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Zum Astngstftst 1899.
Es lag vom Zauberschlaf umfangen, Noch jüngst die Welt, Dornröschen gleich - Da kam der holde Lenz gegangen, Ein Königssohn, an Kräften reich: Der herzt und küßt aus tiefem Schlummer Das Märchenkind voll Jugendmacht . . . In Jubel löst sich Leid und Kummer: Die linden Lüfte sind erwacht!
Traut zwitschern nun die Schwalben wieder . . . Zum Flieder lockt der Finken Schall, Im Weißdorn singt so süße Lieder Die minnefrohe Nachtigall . . .
Ein Psalm des Danks rauscht durch die Lüfte, Von Lerchenkehlen dargebracht - Und Knospenhauch und Blumendüfte, Sie säuseln und weben Tag und Nacht . . . Und wo ein Gram die Freude dämpft, Heut' soll er Linderung erfahren - Und wo ein Herz mit Zweifeln kämpft, Heut' muß sich Gott ihm offenbaren - Pfingstgeister, erdenwärts gesandt, Den Treuerfundenen Trost zu spenden, Sie brausen über Strom und Land, Sie schaffen an allen EndenI
Sie spiegeln in den Taukristallen Des Lichtes Regenbogenglanz - Sie schmücken Au'n und Waldeshallen Mit köstlich buntem Blütenkranz - Sie heilen sieghaft jede Wunde, Mit ihrer Botschaft Wundertrank- Pfingstfreudig klingt's aus jedem Munde: O frischer Duft, o neuer Klang! ....
Und aller Werktagslärm verhallt . . .
Der Selbstsucht irre Stimmen schweigen . . . Wie Orgelklang rauscht's durch den Wald, Froh flüstert's in den Maienzweigen: Die Liebe, die den Tod bezwang, Will heut ihr göttlich Werk vollenden - Nun, armes Herze, sei nicht bang, Nun muß sich alles, alles wenden! . . .
Alwin Römer.
(Nachdruck verboten.)
Die kleine Lulu.
Seeroman von Clark Russell.
(Fortsetzung.)
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Mord.
Ich konnte über Deacons Geschichte nicht mit mir einig werden. Es ist manchmal, als hätte der Mensch zwei Willen, die in ihm kämpfen, der eine sagt „ja", der andere „nein". Ich glaubte ihm, denn seine Erzählung klang wahrscheinlich und hatte eine wesentliche Bestätigung ihrer Wahrheit in dem Zeitungsartikel- außerdem aber konnte er keinen Beweggrund haben, eine derartige Geschichte zu erfinden. Ich mißtraute ihm aber zugleich, da ich nicht klar über seinen Charakter war und das, was ich von diesem wußte, mir nicht gefiel.
Ein weniger rechtschaffen denkender Mann in meiner Lage, der wie ich, viel gewinnen, aber nichts verlieren konnte, würde die Sache überlegt, Deacon genau ausgeforscht, die Angelegenheit als Spekulation betrachtet und Pläne zur Auffindung der Insel geschmiedet haben, gleichviel welcher Art dieselben gewesen wären. Leichtsinnig und sorglos, wie der Seemann ja sprichwörtlich ist, würde er sich dabei nur gesagt haben: ist das Gold da, dann bin ich ein reicher Mann, ist es nicht da, dann ist eben auch nichts verloren. Bei mir lag die Sache anders: teils hatte ich Deacon nicht gern, teils waren meine Gedanken anderweit gefesselt, und schließlich konnte ich mich auch, ohne einen bestimmten Grund dafür zu haben, doch eines instinktiven, gelinden Zweifels an der ganzen wunderbaren Geschichte nicht erwehren. Ich schenkte ihr deshalb keine weitere Aufmerksamkeit. Vielleicht würde es anders gewesen sein, wenn ich im Vorderkastell und in derselben Wache mit Deacon geblieben wäre.
Vierzehn Tage nach dem Passieren der Linie hatten wir zwei Erlebnisse, welche beide geeignet sind, das Leben auf See zu illustrieren.
Eines Tages wurde ein Schiffsjunge, ein blasser, zart aussehender Bursche, aber wegen seiner Dienstferttgkeit und Munterkeit ein Liebling der Mannschaft, vom alten Windwärts gerufen, um einige Fettflecke aus dem Deck zu schaben, die sich beim Hauptmaste befanden.
Es war kurz vor Mittag, und ich war auf diese Zeit auf Deck, um Beobachtungen für unsere Gradmessungen zu


