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fuhr dann fort:Nein, ich bin mit dem Wagen sogleich auf den Wirthschaftshof gefahren und habe dort ausgespannt." War denn Niemand von den Leuten da, der Ihnen behilflich sein und mich von Ihrer Ankunft in Kenntniß setzen konnte?" fragte der Amtsrath und lud seinen nicht ganz willkommenen Gast gleichzeitig durch eine Handbeweauna ein, sich niederzulassen.

O, was bedarf es so vieler Umstände unter alten Bekannten und Nachbarn?" erwiderte Göbener, sich den Anschein gebend, als bemerke er die in den Worten des Am'srathes liegende Rüge seines Verhaltens nicht.Ich weiß mir schon selbst zu helfen und kenne den Weg."

Ich bin es aber gewohnt, daß meine Gäste aus den Schloßhof fahren," entgegnete Wenzel mit einiger Schärfe, der Wirthschaftshof" a ' '

//Kann sich sehen lassen," fiel Göbener mit großer Geschmeidigkeit ein.Nein, verehrter Freund, das dürfen Sie einem alten Practicus wie ich bin, nicht verwehren, daß er sich dort umschaut. Das Herz im Leibe lacht einem, wenn man die Ordnung, die Sauberkeit, die Fülle sieht Der neue Schafstall ist eine wahre Pracht. Ha, wer das Alles so im Stande haben kann!"

Nun, Rapshagen braucht den Vergleich mit Waldhof nicht zu scheuen, und Sie sitzen auf Ihrem eigenen Grund und Boden und ich auf einer Pachtung," erwiderte unwill­kürlich geschmeichelt und darum etwas weniger gemessen der Amtsrath.

Sie scherzen!" antwortete Göbener mit einem Seufzer. Es müßte bei mir Mancherlei anders und besser sein, aber man kann nicht immer so, wie man gern möchte. Verzeihen Sie den Ueberfall, aber es ist mir wirklich nicht möglich, nach Waldhof zu kommen und nicht zuerst einen Blick auf den Wirthschaftshof, auf die Ställe und Scheuern zu werfen," fügte er treuherzig hinzu.Sind hübsch voll? Was?"

Wie bei Ihnen und den anderen Gutsbesitzern auch," entgegnete Wenzel.Wir können, denke ich, in diesem Jahre mit der Ernte zufrieden sein."

Was nützt das? Die Preise werden um so niedriger werden!" stöhnte Göbener und fuhr sich mit der Hand über das graue, borstige Haar und die breite, niedrige Stirn. Bei dem niedrigen Zoll werden wir ja vom Auslande mit Getreide überschwemmt. Die Arbeitslöhne sind bei uns so hoch, daß wir bald nicht mehr auf unsere Kosten kommen. Hat die Regierung nicht bald ein Einsehen, muß der Land-

!/,Cim Bettelstab aus seinem ehemaligen Eigenthum

Amtsrath Wenzel sah den sich Ereifernden aus klugen

Augen belustigt an und sagte mit feinem Lächeln:

Lieber Herr Amtmann, die Reden halten Sie, wenn Sie einer Versammlung im Verein beiwohnen oder wo Sie sonst gläubige Seelen finden, aber nicht bei mir."

Aber Herr Amtsrath, Sie werden doch nicht leugnen wollen, daß die Landwirthschaft sich in einer Nothlage be- findet! rief Göbener und schlug wie entsetzt die Hände zusammen. v

//Fällt mir gar nicht ein," erwiderte der Amtsrath sehr ernst,im Gegentheil, ich erkenne sie in ihrem ganzen Umfange an, nur stelle ich in Abrede, daß ihr mit den jetzt mit so großem Geschrei angepriesenen Mitteln, wie Monopol, Veränderung der Währung u. s. w. zu helfen ist. Rationelle Wirthschaft und bescheidene Lebenshaltung wird doch immer die sicherste Hilfe bleiben."

Sagen Sie das nicht, Herr Amtsrath," entgegnete Göbener.Ich bin wirklich ein sparsamer Wirth, schinde und plage mich selbst und weiß auch die Leute anzustellen, aber was winhschafte ich heraus? Wenn ich Ihnen meine Bücher zeigen wollte"

//Nein, nein!" sagte jetzt gut gelaunt der Amtsrath, ich gehöre glücklicherweise nicht zur Einschätzungscommission und wir wissen auch ohnedies, was wir von eineinander zu halten haben. W-nn es Ihnen Vergnügen macht, können '

J wir ja übrigens einen Gang durch die Ställe und Vor- f rathsräume machen, da Sie ausgespannt haben, darf ich annehmen, daß Sie mir einen längeren Besuch zugedacht haben."

(Fortsetzung folgt.)

Einen Zahn verloren die Herzen gewonnen.

Eine lustige Geschichte aus dem Leben Jean Pauls.

Von Karl Neumann-Strela.

(Schluß.)

Demoiselle Hähnel hatte das Glück, mit ihm aus einem Glase zu trinken. Im Entzücken darüber rief sie aus:Er hat einen Blumenkranz um den Mund!" Drei Mal glücklich, wer diesen Mund küssen durfte, wer eine Locke vom Haupte des Dichters erhielt! Nun denn, er spendete Locken, so lange es sich mit seinem Haarwuchs vertrug, und junge und ältere Damen,Backfischchen," Gattinnen und Mütter, küßten ihn auf Mund, Wangen und Stirn.

Niemand entsann sich der Zeit, wo er als Student in Leipzig lebte und heimlich entwich. Er dachte aber daran und hatte auch seine Freunde in der Reichsstraße nicht ver­gessen. Seine vor der Flucht gemachten Schulden waren aus der Ferne längst von ihm beglichen, doch an Köhlers hatte er nie geschrieben,- nun er sich demJean Paul Be­geisterungsfieber" nur etwas entziehen konnte, trat er bei ihnen ein. Obgleich eine lange Zeit verstrichen, erkannten sie ihn doch gleich. Es war ein freudiges und bewegtes Wiedersehen. Denn nachdem er ihnen erzählt, wie es ihm seitdem als Hauslehrer in H f und Schwarzenbach, dann nach dem Tode der Mutter als Schriftsteller in Bayreuth ergangen war, wünschte er ihre Erlebnisse zu hören. Was er da vernahm, mußte ihn tief bewegen. Ihre Kinder waren gestorben, und das sie früher gut ernährende Geschäft hatte sich sehr verschlechtert. Ihnen gegenüber war kürzlich ein neuer Barbierladen eröffnet worden, zwei andere Barbiere hatten schon früher in der Reichsstraße Läden aufgemacht. Vier gleiche Geschäfte waren für die Gegend zu viel, und wie es meist zu geschehen pflegt, zogen die Leute die neuen Geschäfte vor. Köhler mußte den Gehilfen entlüften; er hatte oft halbe Tage lang nichts zu thun. Der Anfangs zurückgelegte Spargroschen war längst verausgabt, und wenn es so weiter ging, stand Köhlers ein trüber Lebensabend bevor.

Von ihrer Mittheilung tief ergriffen, bot Jean Paul ihnen sofort seine Hilfe en. Seine Geschenke konnten sie damals nicht abwenden, ohne ihn zu kränken, doch seine Geldhilfe, die er ihnen bei seinen glänzend gewordenen Ein­nahmen als Schriftsteller um so leichter gewähren konnte, lehnten sie ab. Traurig gestimmt verließ er sie, dachte aber unterwegs darüber nach, wie ihnen zu helfen sei. So kam er in sein Hotel, plötzlich erheiterte sich sein Gesicht, da er nach seiner Meinung den richtigen Ausweg gefunden hatte.

Immer wieder ein Gastmahl oder eine Affembläe mit jungen und älteren Damen. Haarlocken konnte er ihnen zwar nicht mehr bieten, er wäre sonst zum Kahlkopf ge­worden. Wenn aber der Schaumwein in den Gläsern perlte, dann kamen die Backfischchen immer wieder auf ihren Fuß­spitzen, und die Gattinnen und Mütter mit bittenden Mienen herbei, um denGöttlichen" zu küssen. Er zögerte durchaus nicht damit, auch an diesen und den nächsten Tagen küßten sie ihn auf Mund, Wangen und Stirn. So rasch wie bisher geschah es aber nicht. Erst mußten die Damen ihm etwas versprechen, und toenn das geschehen war, kam erst der beglückende Kuß.

Und was geschah weiter? Köhler und Frau wollten ihren Augen nicht trauen. Ein Diener rief ihn zu einem