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Gestalt und Umfang, während der andere Stoff demselben Stärke und Dauerhaftigkeit verleiht.

Der Holzstoff der Sittingbourner Mühlen ist in fünf Schuppen von etwa 100 Fuß Länge, 60 Fuß Breite und 60 Fuß Höhe aufgeschichtet, welche insgesamt 4500 Tonnen fassen können. Ein an der Flußseite gelegenes Gebäude ent­hält aber noch 1600 Tonnen, welche zur Reserve dienen, falls die Holzfaserschuppen etwa einmal in Brand geraten. Mit dieser Möglichkeit muß man allerdings rechnen, und des­halb find die Mühlen stet- mit einer mindestens vierzehn Tage vorhaltenden Materialmenge versorgt.

Die Mühlen bestehen aus zwei Abteilungen, einem alten und einem neuen Gebäudekomplex. Letzterer wurde im Jahre 1891 errichtet. Man gelangt durch den Heizraum der alten Mühlen, wo die Triebkraft derselben durch acht ungeheure Galloway- Keffel erzeugt wird zur neuen Baugruppe, wo gegenwärtig 8 Galloway-Kessel in Thätigkeit find.

Wir nehmen nun unfern Weg durch die den Zimmer­leuten und Monteuren bestimmten Räume, wo wir alle er­forderlichen Ersatzteile für beide Mühlen vorrätig finden/ in solch einem Etablissement müffen alle Schäden schleunigst be­seitigt werden, soll nicht der gesamte Betrieb darunter leiden. In einem dieser Räume sehen wir eine Maschine zum Ab­schleifen der Zylinderrollen, welche zum Glätten des Papteres dienen und nach Erfordern in die mannigfachenKalander" eingeschaltet werden. Diese Schleifmaschine ist so empfindlich, daß selbst die Sonnenstrahlen sie aus dem Geleise zu bringen vermögen und um dies zu vermeiden, müssen die Fenster im Sommer verdunkelt werden. Es leuchtet ein, daß die Kalander­rollen mit peinlichster Sorgfalt geschliffen werden müssen, denn nur wenn sie das Papier völlig gleichmäßig bedecken, ist ein guter Resultat zu erzielen. In einem großen Maschinenhaus bemerken wir riesige Behälter, die mit beiden Sorten Holzstoff gefüllt sind. Große kreisförmige, mit Schaufeln besetzte Walzen rotieren in diesen Behältern und lösen die Fasern des Holzstoffes, während dieser hin- und hergeschleudert wird. Er gleicht jetzt einem Brei von Hafer­mehl. Nach geraumer Zett wird der breiigen Mischung Antlinblau hinzugefügt, um dem Papier einen angenehmen Ton zu verleihen. Es gilt hier den gleichen Effekt zu er­zielen, den die Wäscherin durch Blauen der Wäsche und der Zuckerfieder durch den Zusatz von Ultramarin beim Raffinieren seines Fabrikates zu erreichen strebt.

Der Holzstoff ist nun fertig, um in die Holzstoffbehälter gefüllt zu werden. Aus diesen wird er mittelst Pumpen nach den entsprechenden Papiermühlen im Untergeschoß desselben Hauses befördert. Auf dem Wege zu den Maschinen geht der Holzstoff durch Seiher oder Saugkörbe, um alle fremden Bestandteile, die auf dem vorhergehenden Fabrikationswege ausgenommen worden find, zu entfernen.

Und nun kommt der interessanteste Teil des ganzen Ver­fahrens. Der Holzstoff stießt als breiter, seichter Strom auf ein über zahlreiche Rollen geführtes Drahtnetzohne Ende" von so außerordentlich feiner Beschaffenheit, daß 400 Löcher auf einen Quadratzoll kommen. Dieses rotierende Gewebe bildet über den Rollen eine ebene, tischartige Fläche, und während sich auf dieser die mit fortgeriffene Papiermaffe ausbreiret, extrahieren mächtige Sauger die Feuchtigkeit aus derselben.

Die Maffe ist nun von faseriger Beschaffenheit, und in diesem Zustand geht sie durch da- erste Rollensystem, die sogenannten Lagerrollen, dann durch ein zweites, in dem sie gepreßt wird, und wieder durch ein anderes und so fort. DaS Papier ist endlich konsistent genug, um die Trocken­walzen, zum Teil geheizte Hohlzylinder, passieren zu können. ES geht nun durch zwanzig solche Zylinder mit der Ge­schwindigkeit von 90 Metern in der Minute und verläßt dieselbe als fertiges Rollenpapier.

Es ist ein wunderbarer Prozeß! Auf der einen Seite

der trübe, fließende Wasserstrom, auf der anderen das solide, weißglänzende Papier.

Wir kommen nun zu den Kalandern, auf denen das Papier geglättet wird. Es find dies aus rotierenden Papier- und Hartgußwalzen, in wechselnder Anordnung, bestehende Maschinen. Die Papierwalzen bezwecke«, dem Papier eine elastische Unterlage zu geben. Ist das Material kalandert, so wird eS trommelartig aufgerollt. Natürlich geschieht dies wieder durch Maschinen, ein Uhrwerk schlägt an, wen« die verlangte Meterzahl erreicht ist.

Im Ganzen sind acht Maschinen für die verschiedenen Papierbreiten vorhanden. Eine davon, eine amerikanische Riesin, ist ein außergewöhnlich feines KonftruktionSwerk und soll allein 800 000 Mark gekostet haben. Aber selbst diese acht Maschinen reichen nicht mehr aus, um der beständig an­wachsenden Nachfrage zu genügen.

Die Firma, welche seit dem Tode deS Begründers von deffen Söhnen geleitet wird, liefert nicht nur für eine große Zahl Londoner Zeitungen und Provinzialblätter daS Papier, sondern versorgt auch zwei Drittel aller australischen Zeitungen. Die Papierrollen werden in Segeltuchhüllen mit hölzernen Kopsplatten gepackt und je nach ihrem Bestimmungsort mit dem ZeichenSidney, Adelaide" versehen. Jeder Ballen enthält gegen 7600 Meter oder 4000 Bogen Papier.

Tag und Nacht, von Montag früh 5 Uhr morgens bis Sonnabend 10 Uhr abends sind die Maschinen ohn' Unterlaß in Gang. Einige darunter gehen während dieser Zeit, ohne sich auch nur eine Stunde lang aufzuhalten. Verbraucht werden 700 Tonnen Kohlen wöchentlich, und die Waffermenge, welche durch eine der Mühlen geht, beläuft sich auf nicht weniger als 14500 Liter pro Tag. Gerade imposant ist aber der jährliche Papierabsatz in englischen Meilen berechnet. Die Lloyd'schen Mühlen versenden jährlich 600000 Meilen Papier von etwa einem Meter Breite. Das ist ein Papier­streifen, welcher hinreichen würde, unseren Planeten vierund­zwanzigmal zu umwickeln. Und doch reicht eS nur gerade aus, einen ganz kleinen Teil dieses Planeten mit Zeitungen zu versorgen. So viel gehört dazu, um dem Wissensdurst und der Neugier der Welt zu genügen.

Lttterarischer.

Da« anspruchsvollst« Kleidungsstück der Weiblichen Toilette ist jetzt der Rock, der bis vor gar nicht langer Zeit noch ihr bescheidenster Bestandteil war. In allen möglichen Formen und Arten finden wir ihn am modernen Kleid vertreten; nicht einmal daS englische Kostüme wird jetzt mit völlig schmucklosen Röcken verfertigt. Wie mannigfach die Garnituren der neuen Kleidröcke sein können, zeigt daS eben erschienene Heft 15 derWiener Mode" Die BeilageWiener Kinder-Mode" bringt unter anderem auch Firmungskleider. Preis deS HefteS 45 Pf. Abonnement 2 Mk. 50 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und vom Verlag derWiener Mode", Wien, Wienstraße.

Nachdem der Frühling siegreich eingezogen, saftiges Grün dem Erd­reich entlockte, aus kahlem Gezweig Tausende von Blüten hervorzauberte, die weithin die Luft mit köstlichem Duft erfüllen, ist auch die Freude an den Blumen und an der Beschäftigung mit ihnen in jedem Naturfreund wieder neu erwacht. Das keimende Blumenleben verlangt nun unsere sachgemäße Pflege. Ganz besonders sind es die Zimmerpflanzen, die die Spuren des Winters am längsten zeigen, da sie zur kalten Jahres­zeit in oft ungeeigneten Räumen viel erdulden mußten. Kurze Zeit noch, und die Topfgewächse müssen den hängenden Garten des Städters, den Balkon, in eine anmutige Laube, dis Blumenbretter vor den Fenstirn in lebensfrische Blütenbänder verwandeln. Wie dies in einfacher, dank­barer Weise zu ermöglichen ist, lehrt daSHandbuch der praktischen Zimmergürtnerei" deS bekannten Gartenbau - Schritstsllers und Herausgebers derGartenwelt" Max Hesdörffer (Verlag von Gustav Schmidt, Berlin SW. 46), dessen zweite, wesentlich erweiterte Auflage gerade zur rechten Zeit in 10 Lieferungen ä 75 Pf. zu erscheinen beginnt. Neben 17 Blumentafeln enthält dies Werk gegen 400 Originalabbildungen im Text, welche alle praktischen Handgriffe und die wichtigsten Zimmer­blumen zur Darstellung bringen. Hesdörffers Handbuch ist nach dem Urteil der gesamten Kritik das weitaus beste Werk über Zimmergärtnerei, es wurde bereits nach dem Erscheinen der ersten Auflage in fünf fremde Sprachen übersetzt. Die soeben erschienene erste Lieferung ist durch jede Buchhandlung zur Ansicht zu erhalten.

Redaktion: @. Burkhardt. Druck und Berlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meßen.