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kommen, Sie hier zurückhielt." Mit Feuer redete Herr Gotthold, und seine Blicke hingen entzückt an dem reizenden Mädchen, das ihn sonderbarer Weise so entsetzt und bleich anstarrte.

Mein Herr, was wollen Sie von mir, was soll das heißen?" fragte sie, angstvoll zurückweichend,ich kenne Sie nicht."

Natürlich," begütigte Herr Gotthold mit süßem Lächeln, darum wollten wir uns doch treffen, um uns kennen zu lernen, und wie übertrifft Ihr Anblick alle meine kühnsten Erwartungen,- ach, mein Fräulein, wenn Sie ahnten, wie glücklich ich bin." Er schlug dröhnend beide Hände auf die Brust und schaute gen Himmel.

Eine schreckliche Gewißheit überfiel das arme Fränzchen, der arme Mensch war verrückt! Sollte fle um Hilfe rufen? fie wagte nicht fort zu laufen in der Furcht, er käme ihr nach.

Unterdessen sprach Herr Keller weiter:Ich verstehe Sie vollkommen, Sie glaubten, ich werde jünger sein, ach, denken Sie doch nicht, daß nur die Jugend Glück bringt, meine süßeste Aufgabe soll es sein, Ihre holde Jugend" Vater, Vater! schrie Fränzchen, in Todesangst an dem schrecklichen Menschen vorbei stürzend und flog dem jetzt wirklich auftauchenden Papa entgegen. Schluchzend, am ganzen Körper zitternd, lag sie an seinem Halse und er drückte sie erschrocken an sich:Kind, mein Kind, was ist Dir geschehen, sprich doch, Liebling."

Oh Papa, ein Wahnsinniger kam, als ich hier nach Dir sah, er hat mich so furchtbar erschreckt mit seinen wirren Reden, wie gut, wie gut, daß Du da bist, ach, es war überhaupt ein schrecklicher Tag!"

Aber wo ist denn der Kerl?" fragte Papa Ellner, sich umschauend.

Er muß fortgelaufen sein," meinte Fränzchen umher­spähend,es ist nichts mehr von ihm zu sehen."

Sie bemerkten beide nicht, daß sich die Zweige des nächsten Gebüsches verräterisch bewegten.

Nun, sage mir nur, Mädchen, was ist Dir denn außerdem passiert, Du hast ja ganz verweinte Augen?" fragte der Papa besorgt.

Ach, denke nur, da kommt heute vormittag ein Mensch an, den Fräulein Agnes als Vetter einschmuggeln will, und der benimmt sich so unausstehlich, daß ich beinahe krank vor Aerger bin."

Was, solch unverschämter Patron wagt Dich zu ärgern, was will denn der Mensch hier in meinem Hause!" rief Ellner entrüstet.

Onkelchen, da bist Du ja schon, ei, das ist hübsch!" erklang jetzt Tonis Stimme, und die junge Frau begrüßte fröhlich den Angekommenen, ,,und auch den Ausreißer," wandte sie sich an Fränzchen,wo hast Du denn den ganzen Nachmittag gesteckt? wir fingen schon an, uns zu ängstigen und haben Dich gesucht,"sieh, da kommt auch Fräulein Agnes."

Ach, Herr Ellner, welche Ueberraschung," lächelte diese etwas sauersüß den Hausherrn an.

So, überrasche ich Sie, Fräulein Agnes? ich hatte mein Kommen doch in Aussicht gestellt."

Sie murmelte etwas Unverständliches und blickte scheu um sich. Im stillen hatte sie doch gehofft, er werde erst morgen kommen, um so mehr, als unerklärlicherweise ihre zarte Angelegenheit keinen Schritt weiter gediehen und zwar aus Mangel an Beteiligung seitens der Hauptperson, die ihr auswich, wo sie konnte- es hatte sie schon heimliche und unheimliche Seufzer genug gekostet. Sie sah aus wie eine Fregatte, die alle Segel beigesetzt hatte zu flotter Fahrt und nun in einem windstillen Winkel mit schlaffen Segeln liegen mußte. In diesem Augenblick freilich war es ihr nicht unlieb, daß Herr Georg Keller sich nicht sehen ließ.

Was war denn das?" fragte Fränzchen plötzlich auf­merksam," ich hörte einen sonderbaren Ton."

Du irrst Dich wohl, Kind," erwiderte Papa Ellner,

und sich an Fräulein Selterlein wendend fuhr er fort: Wie ich höre, haben Sie heute Besuch bekommen, einen Vetter?"

Die Angeredete fuhr mit dem Taschentuch über das Gesicht, um die Röte desselben zu verbergen:Ja" hauchte sie.

Indem schrie Fränzchen laut auf und sprang von dem Busch fort, vor dem sie gestanden:Da hinter mir hat es gestöhnt, ganz gewiß, Papa!" rief sie, schreckensbleich zu ihm flüchtend.

Herr Ellner teilte das Gebüsch, und da kam zuerst ein gänzlich auf der Seite sitzendes, übel zugerichtetes Toupet und darunter ein angstverzerrtes Antlitz zum Vorschein.

Der Kerl, der verrückte Kerl!" schrie Fränzchen und klammerte sich an Toni an.

Energisch zog Ellners kräftige Hand den Unglücklichen, in dessen Kleidung sich einige wütende Ameisen verirrt und ihm die Seufzer ausgepreßt hatten, aus seinem Verstecke hervor, und in jammervollster Figur stand nun Herr Gotthold Keller vor den entsetzten Augen der Damen.

Wer sind Sie, was wollen Sie hier in meinem Garten!" donnerte ihn Papa Ellner an.

Völlig geknickt brachte der Aermste vorläufig nur einige unartikulierte Laute über dieMppen und schüttelte krampfhaft die bissigen Tiere ab.

Nun, ich bitte um Antwort, Sie da," herrschte Ellner ihn wieder an, erst belästigen Sie meine Tochter auf uner­hörte Weise und alsdann versteckten Sie sich, was soll das heißen!"

Jetzt fand Herr Gotthold die Sprache wieder.

Ich ich komme mit den friedlichsten Absichten," stotterte er;um diese Dame da, er wies auf Fränzchen, zu schonen, mußte ich verschwinden," er wischte sich stöhnend den Schweiß von der Stirne.

Was hat überhaupt Ihre Person mit meiner Tochter zu thun, die kennt Sie gar nicht, Sie haben sie zu Tode er­schreckt; wie kommen Sie hierher; heraus, oder ich lasse Sie festnehmen:

Beschwörend hob der Arme seine Hand:Das nur nicht, das habe ich nicht verdient!"

Er ist verrückt," flüsterte Toni dem Onkel zu, bitte, laß ihn festnehmen."

Sie scheinen mir ein wenig verwirrt, mein Guter," sagte Ellner etwas milder, oder gar," er machte die Geste des Trinkens.

Entrüstet funkelten Herrn Gottholds sonst so gutmütige Augen, da wurden sie gleich darauf starr, und sein Mund zur Verteidigung geöffnet, blieb wortlos stehen.

Eine stattliche Gestalt kam schnell daher, blieb aber mehrere Schritte von der Gruppe ebenfalls überrascht stehen und starrte Herrn Gotthold in gleicher Weise an wie dieser ihn.

Gotthold, Bruder, um alles in der Welt, wie kommst Du hierher?" rief Georg Keller zugleich, voll entsetzten Staunens über die so traurig zugerichtete Erscheinung seines sonst so sauberen Bruders.

In Herrn Gottholds Brust rangen die wildesten Gefühle, darunter die tiefste Beschämung vor seinem jungen Bruder. Ach, Georg, ich wundere mich über nichts mehr," sagte er mit matter Stimme,oh dieser Tag, dieser Tag!"

Wie, Sie kennen diesen Menschen?" fragte Herr Ellner den jungen Mann nicht eben freundlich."

Ja, aber erst erlauben Sie, daß ich mich vorstelle, mein Name ist Georg Keller, Landwirt; ich komme in durch­aus geschäftlichen Angelegenheiten zu Ihnen, und dies ist mein Stiefbruder Gotthold Keller, Kaufmann; wir sind beide aus Lendheim. Was meinen Bruder herführt, weiß ich ab­solut nicht; das ist Deine Sache, Gotthold."

Dieser hatte sich einigermaßen gefaßt und nestelte an seiner Brusttasche, seine Miene drückte verzweifelte Entschlossen­heit aus, als er ein blaßgrünes Briefchen hervorzog, bei dessen Anblick sich Fräulein Agnes entfärbte.