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Dann tiefes Stillschweigen.

Et, was ist denn aus dem andern alten Burschen ge­worden?

Leser, Leser, denke nicht länger an denandern". Wirf lieber einen aufmerksamen Blick auf unseren guten alten Herrn Moser.

Was mag ihm nur fehlen?

Behaglich in seinen altertümlichen Sorgenstuhl zurück­gelehnt, hält er die Hand über seine geblendeten Augen.

Geblendet!" Guter Gott! Durch diese sechs kleinen an einem Baum flimmernden Kerzchen!

Still! Still! Sie sind nicht die Ursache! Rur sechs kleine Wachskerzen, meint man? O Du meine Güte! Sein Baum schwimmt ja förmlich im Lichterglanze im Lichterglanze der früheren Jahre! Er wirft seinen Schein auf die Zuckerfiguren, die vergoldeten Nüsse und Aepfel und die kunstvoll verschlungenen Ketten aus Gold-, Silber- und Buntpapier den sorgsam gehüteten Schatz vieler Jahre! Und wie mit einem Glorienschein umwebt er das reiche, weiche Sibcrhaar seines Weibes, wie sie neben ihm steht, umgeben von all ihren Kindern Albrecht, dem verheirateten Sohne, nebst seiner Gattin/ Ella, der ältesten, eben verlobten Tochter/ Getrud, der goldigen, dem Liebling aller/ Fritz, strahlend in seiner neuen Uniform, und Baby, Albrechts Baby, das wie ein Vögelchen auf seines Vaters Schulter hockt und voll Seligkeit ein Zuckerspielzeug nach dem andern vom Baume reißt!

Nur sechs kleine Kerzchen! Nun, die hellste Mittags­sonne könnte sich nicht mit dem Glanze, den diese kleinen Lichte um sich verbreiten, messen. Herrn Mosers Augen scheinen denn auch wirklich geblendet. Und doch was mag ihm nur sein? Er hält sie ja auf weit auf--

Jemand klopft.

Darf man herein, Herr Moser?"

Keine Antwurt.

Nur das Knistern der sechs kleinen Kerzen, und der angebrannten, einen lieblichen Drift um sich verbreitenden Tanne.

Herr Moser, ist Ihnen nicht wohl? Ach, lieber Gott, Herr Moser, ist denn alles aus mit Ihnen?"

Ja, leider war alles aus mit Herrn Moser!

Als die Eintretende diese traurige Thatsache erkannt, drückte sie Herrn Moser sehr sanft, sehr behutsam die Augen zu und küßte sie. War sie nicht auch eine Tochter, wenn auch nicht seine?

Dann verbarg sie ihr Gesicht in den Händen und schluchzte bitterlich. Hatte er sich ihr nicht stets als ein gütiger Herr erwiesen?

* *

Anmerkung: Noch heute giebt es Menschen, die Herrn Moser gekannt. Sie könnten erzählen, wie er eine lange Zeit, Jahr für Jahr einen Weihnachtsbaum für sich allein schmücktte, einem Spiegel gegenüber, und das Fest damit beendete, daß er dem heiteren, alten, vereinsamten Burschen, der ihm aus dem Spiegel entgegenblickte, einen Weihnachtsgruß zutoastete!

Die schlesische Hausweberei.

Mit der schlesischen Hausweberei geht es unwiderruflich zu Ende. Langenbielau und Peterswaldau am Fuße des Eulengebirges, wohin Gerhard Hauptmann den Schauplatz seinerWeber" verlegt, find jetzt große, reiche Fabrikdörfer geworden, in denen die Leinwand fast durchweg auf mechanischen Stühlen hergestellt wird. Das Klappen der Handstühle in den kleinen, früher für die ganze Gegend typischen Holz­häuschen hört man jetzt nur noch in den einsamen Dörfern weiter oben im Gebirge. Hauptsitze der Hausweberei sind heute noch die Laubaner Gegend, der südliche Teil des Landes- huter Kreises und die Grafschaft Glatz, aber auch hier ist

i von Jahr zu Jahr ein Rückgang in der Fabrikation zu bemerken.

Die Löhne sind durch die Konkurrenz der Fabriken soweit herabgesunken, daß die Weber auch bei den bescheidensten Ansprüchen kaum noch ihr Leben fristen, und wenn ganze Familien es bei angestrengter Arbeit nur auf 5 und 6 Mark die Woche bringen, wenn der Verdienst des einzelnen Webers, sofern er nicht bessere Sachen herstellt, höchstens 2 Mark 70 Pfennig bis 3 Mark, der einer Spulerin 1 Mk. 50 Pfg. für sechs Arbeitstage beträgt, so ist es natürlich, daß die Leute dorthin auswandrrn, wo ihnen, wie in Landeshut und Bielefeld, in mechanischen Webereien ein höherer Lohn ge­boten wird.

Die Bevölkerung im südlichen Teile des Landeshuter Kreises ist in ständiger Abnahme begriffen. Das Städtchen Schömberg, welches vor zehn Jahren 2200 Einwohner hatte, zählt deren jetzt nur noch 1950, in Blesdorl bei Schömberg hat die Abnahme im letzten Jahre allein 5 Prozent betragen, und in Berthelsdorf und Albendorf an der österreichischen Grenze stehen bereits viele Wohnstätten leer und verlassen. Mit der Bevölkerung ist aber auch die Wohlhabenheit der Gegend zurückgegangen, und um die Lage der Weber etwas zu beffern, hat die Regierung an verschiedenen Orten Weberei- Lehrwerkstätten errichtet, in denen die Weber auf alle modernen Verbesserungen an Handwebestühlen aufmerksam gemacht werden, auch neue Stühle geliefert erhalten. Daß es der Regierung aber nur darauf ankommt, den Webern die Uebergangszeit weniger empfindlich zu machen, geht daraus hervor, daß sie neben den Webeschulen auch Stickschulen begründet hat, um durch sie die Bevölkerung in neue Erwerbszweige hinüberzu­leiten. Thatsache ist, daß junge Leute sich nicht mehr der Handweberei zuwenden, und daß auch die Mädchen mehr und mehr einen anderen Beruf bevorzugen, so daß es den Fabrikanten von Jahr zu Jahr schwerer wird, die ihnen gewordenen Auf­träge für Handarbeit ausführen zu lassen.

Wie sollen wir rauchen?*)

------- Nachdruck verboten.

Der praktische Arzt vr. Keibel hat zehn Rauchregeln aufgestellt, die wir für recht praktisch und zweckmäßig halten und daher in ihrem Wortlaute folgen lassen.

1. Rauche nie eine Zigarre weiter, die nicht zieht oder nicht luftdicht ist, kurz eine solche, die nicht brennt, denn unter solchen Umständen geht viel Nikotin in den Rauch über und damit auch in den Körper des Rauchers. t

2. Rauche in der Pfeife nur ganz leichten Tabak/ schwerer Tabak entwickelt, namentlich in Pfeifen, wo der Luftzutritt ungenügend ist, viel Nikotin.

3. Hüte dich vor dunklen Zigarren/ sie enthalten, da sie eine starke Gährung durchgemacht haben, viel Ammoniak.

4. Da erfahrungsmäßig importierte Havannazigarren am schädlichsten wirken, so rauche man dieses Kraut nur selten, höchstens 1 bis 2 Stück am Tage und dann stets nach Tisch.

5. Rauche nie eine Zigarre bis zum Ende. Je kürzer die Zigarre wird, desto schwerer wird sie. Hüte dich auch vor dem Schlucken des Rauches, denn der Magen wird durch das scharfe Nikotin gereizt.

6. Rauche womöglich keine Zigarre, die ausgegangen und liegen geblieben ist, von neuem an.

7. Wenn irgend möglich, so rauche stets aus einer Pfeife mit recht langem Rohre/ sei aber peinlich sauber mit dem Rohre, weil sich sonst darin mit der Zeit viel Nikotin ansetzen würde.

8. Rauche weder Zigarre noch Zigarette ohne reinliche Zigarrenspitze/ durch Kauen und Zerbeißen der Zigarre ge-

*) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche:Michaelis, Grundzüge einer allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,, Verlag von Hugo B cr- mühler, Berlin.