A4L hre ist des Mannes Herz, Demuth führt uns himmelwärts, Strenge, die sich selbst bezwingt,
Schafft im Leben, was gelingt;
Treu' umfaßt sie alle drei, Lieb' und Frieden noch dabei.
Fr. v- Schlegel.
Felsgarten.
Roman von Clara Bäcker.
(Fortsetzung)
V.
Jahre waren dahin gegangen. Frau Wulfsen lebte wieder auf Felsgarten, beide Söhne weilten zum Besuch bei ihr, Franz als Lieutenant, Heinrich, der Landwirth, als ausgereifter Akademiker, der vorher eine längere Praxis unter Onkel Wulffen durchgemacht hatte.
Wenn Einer zum Soldaten paßte, war es Franz. Mit seiner kräftig schönen Gestalt und dem blühenden Gesicht stand ein frisches, unbekümmertes Wesen im Einklang. Die sogenannten „Anforderungen der Welt" und seine persönliche Freiheit möglichst in Einklang zu bringen, darin bestand seine ganze Ethik. Reichte diese aber in Bezug auf die Mägdlein wirklich einmal nicht aus, so tröstete er sich: Bah, ein freier Mann, Niemandem verantwortlich — wen Eränkts also?
Er ruhte auf dem Sopha der Mama, ein Bein über den nächsten Stuhl gelegt, den Kopf zurückgelehnt, daß er die Decke, seine Cigarre und verstohlen Heinrich mustern konnte, der am Fenster lehnte und den Hund beobachtete, wie sich der mit einem fremden Kater draußen balgte.
„Mit dem hat er seine Roth! Warte, ich bringe euch auseinander!"
Dabei schwang er sich aus dem Fenster, um wenige Minuten später auf demselben Wege wiederzukommen. Mit einem jähen Zurückbäumen, das unbewußt war, aber gut zu seiner hohen, schlanken Gestalt Paßte, lachte er den Bruder an. „Ehe der Faulpelz sich regt!"
„Isis so nöthig?" fragte der zurück.
Doch Heinrich pfiff bereits eine übermüthige Melodie,
. nahm die Geige vom Tisch und jagte einige Passagen auf i und ab.
„Wirds was?" fragte Franz.
„Ich will Dir eine Trägheitssymphonie in die Ohren j streichen, schöner Nichtsthuer — Paß auf, ob Du's faßt!"
Franz grunzte behaglich. Da setzte die Geige mit einem weichen, süßzitternden Seufzen ein, malte ein dämmerndes Träumen, ein kurzes, heiteres Aufraffen, in das leise, dann immer unwiderstehlicher die kleine Melodie hineindrang: „Ach, ich bin so müde, ach, ich bin so matt."
Wie von glückstrunkener Frauenstimme gesungen, schwollen dann die Töne ein wenig an, dichtes, glühendes Rankenwerk verschlang sie wieder, wie aus der Jasminlaube hervor klangen sie jetzt, und nun regte sich nicht Blatt noch Zweig, süß schlief die alte Weise ein.
Nun schwieg die Geige.
Franz faltete flehend die Hände.
„Lieber, einziger Rattenfänger, ich will ewig hier liegen. ! Ich habe gar nicht gewußt, daß Schlafen so edel sein kann. Geig' mir das noch einmal."
„Das wäre!" sagte Heinrich ungerührt.
„Ja, bei Franz hilft nur ein Kaltwafferguß," fügte Frau Wulffen, durch das Zimmer gehend, hinzu.
„Für nichts und wieder nichts Md er auch nicht ! so stark."
„O, meine schöne, junonische Mama, weh über Deinen Fleiß und Deine Rührsamkeit!" rief der Verspottete.
„Schade, daß die Mutter etwas zu üppig geworden ist, ihr Gesicht könnte heute noch entzücken," bemerkte Heinrich, 1 als sie nach einem kleinen Strafgericht gegangen war.
„Gewiß, für eine Mutter von uns sieht sie bewundei us- werth aus," Pflichtete Franz bei. „Jndeß, zum Entzücken — äh — dazu gehören bei mir nicht mehr und nicht weniger als siebzehn Jahre."
„So'n junges Kraut?"
„Na, höre mal!"
Heine schloß den Violinkasten.
„Darüber muß ich wich wundern, Franz," sagte er, ’ mit dem Schloß beschäftigt. „Was mit siebzehn Jahren für uns zu haben ist, taugt nichts, absolut nichts. Was aber einen Horizont bekommt, so einen geistigen oder gemüth- vollen Hintergrund meine ich, das ist dann noch viel zu unentwickelt — das ist stachlig wie eine Schlehdornhecke."
„Höhere Tochter? Bah! Ekel: Was mit siebzehn Jahren versteht zu glühen, daß ihm Mieder und Haus zu


