertigte Arnolds Glauben, daß sie eben so stark als sanft sein könne, denn sie bestand darauf, daß alles, was auf Kredit genommen worden war, in die Läden zurückgebracht werde. Da ihre Mutter davor zurückschreckte, so ging sie selbst. Es war eine bittere Erfahrung für das arme Kind, schmerzlicher, als sie erwartet hatte. Sie konnte kaum glauben, daß diese zuvorkommenden Leute, welche vor wenigen Tagen sie lächelnd bedient hatten, jetzt ihr Wesen so ändern konnten, zwar selbst diejenigen, welche sich am ungeberdigsten zeigten über den kleinen Verlust, wurden besänftigt durch ihre sanften, fast demütigen Worte: Da wir die Sachen nicht bezahlen können, halten wir es für ehrlicher, sie in gutem Zustand zurückzubringen. Aber wo die Sachen schon bezahlt waren, fand sie es unmöglich, das Geld wieder zu erlangen, oder mit so großem Verlust, daß sie sie eben so gut hätten verschenken können. Selbst Frau Howell sah die Notwendigkeit einer sofortigen Veränderung ein und entließ eins ihrer beiden Dienstmädchen. Mildred weinte im stillen, machte aber heroische Anstrengungen, in Gegenwart ihrer Eltern heiter zu erscheinen, doch jeden Tag fragte sie sich tausend Mal, warum besucht uns Vinton nicht?
Arnold Vinton befand sich noch in größerer Betrübnis. Er hatte nicht nur den Schmerz einer unterdrückten Zuneigung zu ertragen, sondern auch das demütigende Gefühl unmännlicher Schwachheit. Er hatte natürlich von dem Fallissement erfahren und wußte, daß das geliebte Mädchen sich in banger Sorge befinden mußte, und doch, wie konnte er zu ihr gehen, was konnte er sagen oder thun, ohne in ihren Augen verächtlich zu erscheinen? Aber abwesend zu bleiben in der Stunde des Unglücks mußte als so herzlose Gleichgültigkeit erscheinen, daß er sich selbst die größten Borwürfe darüber machte. In letzter Zeit bestanden seine Eltern darauf, daß eine Veränderung für seine schwache Gesundheit notwendig sei, und er war sich bewußt, daß er dem festen Willen, mit dem jeder beschlossene Plan ausgeführt wurde, keinen Widerstand zu leisten vermöge. Er fühlte, daß er Mildred noch einmal sehen müffe, obgleich er nicht wußte, was er ihr sagen sollte. Er war zur Hilflosigkeit in körperlicher und geistiger Beziehung erzogen worden, anstatt durch geduldige Bemühungen seine schwache Konstitution zu entwickeln und zu stärken. Und doch war das alles nur Sorgfalt ohne Zärtlichkeit gewesen, und nichts war geschehen, um seine Selbstachtung zu heben. Er hatte wenig gelernt, zwar viel gelesen, aber in planloser Weise. Ueber Geschäftssachen befand er sich in beklagenswerter Unwissenheit und im Bewußtsein dessen zog er sich von allem Umgang zurück und wurde scheu und furchtsam. Unter dem Schutz der Dunkelheit schlich
er fort, um das Mädchen zu besuchen, das auf ihn harrte, wenn auch jeden Tag immer zaghafter.
Aber als sie sein bleiches, verstörtes Gesicht und seine nervöse Furchtsamkeit sah, rief sie erstaunt und voll Mitgefühl:
„Mister Arnold, Sie find krank gewesen, ich habe Ihnen Unrecht gethan."
Er verstand sie nicht ganz. „Sie haben mir Unrecht gethan?" fragte er.
„Verzeihen Sie, vielleicht wissen Sie nicht, daß wir uns in tiefer Betrübnis befinden und unsere Heimat verlassen müssen. Ich weiß wirklich nicht, was wir machen sollen. Wenn man in Not ist, so denkt man unwillkürlich an seine Freunde, und ich glaubte, Sie würden vielleicht kommen, uns zu besuchen. Zwei Thränen, die sie nicht unterdrücken konnte, standen in ihren Augen."
„Ach, daß ich ein Mann wäre!" stöhnte Arnold innerlich. „Ja, ich war krank, erwiderte er zögernd. Miß Mildred, fügte er plötzlich hinzu. Sie können nicht ahnen, wie tief ich für Sie fühle!"
Sie sah ihm fragend ins Gesicht, und der Ausdruck desselben war wieder unverkennbar. Für einen Augenblick verlor sie die Gewalt über ihr schwer belastetes Herz und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Ach schluchzte sie, ich war so in Angst um die Zukunft. Man hat uns besucht, aus Neugierde, «nd andere thaten, als ob sie sich nicht darum kümmerten, was aus uns werden soll, wenn sie nur das Geld erhalten, das wir ihnen schulden. Ich hätte nicht geglaubt, daß diejenigen, die noch vor kurzem uns so freundlich zulächelten, so hart und gleichgültig sein konnten. Tausendmal habe ich an jenes Schiff gedacht das vor unfern Augen vom Sturm zerschlagen wurde, und darin sah ich unser Schicksal. Ich glaube, das ist eine krankhafte Furcht, und es wird irgend ein Ausweg sich finden.
Anstatt auszusprechen, wozu sein Herz ihn antrieb, wandte er sich Unter dem Zwang seiner Lage ab von dem Kummer, den er nicht länger mit ansehen konnte, trat ans Fenster und blickte hinaus in das Dunkel.
Erstaunt betrachtete sie ihn, indem sie langsam ihre Augen trocknete.
„Miß Mildred, sagte er langsam, Verstellung kann nichts helfen, es ist besser, wir erkennen beide die Wahrheit. Wenigstens für Sie ist es besser, denn dann können Sie einen Freund finden, der dieses Namens würdiger ist. Sehen Sie nicht, was ich bin? — eine Ruine! Sie sind traurig, ich bin in Verzweiflung! Sie wissen nicht, daß das schwächste Ding in der Welt ein schwacher, hilfloser Mann ist. Ich bin nichts und vermag nichts. Es ist mir unmöglich, zu erklären, wie hilflos und abhängig ich bin, — Sie würden es nicht verstehen. Mein Herz zog mich zu Ihnen, die die Hoffnung in meiner Seele erweckte, daß Sie für mich Erbarmen haben werden, wenn Sie mich erkennen würden, so wie ich bin. Leben Sie wohl! Sie werden einen starken Freund finden, mir bleibt nur die Hoffnung, zu sterben. Hastig verließ er das Haus.
Mildred war zu erstaunt, um ihn zurückzuhalten. Er hatte ihr seine Liebe zu ihr erklärt, aber niemals hatte sie sich eine so traurige Lage, wie die seinige, vorstellen können.
Frau Howell kam verwundert über Arnolds schnellen Abschied ins Zimmer, und Mildred erzählte ihr unter vielen Thränen alles, was sie gesprochen hatten. Selbst die milde Natur der Mutter konnte nicht umhin, den jungen Mann entschieden zu verurteilen.
Er wußte nichts besseres zu thun, als dieses kleine Melodrama aufzuführen und dann in seine elegante Wohnung zurückzukehren, sagte sie mit strenger Miene.
Ich verstehe ihn besser, Mama, und ich bedaure ihn aus tiefster Seele.
Die Hoffnung wächst schnell in jugendlichen Herzen. Sie wußte, daß er sie liebte, und wenn auch die Zukunft dunkel war, so blieb doch die Möglichkeit, daß alles sich zum Bessern wenden werde. Selbst an dem traurigen Tage,


