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ie bettelarm ein Herz doch bliebe. Das nur des Andern Freude theill 1 Das ist das schönste Recht der Liebe, Daß sie des Unglücks Wunden heilt.

H. Scheerenberg.

Ein Prüfstein für der Seele Kraft Ist jede tiefe Leidenschaft.

Die kleinen zieht sie in den Sumpf hinein, Die großen Seelen witscht sie spiegelrein.

E, Bormann.

Das Fräulein.

Roman von E. Vely.

(Fortsetzung.)

Etwas Anderes, als eine Zustimmung, schien sie gar nicht von Line zu erwarten; von der Thür her klang's noch flüchtig:Die Frau wird Ihnen meine Adresse geben und das Nöthige sagen" dann war die zierliche Gestalt ver­schwunden.

Haben Sie ein Glück," meinte die Selken.

Da geh't hoch her,- freilich immer ein Bischen viel Wechsel, aber den kann sich der ja leisten, der in der Thier­gartenstraße in solch 'nem Hause sitzt. Und denn, komisch, die Leute, die bei Lunds gewesen sind, finden immer gleich wieder Stellen. Natürlich, die Menschen sind doch neugierig und lassen sich gern erzählen, wie die schöne Frau Lund das machte, und wer zum Besuch kam und so weiter! Um die Hausmädchen von der habe ich schon ein förmliches Gereiße gehabt."

Sie glauben also, daß ich"

I, Du meine Güte, da können Sie noch fragen, so was passirt doch gar nich wieder, Fräulein! Die kommt hierher und will einen Diener miethen und verfällt auf Sie und sagt über die andere Sache kein Wort. Ja, so muß Einer in meinem Geschäft Geduld haben, sonst kommt man nicht weiter."

Sie trat an das Schreibpult und kritzelte einen Namen auf einen Streifen Papier.Frau Ebba Lund", las Line Arabin, dann schob sie ihr ein anderes Papier hin.Die gnädige Frau zahlt besonders gut, nach einem Monat habe

i ich noch für meine Mühe diese kleine Summe zu bekommen, t wollen Sie mal Ihren Namen dahin setzen.So!"

Line Arabin sah, während die Frau ihre Personalien l in einem abgegriffenen dicken Buch ergänzte, an den Wänden I umher, wo patriotische Bilder hingen. Das Sopha im ; Hintergrund war mit Filetschonern belegt, an einem der s tief herabgehenden Fenster stand ein Gummibaum die \ Farbe des Bodens war abgetreten von den vielen Füßen, I die hier kamen und gingen.

Ja, Line hatte nun ein Unterkommen) als sie wieder emporstieg, drängten sich Andere hastig an ihr vorbei die suchten noch, die Armen. Sie kam sich Plötzlich geborgen vor und athmete tief die frische Luft ein.

Blitzschnell hatte vorhin der Diener den Schlag auf» gerissen, während der Herr sich hilfseifrig vorbeugte, um die Einsteigende zu unterstützen.

Als sie sich behaglich in den Kissen zurecht gerückt, breitete er auch die kostbare Pelzdecke über sie und sich aus Kutscher und Diener warfen einen Seitenblick herüber, dann zogen die Pferde an. An allerlei Vehikeln, an den rasselnden Pferdebahnwagen, an Menschengruppen vorüber gings, hüben und drüben winkten reich ausgestattete Schau­fenster, Reelamewagen glitten vorbei) Ausrufer ließen ihre Stimme laut werden, Schutzleute zu Roß und zu Fuß hielten Ordnung, die Dame hatte keinen Blick für all das, was um sie her vorging. Sie hatte ein eigenwilliges, rundes Kindergesicht, das etwa der Ro-kokozeit hätte ange­hören können, wie denn die Zierlichkeit der ganzen Person sich mit einem Meißener Porzellanfigürchen vergleichen ließ. Was auffallend und nicht stimmend in dem Köpfchen war, waren die großen, blauen, so kaltblickenden Augen mit den langen, blonden Wimpern aber eben deshalb hatte das Gesicht einen ganz besonderen Reiz, eine eigenthümliche Anziehungs» \ kraft. Man fragte sich, wie die verstandeskalten Augen = da hinein gerathen waren.

Frau Ebba Lund konnte die Aufklärung geben. Ihre Mutter, eine kühle, überlegende, schwedische Gräfin, hatte § solche Augen. Die Verarmte hatte eine GeldHeirath ge- ; schlossen dem Manne Ansprüche bringend und kein Herz und ohne Liebe hatte sie ihr Kind erzogen. Den Namen , Meyerling hatte sie sick und ihrer Familie nie verziehen l und ihn wie ein Nessusgewand durch's Leben getragen. ' Wenn, was freilich selten vorkam, Jemand die schöne, ge- : feierte Frau Ebba Lund fragte, wie ihre Kindheit gewesen, \ dann zog sie die feinen Schultern, wie von einem kalten Hauch berührt, zusammen und sagte:Frostig!" Es war