1899.

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an spricht von einem Spiegel, der duldet keinen Rost, . Und eine Blume gießt es, die knickt ein einz'ger Frost. Ein Kleinod, das nur einmal die Kunst des Meisters schuf, Sieh Spiegel, Blume, Kleinod, das ist der gute Ruf.

Bechstein.

fNachdruck verboten.f

Die Sünden der Bäter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

Ihre Begleiterin, ein spitznastgeS Fräulein im schwarzen Seidenkleide, zuckte vielsagend mit den Achseln.Der ganze Hergang erscheint mir etwas dunkel. Nun, ich hoffe und wünsche im Interesse der Angehörigen, daß es sich wirklich nur um ein Versehen handelt."

Die Dicke stutzte:Sie glauben doch nicht etwa gar?"

Ich glaube gar nichts, Frau Regierungsrätin," ant­wortete die andere,und ich will auch gar nichts gesagt haben."

Die Regierungsrätin war ganz betreten über die nicht mißzuverstehenden Andeutungen des Fräuleins.Nein, nein, nicht möglich!" wiederholte sie ein paarmal. »Was sollte er denn für einen Grund gehabt haben? Glücklich in der Familie, in den besten pekuniären Verhältnissen

Das Fräulein zog abermals die spitzen Schultern in die Höhe.Das wird sich ja zeigen. Ah da sind wir endlich !"

Noch einmal stimmten die Sänger einen kurzen Psalm an. Der Sarg ward in die Erde herabgesenkt. Frau Dorothea warf ihm mit zitternden Händen ein paar Blumen aus dem dargehaltenen Körbchen nach. Sie wankte so heftig, daß sie umgefallen wäre, wenn nicht Ziel, schnell hinzuspringend, sie gehalten hätte. Er führte sie den Grabhügel hinunter, und noch einmal bewegte sich langsam der Zug der Schwarz­gekleideten an ihr vorüber, ihr die Hand drückend, ihr un­deutliche Worte zuflüsternd. Neben ihr waren die Kinder, ebenfalls grüßend und dankend.

Jetzt stand Olaf Nansen vor Martha. Er hielt ihre Hand lange in der seinen. Mit seinen lieben, blauen Augen sah er sie so milde und ernst an. Sie hatte ihn noch nie ernst gesehen. Immer hatte ein Scherz um seinen Mund gespielt, oder er hatte versteckt und heimlich, nur ihr ver­

ständlich, von süßer Liebe geflüstert. Auch heute war es ein warmer Strom von Zuneigung und Sympathie, der sich zu ihr herüber ergoß,

Liebes Fräulein, ich brauche Ihnen eigentlich nicht zu sagen, wie sehr ich an Ihrem Schmerz tcilnehme. Habe ich doch selbst so unendlich viel verloren,- meinen besten, meinen väterlichen Freund, meinen zweiten Vater!"

Sie nickte stumm. Sie sah ihm noch immer nach, während sich schon eine andere Hand in die ihre legte. Und sie ahnte nicht, auf wie lange sie jetzt von ihm Ab­schied genommen hatte.

IV.

Es ist Ihnen wohl lieber, ich lasse Sie heute abend allein?" fragte Ziel, während er Frau Andree in den Wagen half.

Sie nickte.Ja, ich sehne mich nach Ruhe und Einsamkeit."

Es war in den letzten Tagen soviel auf sie eingestürmt: alles, was mit der Ueberführung und Bestattung der Leiche zusammenhing, Briefe und Anzeigen, und wenn ihr auch Ziel in Ausführung und Anordnung manches abnahm, so mußte doch alles besprochen, alles überlegt, alles ent­schieden werden. Sie hatte noch kaum Zeit gefunden, sich ihres Verlustes recht bewußt zu werden. Nun war das Nächstliegende erledigt, die dringendsten Pflichten waren er­füllt. Sie konnte sich ganz ihrem Schmerze überlassen. Sie trat ins Wohnzimmer. Fenster und Läden waren ge­schlossen der Sonne wegen. In dem halbdunklen Raume hing noch der Dust der Blumen, die in so reicher Anzahl gesandt worden waren, und auf dem Teppich lagen ein paar abgefallene Rosen. Mit dem ihr eigenen Ordnungssinn hob sie mechanisch die zertretenen Blumen auf amb warf sie in den Papierkorb. Dann öffnete sie das Fenster. Das Helle Licht that ihren thränengeröteten Augen wehe, aber in der dufterfüllten Atmosphäre hätte sie nicht zu atmen vermocht. Sie bedeckte die Augen mit den Händen und warf sich in die Sofaecke. Im Geiste durchlebte sie noch einmal die letzten Tage. Die Reise nach Karlsbad, wo sie nichtsahnend die Andeutungen, mit denen Ziel sie auf das Kommende vorzubereiten bemüht war, nicht. verstand, nicht verstehen wollte. Sie sträubte sich noch, das Schreckliche zu glauben, als sie an sein Bett trat und ihn vor sich sah, den geliebten Mann, tot, kalt,- der lächelnde Mund geschlossen für immer. Ziel hatte ihre Hand ergriffen; auch in seinem Auge glänzte eine Thräne.Ist es denn möglich?" murmelte sie. Stirbt man so rasch?" Er war frisch und munter gewesen,