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kehrte langsam um und blieb sinnend an seinem Schreibtisch sitzen. Schwere Sorgen umdüsterten seine Stirn. Plötzlich fuhr er auf. Es hatte an die Thür geklopft.

Was ist?" fragte er barsch.

Acht Uhr," meldete die Haushälterin, in dem sie ihr rundes, rotglänzendes Gesicht zur Thür hineinstreckte.

Ja und weiter?"

Das Fräulein ist da. Sie sagt, sie hätte schon eine halbe Stunde unten gewartet."

Ach so ja" Es war, als erwache er aus einem Traum.Ja Sie soll allein gehen. Ich bin heute nicht in der Stimmung. Sage, ich sei abgehalten."

VIII.

Bis morgen," dachte Olaf.Ms morgen werde ich mtr's überlegen."

Er lief ziellos durch die Straßen. Das Gas war an­gezündet worden, und geschäftiges Treiben herrschte überall.

Sie, Nansen!" rief es plötzlich aus einem Zigarren­laden.Kommen Sie mit uns?" Olaf verneinte.Müller kommt von den Ulanen. Er fragte nach Ihnen!"

Olaf überlegte einen Augenblick. Warum sollte er denn nicht mitgehen, zum letztenmale. Es würde gewiß lustig werden. Noch einmal lustig sein, ehe

Die beiden jungen Männer hatten inzwischen ihre Zigaretten angezündet und waren auf die Straße getreten. Der eine, Bergmann, ein reicher Kaufmannssohn, elegant, faul, flott, verschwenderisch. Der andere, ein junger Rumäne, der sich hier aufhielt, um Deutsch zu lernen. Das mochte eine sehr schwierige Aufgabe sein oder eine sehr amüsante - denn es war bereits das dritte Jahr, daß er sich derselben widmete, praktisch hauptsächlich, auf der Straße, in den Kneipen, auf den Tanzböden, zuweilen auch in der guten Gesellschaft- und er sprach noch immer so reizend unbeholfen und unkorrekt, daß es ein wahres Vergnügen war, ihm zuzuhören."

Müller war schon da, als sie das Restaurant erreichten, in dem sie sich Eendez- vous gegeben hatten. Er war in Zivil- klein, schmächtig, mit mattem, verlebtem Gesicht und spärlichem blonden Haupthaar. Er war sehr aufgeregt, und auf seinen gelblichen Wangen brannten zwei große rote Flecke.

'Tag, Müller," sagte Bergmann, der am intimsten mit ihm war.Was verschafft uns heute die unerwartete Ehre?"

Hatte mit meinem Alten zu reden."

Viel Vergnügen."

Müller machte eine abwehrende Bewegung und ergriff das Champagnerglas, das er soeben voll geschenkt hatte.

Esel!" schrie er den Kellner an.Hab' ich Ihnen nicht gesagt, Sie sollten den Sekt auf Eis stellen."

Der Kellner wies stumm auf den Etskühler.

Das Gesöff ist lau, matt, eklig." Er schüttete das Glas aus.

Wenn der Herr Leutnant noch ein wenig Geduld haben wollten!"

Kerl! ich habe keine Zeit, Geduld zu haben! Anderen Sekt! Kalten Sekt!"

Regen Sie sich doch nicht so auf, Müller- Sie find ja gar nicht wiederzuerkennen heute," beruhigte Bergmann. Ja, neulich auf der Vogelwiese war's großartig. Sie wurden schmerzlich vermißt. Besonders im Hippodrom. Nansen war göttlich. Und dieser schwarzhaarige Fremdling machte ein Glück! Die schöne Rosa, drittes Zelt, zweite Reihe, hatte ein Auge auf ihn geworfen- unser blonder Nordländer, der sonst überall den Vogel abschießt, war ganz unten durch. Er ist noch jetzt melancholisch. Wie? Oheer up, Nansen, old boy!"

Hätten Sie sollen sehen Herr Olaf in 'Jppodrom," begann Barsescu, der Rumäne, noch ganz in süße Erinne­rungen vertieft.Saß auf Ferd, wie könnt' nicht reiten,

tet herunter da, siel herunter dort, wo standen viel Leuten - ward sich fürchterliches Raddau"

Kennen wir," fiel Müller ein. Aber Barsescu ließ ich nicht unterbrechen.Sagte Herr Olaf mit Gesicht ganz rauriges:Tutt mir serr leid, kann ich nicht helfen, daß ich nicht kann reiten befferr"

Es war gottvoll, Müller. Wir platzten alle vor Lachen. Manchmal stellt er sich nämlich, als könne er nicht bis drei zählen. Wo steckten Sie denn übrigens am Sonntag abend zum Kehraus? Die Rothaarige hat Sehnsucht nach Ihnen - fragt immer, wo der englische Baron wäre. Hält Sie partout für einen Engländer. Gar nicht garstig, die Rot­haarige, hochfein gewachsen. Nicht, Barsescu? Der hat sie nämlich getröstet. Also, wo steckten Sie denn, Nansen?"

Ich konnte nicht kommen. Ich war nicht aufgelegt."

Woso?" ließ sich aus der Ecke eine fette Stimme vernehmen. Sie gehörte dem dicken Schaufler, dessen An­wesenheit man bis jetzt gänzlich übersehen hatte. Er ver­hielt sich in der Regel vollständig schweigsam, und doch fanden ihn seine Freunde höchst amüsant. Auch diese Be­merkung galt fürgroßartig".

Ach so Todesfall in der Familie Ihr väterlicher Freund," erinnerte sich Müller plötzlich.Habe noch gar nicht kondoliert."

Danke," antwortete Olaf kurz.

Der soll sich ja" Müller machte eine Bewegung, die andeuten sollte, er habe sich die Gurgel durchschnitten.

Jawohl. Wegen mißlicher Vermögensverhältnisse", stimmte Schaufler bei.

Olaf zuckte mit den Achseln.Ich habe nichts davon gehört," erklärte er kühl.

Ich dachte, die Andrees wären reich," meinte Bergmann.

Man soll nie einen Menschen vor seinem Tode glück­lich Preisen, sagte der weise Solon. Und ich sage Ihnen, man soll nie einen Menschen vor seinem Tode reich nennen"

Milow!" schrieen alle. Auch ohne ihn zu sehen, hätten sie an der doktrinären Art zu reden den Neuange-, kommenen erkannt. Es war der stud. rer. tech. Karl Wilhelm Milow.

Sie glauben wirklich, daß er sich das Leben genommen hat?" fragte Bergmann nochmals.

Natürlich. Was blieb ihm andres übrig? Wenn das Geld alle ist, eine Kugel vor den Kopf, das ist das All­heilmittel."

Müller unterbrach ihn:Meine Meinung ist: tüchtig mitgemacht, gelebt, geliebt und dann gesegnete Mahlzeit! Man entfernt sich schweigend vom Tisch, wenn's am besten schmeckt. Profit!" Dabet goß Müller ein Glas Champagner hinunter.

Olaf hatte mit brennenden Augen zugehört.

Hab' ich recht, Nansen? Auf Ihr Wohl!" Müller hatte sich bereits von neuem eingeschenkt. Olaf streckte sein Glas hin, um mit ihm anzustoßen, aber seine Hand zitterte so heftig, daß es klirrend an die feingravierte Schale Müllers antraf. Beide Gläser zerbrachen, und der Champagner floß auf das Tischtuch.

Milow maß die beiden mit verwunderten Blicken. Sie haben wohl zeitig angefangen?"

Wir sind noch keine Stunde da."

Und soviel Spuren Ihrer Thätigkeit!"

Woso?" brummte Schaufler. Auch dieses Lebenszeichen wurde mit allgemeinem Beifall begrüßt.

Milow deutete auf die Sektflaschen, Jbte Speisen­überreste und das befleckte Tischtuch.

Müller est aujourdhui dune humeur massacrante, erklärte Barsescu.

Warum sind Sie denn so spät gekommen, Milow?" fragte Müller statt aller Antwort.

Ich habe gearbeitet."