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spitzen — die heutigen Azoren — mit allen seinen Bewohnern versunken ist. Nur wenige Personen seien auf Schiffen entkommen, die den umwohnenden Völkern von der entsetzlichen Katastrophe Kunde brachten, deren Andenken bis in unsere Zeit in Gestalt der Sintfluth bei vielen Völkern der alten und neuen Welt noch lebendig ist.
Der genannte Autor sucht vor Allem die Möglichkeit einer so furchtbaren Katastrophe zu beweisen. In der That spricht dieser Umstand mehr als alles andere gegen die Wahrheit der Plato'schen Ueberlieferung. Mehr und mehr kommt die geologische Forschung von den früher behaupteten gewaltigen Erdkatastrophen ab, indem sie eine allmähliche Evolution, nicht sehr verschieden von den auch heute noch vorhandenen, an deren Stelle setzt. Die Aehnlichkeit der Sintfluthsagen der amerikanischen, europäischen und afrikanischen Völker, auf welche Donnelly hinweist, kann ihre Erklärung ebensogut in einer Reihe großer Ueberfluthungen, die bald hier, bald da eintraten, finden, und die Aehnlichkeit der altamerikanischen Culmren mit denen der alten Welt in der einheitlichen Entwickelungsfähigkeit der Menschen überhaupt. So gut wie Donnelly annimmt, daß Atlantis die Urheimath der Menschheit sei und sich die Cultur nebst ihren dqmaligen Erzeugnissen über Amerika und Europa-Asien ausbreuete, kann man doch auch annehmen, daß europäische oder asiatische Handelsvölker (vielleicht Phönizier) in früheren Zeiten schon Amerika erreicht und einige von ihnen sich dort angesiedelt haben. Schon 1685 hat Bircherod in der That die Vermuthung ausgesprochen, daß phönizische oder karthagische Handelsschiffe, durch Stürme und Strömungen von ihrem Wege abgetrieben, nach Amerika verschlagen und von dort glücklich zurückgkkehrt seien und auf ihren Erzählungen die Sage von Atlantis beruhe. Wer einmal die Richtigkeit irgend einer Idee zu beweisen trachtet, der wird Zufällig keiten und Aehnlichkeiten genügend finden, die dieselbe zu beweisen scheinen, und wenn in ein paar tausend Jahren beispielsweise ein Forscher den Nachweis liefern will, Hertzka's „Freiland" sei gar kein Phantasiegebilde, sondern habe in Wirklichkeit in Afrika existier, so wird er ebenfalls Gründe über Gründe und Beweise über Beweise für seine Behauptung erbringen können.
Die Möglichkeit ist indessen nicht ausgeschlossen, sogar die Wahrscheinlichkeit nicht ganz vorausgesetzt, daß wir das abenteuerliche Phantasiegemälde Donnellys fallen lassen und uns lediglich an nackte Thatsachen halten. Warum soll nicht im Atlantischen Ocean eine große bewohnte Insel bestanden haben und untergegangen sein? Zahlreiche Inseln sind durch plötzliche und allmälige Katastrophen entstanden und untergegangen. Vielleicht war es sogar ein Continent, von dem sich in der That eine dunkle Sage erhalten hat. Die Azoren, welche man als die Ueberbleibsel von Atlantis, als dessen noch aus dem Meere ragende höchste Spitze betrachtet, sind auch heute noch der Centralsitz großer vulkanischer Thätigkeit. Außerdem haben (nach Donnelly) die Schiffe verschiedener Nationen, wie Amerika, Deutschland und England bei ihrer kartographischen Aufnahme des Atlantischeu Oceans eine ausgedehnte Bodenerhebung gefunden, die von der Küste der britischen Inseln südwärts bis zum Cap Orange an der Küste Südamerikas sich erstreckt, von da südostwärts bis zur amerikanischen Küste abspringt und von da wieder südlich bis zur Insel Trista da Cunha läuft. Diese Bodenerhebung steigt durchschnittlich bis zu 9000 Fuß über die großen atlantischen Tiefen in der unmittelbaren Nachbarschaft empor und erreicht in den Azoren und einigen anderen Inseln die Oberfläche des Meeres. Ferner weisen Unger und Heer auf das Vorkommen derselben Miocänflora in der Schweiz wie in Amerika hin, und schließen hieraus auf einen ursprünglichen Zusammenhang Amerikas mit Europa) ja, Heer hat sogar in seiner Flora tortiaria Helvetiae einen idealen Continent Atlantis dargestellt, welcher dem
jetzt weitesten und tiessten Theile des Atlantischen Oceans entspricht. Dieselben Pflanzenthpen des europäischen Miocän- zcitalters wachsen also noch heute in den Wäldern von Virginia, Nord- und Südcarolnia und Florida, und einige davon sind uns allgemein bekannte und vertraute Pflanzen, wie Magnolia, Tulpenbäume, Ahorn, Platanen, Robinas, Sequias u. s. w. Es ist ganz unmöglich, daß alle diese Bäume von der Schweiz nach Amerika hätten wandern können, wenn diese Länder nicht miteinander 'verbunden gewesen wären." So schließt Donnelly — aber der Umstand, daß jener von Heer entworfene Continent nach dem Ende der Miocänperiode sehr schnell versunken gewesen sein müßte, erweckt unseren Zweifel. Außerdem giebt es ja — worauf Asa Gray und Oliver mit Recht Hinweisen — noch einen anderen Weg von Europa nach Amerika oder umgekehrt: den jetzt noch bestehenden quer durch Asien. So hat jedes Ding seine zweite Seiten, und wir müssen es dem Leser überlassen, sich die seiner Anschauung entsprechende Hypothese auszuwählen.
Wir erwähnten schon oben, daß zahlreiche Forscher, vor allem Sclater und Forster, die einstige Existenz eines großen Continents in der Südsee annehmen. Derselbe soll sich an der Stelle des heutigen Indischen Oceans von Madagaskar bis Sumatra und nordwärts bis Indien erstreckt haben, und die Inseln der Südsee sollen danach nichts anders sein als die Bergcsgipfel eines versunkenen oder noch im Versinken begriffenen Festlandes. Diese Hypothese soll die eigenthümliche Thatsache erklären, daß manche Arten der Halbaffen (Lemuriden) sich sowohl in Madagaskar als auch in Indien und auf den indischen Inseln vorfinden. Der versunkene Continent, von Sclater Lemurien genannt, sei die Urheimath der Lemuriden gewesen, von der aus sie sich westlich und östlich ausgebreitet hätten. Nach Anhängern der letzteren Hypothese soll „Lemurien" auch — wie Atlantis — die Urheimath des Menschengeschlechts sein.
In beiden Fällen würde es zwecklos sein, sagen zu wollen: das Eine wie das Andere hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich. Wir können nur die Ergebnisse der wissenschaftlichen Beobachtung constatircn, allen sich daran anschließenden Folgerungen müssen wir ein unbeugsames „ignoramus“ entgegensetzen. Vielleicht wird die Zukunft deutlicher sprechen. Unsere geologische Wissenschaft, die, schon so unendliche bedeutsame Früchte getragen hat, ist noch sehr jung, wer weiß, was sie uns im nächsten Jahrhundert für Entdeckungen bringt. Kürzlich ging durch die Presse die Nachricht von der Erfindung eines eines submarinen Schiffes, wodurch die Phantasien Jules Vernes verwirklicht worden wären. Bestätigt sich die Mitiheilung — und wenn sie sich nicht bestätigt, so ist die Construction eines solchen Fahrzeuges doch nur eine Frage der Zeit! — so werden wir bald über die versunkenen Welten Atlantis und Lemuria wichtige Aufschlüsse erwarten dürfen.
Hrrnrsvistisches.
Drastischer Vergleich. „Sie, Herr Förster, haben Sie unseren jungen Baron schon zu Pferde gesehen?" — „Jawohl! Der sitzt ja auf dem Gaul, wie ein Stück Butter auf einer heißen Kartoffel!"
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Neues Wort. „Wie viel hast Du Dir schon verdient durch Deine „Gedankenspäne"? — „So ein Gedanken- spanserkel."
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Ein Naturalist. (Gast zum Wirth): „Sie, in dem Bier ist Pech!" — Wirth: „Im Leben auch!"
Redaction: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


