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ist wohl eine kurze Betrachtung, die wir an einen seiner berüchtigten „Vorboten" knüpfen wollen, hier am Platze. Ein gefiederter Todankündiger ist es, der dem weitverbreiteten Volksglauben gemäß durch sein nächtliches Geschrei in unmittelbarer Nähe beleuchteter Krankenzimmerfenster den heimrufenden Sensemann anmeldet: — daS Käuzchen (Strix- passerina). Wenn in Schwaben schon Elstern nicht gern gesehen werden, weil sie dem Hause, auf welchem sie sich niederlassen, einen baldigen Todesfall bringen, und wenn an manchen Orten auch der Seidenschwanz als Pest-, Kriegsund Sterbevogel gefürchtet wird, so ist doch wohl der zweifelhafte Ruf, den die Schleiereule als Toten- oder Leichenvogel genießt, ein fast Weltverbreiter. Ueberall verkündet der nächtliche Schrei des Käuzchens den bald nahenden Tod an.
Bereits im frühesten Altertum erblickte man in der Eule überhaupt einen unheilbringenden Vogel, wie Aelians und Apulejus Berichte zur Genüge darthun. Auch Ovid nennt fie in seinen Metamorphosen ein „böses Omen" für den Menschen, und Virgil vermeldet, daß Dido des Aeneas verlustig und deshalb lebensmüde, eine Eule auf ihres Palastes Zinne krächzen gehört, welche gleichsam ein „Leichenlied" gesungen habe. In Aelians Naturgeschichte wird von Pyrrhus, dem Könige von Epirus mitgeteilt, daß sich gelegentlich seines Zuges nach Aegypten eine Eule auf seinem Speere niederge- laffen habe, weshalb er auf Argos rühmlos umgekommen sei. Nach SiliuS JtalikuS war auch die Niederlage der Stadt Cannae (116 v. Chr.) von einer Eule prophezeit worden. Die indische Mythologie bringt das Käuzchen, überhaupt die Eule, in direkte Verbindung mit Aama, dem Gott des Todes, und die Speisegesetze Altisraels verboten unter anderen Tieren auch „das Käuzchen" zu effen. (3. Mose 11, 17).
„Wo das Käuzchen (Leichenhuhn) gegen die erleuchteten Scheiben einer Krankenstube mit den Flügeln schlägt, muß der darin liegende Kranke bald sterben," sagt man in Schwaben. Bet den Albanesen, Bretagnern, Litauern usw. kündigt die Eule dem Hause, auf welchem sie sitzt, nicht minder einen Todesfall an. Ja selbst in fremden Erdteilen ist diese seltsame Volksmeinung vertreten: den Chinesen und Pina-Indern ist der nächtlich schreiende Vogel ein Bote des Todesgottes, und im Globus (1862 S. 383) heißt es: „Der Ruf der Eule wird von den Westaustraltern für ein böses Omen angesehen." Ja, „setzt sich in Indien eine Eule als Vogel böser Vorbedeutung auf die Hütte eines Eingeborenen, so wird diese ntedergerisien," wie im Anthropol. Journal IV. S. 28 l zu lesen ist. Bet allen Stämmen, vom Fraser River bis zum St. Lorenz, soweit sie der Naturforscher Lord besuchte, galt die Eule als übelwollender Schicksalsvogel; ihr am Tage zu begegnen und ihr Geschrei zu vernehmen war unheilbringend. Von den Nuba-Negern schreibt Ignaz Pallme: „Setzt sich des Nachts eine Eule auf irgend ein Haus und läßt ihren traurigen Ruf ertönen, so ist es ihnen ein sicheres Zeichen, daß jemand im Hause in kurzer Zeit stirbt/ noch mehr Eindruck macht aber auf diese armen Geschöpfe ein Rabe, wenn solcher ins Dorf geflogen kommt/ denn dies ist ein bestimmtes Zeichen, daß die Türken kommen, um sie auSzu- plündern."
Jn Italien, Rußland, Deutschland und Ungarn, nicht minder auch in anderen Ländern Europas, gilt das unheimliche Käuzchen als ein Vogel schlechtesten und berüchtigten Charakters. „Schreien von Kauz und Eule verkündet im allgemeinen Unglück und insbesondere Todesfall, wenn sie neben oder hinter einem Hause schreien, sich aus das Haus setzen oder an das Fenster fliegen," wie Strackerjan aus Oldenburg berichtet. Für Nsrddeutschland haben Kuhn und Schwartz das Vorkommen dieses sonderbaren Aberglaubens bestätigt, ja „im Land Tirol" wird die todankündigende Eule geradezu als „Klag- oder „Leich" bezeichnet. Auch in der Schweiz find der Schleiereule wegen ihres wimmernden Geschreies noch verschiedene mundartliche Namen gegeben, z. B. Gwigglt, Wichst, Klewit und Stroit. Letzterer erinnert deutlich an den vermeintlichen Ruftext des unheimlichen
Flügelgeschöpfs, nämlich: Komm mit! Komm mit. Nach Lemkes volkstümlichen Sammlungen aus dem Osten unseres deutschen Vaterlandes ruft das Käuzchen in den preußischen Provinzen sogar:
„Komm mit!
Komm mit Ins kühle Grab!"
Dieser haarsträubenden Einladung des gefiederten Vorläufers vom „schwarzen Fürst der Schatten" hat dann der ausersehene Todeskandidat in Kürze Folge zu geben, weshalb der Schweizer sagt:
„Wenn dir d' Wiggli schreit, Wirsch bald usse trait!"
In der Umgegend von Elbing behauptet das abergläubische Volk: „De Uhl spricht, wann wer sterbe." Böhmens Bewohner- bezeichnen die kleinen Eulen als „Leichenhühner," denn sie rufen nachts unterm Krankenzimmer kuwitt, d. h. Komm mit! Aus dem Jahre 1646 ist uns in den damals zu Zürich herausgegebenen Reimen über „Gewerbs Leuth und Bych- besegnen" nachstehendes Berschen mit überliefert worden:
„Wenn durch den dünnen Luft ein schwarzer Rabe fleucht Und tratet sein Geschieh, und wenn des Eulen frauwe Ihr Wiggen, gwige heult: sind Losungen sehr rauhe."
Pommerns biedere Landleute hören aus dem Eulengekrächze ,,'t iS Tld, 't is Tid!" heraus, ja, wenn ein Kind gestorben ist, so lautet der unheimliche Schrei sogar: „Kin dod, dod, dod!" Bet den magyarischen Ungarn glaubt der erschreckte Patient aus den mißtönigen Kundgebungen der Strix passerina zu vernehmen: „Ki-vidd,“ d. h. Trag hinaus (die Leiche auf den Friedhof)! Ueberhaupt gilt dort die Eule als „Vogel des Todes," und wer ihren Ruf mutwillig nachahmt, der muß bald sterben. „Die Eule und der Uhu verkünden mit ihrem Geschrei den Tod in dem Hause, auf dessen Dach sie sich setzen," heißt es in der Ukraine, wie denn auch die Polen sprechen:
„Auf dem Dache weint die Eule- Dem der sterben soll in Kürze Ruft die Eule zu: komm, komm!"
Ja nach Slovenischer Volksmeinung „steht der Tod auf der Schwelle des Hauses," wie man dort zu sagen pflegt, „wenn eine Eule oder ein Totenkopf (Sphinx atropos) sich des Nachts auf dem Fenster oder im Schlafgemach zeigt." Bei den europäischen Südslaven machte Dr. Krauß eine ähnliche Wahrnehmung, wenn er in der Zeitschrift für Volkskunde schreibt: „Nachtvögel aus dem Eulengeschlechte zeigen durch ihre unheimlichen Rufe in der Nähe menschlicher Behausungen immer Todesfälle an. Allgemein glaubt man: setzt sich ein Uhu auf daS Haus und läßt seinen Ruf ertönen, so stirbt jemand von den Bewohnern, außer: jemand ladet augenblicklich sein Gewehr mit Eisennägeln, die in der Kirche während des Hochamtes unter dem Altarksssen gelegen, und schießt den Uhu herab. Wenn eine Schleiereule in der Nähe eines Hauses „uhu" schreit, so sagen die Bosniaken, daß noch in demselben Jahre der Hausvorstand oder die Hausvorstehrrin mit dem Tode abgehen müssen!
Die originelle „Magiologia" Anhorns (Basel 1674) bringt auf S. 144 eine einschlägige Bemerkung, welche zeigt, daß im 17. Jahrhundert daS dumpfe Gekreisch der nächtlichen Eule ebenso wie heute als erschütterndes memento mori aufgefaßt wurde / denn es heißt dort: „Die Nacht Eul und der Wik werden Todtenvögel genannt, vnd glauben viel Leut vestiglich, worumb diese Vögel schreyen, werde bald ein Mensch sterben. Andere glauben, wenn fie Raben schreyen hören, gehe ihnen ein Unglück zur Hand, vnd fürchten sich bald mehr für einen Eulen- vnd Rabenschrey als für einen blossen Schwerdt." Eine alte Leichenpredigt, im 17. Jahrhundert zu Straßburg im Druck erschienen, weist folgenden Anfang auf: „Weg, weg, weg! WaS höre ich für ein wunderbar- liches Geschrei? Bon den Vögeln deS Himmels lese ich nichts in göttlicher heiliger Schrift, daß solche Vögel dergleichen traurige Triller schlagen. Aber bei den Naturkundigen findet


