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Das Kind der Tänzerin.
Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.
(Fortsetzung.)
5. Capital.
In der Nacht.
Am nächtlichen Himmel machte der Vollmond vergebliche Anstrengungen, die grauen Wolkenmassen zu durchbrechen. Es war schon spät, Robert Greylock mußte daher seine Schritte beschleunigen, wenn er seines Vaters Haus erreichen wollte, ehe die Bewohner im Schlummer lagen.
Der nächste Weg nach Greylock Woods führte durch die gefrorenen Salzwiesen. Ein solcher Gang um diese Zeit der Nacht hatte sicher nichts Einladendes; allein es blieb dem unglücklichen jungen Manne keine andere Wahl- die Angelegenheit, die ihn dorthin führte, war dringender Arter mußte noch einmal in seines Vaters Gesicht blicken, mußte genau wissen, was er von dem eisernen Herzen des alten Mannes zu erwarten hatte.
Nur durch wenige Fenster der Häuser von Blackport schimmerten noch Lichter in die Nacht hinaus- die meisten Bewohner des Städtchens zogen sich früh zur Ruhe zurück. Die Marschen, die Robert zu durchwandern hatte, dehnten sich vor ihm aus — eine dunkle, lautlose und schaurige Oede. Auf der einen Seite glitzerte der Salzbach, ein Arm der nahen Bai. Das Leuchtfeuer von Bird Island bildete den einzigen hellen Punkt in der unheimlichen Finsterniß.
Robert kannte das Terrain sehr genau- sein Fuß wanderte ja auf heimathlicher Haide. Hier war es, wo er
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MMimmelsahrt O maienschöne, äSs? Märchenhafte Blüthenpracht!
All' das Nachtigallgetöne
Froh und doch voll Sehnsucht macht. Herz, das Himmelsthor sprang auf, Trag', was dich bewegt, hinauf'
Der Mai des Lebens steht nicht lang in Blüthe, Er dünkt uns wie ein Traum in seiner Flucht; Doch nur dem Äug' entflieht er; im Gemüthe Reift manche seiner Blüthen uns zur Frucht.
Fr. Bodenstedt.
die goldenen Stunden seiner glücklicheren Tage damit zugebracht hatte, Seevögel zu schießen und Mercy seine Liebe zu erklären. Er gedachte der ©eenen, die sich zwischen ihm und der Tochter des Wirthes zugetragen hatten.
„Wer hätte ahnen können, daß das Mädchen sich die Sache so zu Herzen nehmen würde?" murmelte er vor sich hin. „Es ist schon möglich, daß ich ihr die Ehe versprack, obgleich ich mich dessen nicht erinnere- ich war leichtsinnig genug dazu."
Nach einem tüchtigen Marsche erreichte er das Ende des niedrigen Landes und hatte nun die längst nicht mehr bearbeiteten Salzgruben vor sich. Das Licht des halbverhüllten Mondes schimmerte auf eine Menge Erdhügel, verfallene Schuppen und gefrorene Pfützen herab. Eine ziemlich steile Anhöhe führte zu der Landstraße empor. In wenigen Augenblicken hatte Robert die Höhe erklommen und befand sich nun am Saume eines Parkes, der von einer hohen steinernen Mauer eingeschlossen war. Er verlor keine Zeit, nach einer Eingangspforte zu suchen, sondern bediente sich eines Felsblockes, der dicht neben der Mauer lag, als Stufe zum Erklettern und befand sich im nächsten Moment im Innern des Parkes. ,
Stattliche Tannen und Fichten standen tn dichten Gruppen umher. Fahrwege und Fußpfade zogen sich nach allen Richtungen hin durch die Anlagen und doch war dies nur ein kleiner Theil des herrlichen Erbes, dessen Verlust Robert durch seine Heirath zu beklagen hatte. Wo mochte Iris in diesem Augenblicke sein? Lachte und scherzte sie mit dem Creolen bei einem Champagner- oder Austern-Souper? Das Blut kochte bei diesem Gedanken in Roberts Adern. Um einer so leichtfertigen Kreatur willen hatte er auf ein Erbtheil verzichtet, um das ihn Hunderttaufende beneidet hätten.
„Ob sie wohl trauern wird, wenn sie, in die Wohnung zurückgekehrt, ihr krankes Kind nicht mehr findet?" fragte er sich. „Kaum- sie wird wahrscheinlich zu Kenyon sagen: „ES war recht hübsch von ihm, daß er mir die Kosten des Begräbnisses erspart hat."
Dieser Gedanke führte zu weiteren Betrachtungen. Blieb das kranke, vernachlässigte Kind wider Erwarten am Leben, so war es die einzige Erbin des colossalen Vermögens, falls sein Vater sie nicht durch ein Testament enterbte. — Lange Zeit hatte er nicht, sich diesen Gedanken hinzugebener brannte vor Ungeduld, seinen Vater zu sprechen. Auf sorgfältig gepflegten Pfaden eilte er durch den Park, todtes Laub raschelte unter seinen Füßen, durch die kahlen Aeste stöhnte der Wind. Robert überschritt eine Brücke, die sich


