Dienstag den 29. August.
1899.
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as herb zu Anfang ist, wird lieblich am Ende, der Tugend und vom Rheinwein.
Das gilt von Hippel.
Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
„Was hat die Frau Kommerzienrätin nur? Was kann sie an dem Bilde so erschrecken?" fragte Ernst Sommer sobald die Thür sich hinter den Fortgehenden geschloffen hatte. Aurelie aber flüsterte dem Geliebten zu:
„Es ist das Bildnis Deiner Mutter! Wie ähnlich Du ihr bist."
Er drückte ihr fest und innig die Hand und sagte laut:
„Meine — die zweite Gattin meines Vaters —" verbesserte er sich, denn es war ihm unmöglich, der Frau, die sich soeben in einem solchen Lichte gezeigt, wie herkömmlich den Mutternamen zu geben — „hat nie ein Bild oder auch nur eine Photographie meiner Mutter in der Wohnung dulden wollen, und mein Vater hat auch dieser Laune nachgegeben. Zu meiner Einsegnung hat er mir ein Miniaturbild, das von der Verstorbenen in den ersten Monaten ihrer Ehe gemacht worden war, geschenkt, ich habe es aber sorgfältig vor aller Blicken verbergen müssen. Nun habe ich mir danach von Lenbach, mit dem ich mich während eines gemeinschaftlichen Aufenthaltes im bayrischen Hochgebirge befreundet habe, danach ein Brustbild malen laffen, das ich als einen großen Schatz unter dieser Hülle verwahre."
„Nochmals bitte ich um Entschuldigung, daß sie durch meine unberufene Hand entfernt worden ist," sagte Dr. CorbuS.
Bankier Sommer und deffen Kinder wollten aufbrechen, da ein längeres Verweilen in Anbetracht des leidenden Zustandes der Hausfrau ihnen nicht schicklich erschien. Der schnell wieder zurückkehrende Kommerzienrat wollte das aber unter keinen Umständen zugeben.
//Ich sehe keinerlei Grund, von unserem alten Herkommen abzugehen," sagte er zu seinem Freunde. „Das Zimmer meiner Frau ist weit genug vom Salon und Speisezimmer entfernt, daß sie, selbst wenn wir etwas laut werden sollten,
durchaus nicht gestört wird, und besorgniserregend ist ihr Zustand nicht,- wir sind leider daran gewöhnt."
Er stieß einen leichten Seufzer aus und fügte hinzu: „Sie ist unter der Obhut ihrer Jungfer wohl geborgen, und Fräulein von Kreffen wird, wenn sie Hermine zur Ruhe gebracht hat, die Hausfrau vertreten."
„Wie gern folgte auch ich Ihrer liebenswürdigen Aufforderung und blieb in diesem lieben, angenehmen Kreise," sagte Dr. Corbus, ich bedauere aufrichtig, daß ich mich durch eine voreilige Zusage gebunden habe, möchte aber den Herrschaften raten, der Aufforderung meines Vetters zu folgen. Ich bin erst wenige Tage hier und kenne doch schon den Zustand meiner Kousine. Es ist im ganzen beklagenswert, aber im einzelnen haben die Anfälle nichts zu bedeuten. Ich hoffe den Herrschaften bald wieder zu begegnen," fügte er, sich ringsum verneigend hinzu, schüttelte dem Kommerzienrat die Hand und sagte, während er das Zimmer verließ: „Mit Ihrer Erlaubnis werde ich morgen kommen, um mich nach Eugeniens Befinden zu erkundigen."
„Apage Satanas!" rief Adalbert Helldorf, der sich mit August von Kressen der Gesellschaft angeschlofsen hatte, während diese aus Hans Helldorfs Zimmern nach dem Salon zurückgekehrt war, so laut, daß sein Bruder ihm erschrocken die Hand auf den Mund drückte, dem Doktor nach, aber der ausgelassene Bursch ließ sich nicht stören und fuhr fort: „Wer anders denkt als ich, der werfe den ersten Stein auf mich; ich bin überzeugt, jeder von uns ist dem großen Unbekannten innig dankbar, der uns für heute von seiner Gesellschaft befreit hat."
Keiner widersprach ihm. Mit Corbus und der Kommerzienrätin schien ein Alp von dem kleinen Kreise genommen zu sein. Bald erschien auch Felicitas und lud zur wohlbesetzten Abendtafel, an der die Unterhaltung sehr frisch und angeregt war. Zwangloser verkehrten die liebenden Paare miteinander, die beiden Studenten gaben zahlreiche Schnurren zum besten, und auch der Kommerzienrat ließ den ihm sonst eigenen Ernst fahren und war fröhlich mit den Fröhlichen.
Es war recht spät, als die Sommer'sche Familie das gastliche Haus verließ. Sommer und die Tochter plauderten unterwegs noch lebhaft über die Ereigniffe des Tages; der Sohn war gegen seine Gewohnheit schweigsam. Das Benehmen der Kommerzienrätin vor dem Bilde ihrer Vorgängerin gab ihm zu denken; auch war es ihm nicht entgangen, daß Dr. Corbus einen geheimnisvollen Einfluß auf sie aus-


