üchtenSwerrh eine „Gloriosa" mit leuchtend dunkelblutrothen Blumen, unter den rankenden Kapuzinerkressen ein „Vesuvius" von belebend feurigrother Farbe, die bereits in großer Entfernung dem Auge durch ihre Leuchtkraft auffällt. Nicht unerwähnt soll bleiben Physalis Franchetti mit leuchtend orangefarbenen Samenkapseln, welche die eßbare Frucht umschließen) ferner eine goldgelbe Liliput-Zinnie, die Riesen- Gloxinin von 12 Ctm. Durchmesser, ein neuer hellblauer Phlox, eine Levkoye „Weiße Perle", ein ganz neuer Typus, eine Riesenpetunie mit schwarz-carmoisinrothen Blumen, eine gedrungen wachsende Viktoria-Reseda. Von Stauden möchte ich als die beste Neuheit die Heuchera alba bezeichnen, die nun ein Gegenstück zu der rothblühenden bildet, welche seit einigen Jahren das Entzücken aller Blumenfreunde ist.
Von Rosen-Neuheiten sind als gut zu bezeichnen Prinzessin Egon von Ratibor, eine dunkelrothe Theerose, ferner eine Polyantha-Rose „Kleine Prinzessin", in Form der lieblichen Geeite Brunner gleichend, in Farbe jedoch stlbngrosa, und einen Rosen-Sämling, Anemonen-Rose, die schönste der einfach blühenden in Form einer Anemone mit kamelienartigem Laub.
Das Gemüse ist prosaiicher, jedoch werden imDurschnitt auf diesem Gebiete wirklich gute, einen Fortschritt in sich bergende Neuheiten weit mehr gefordert, als auf dem der Blnmen. Es ist dies erklärlich. Blumen sind Luxusartikel, Gemüse ist ein Gebrauchs- und Erwerbsartikel, bei dem der Ertrag die größte Rolle spielt. Läßt sich auf demselben Fleck Landes, mit denselben Hülfsmitteln an Dang und Arbeit ein größeres Resultat in Bezug auf Ergiebigkeit und Geschmack erreichen, so ist das eine Geldfrage, die Rente wird für den Produzenten größer. Das gilt sowohl für den Gemüsegärtner inmitten seiner Culturen, als auch für die Hausfrau in ihrem Küchengarten.
Als eine Prahlerbse von großartiger Tragfähigkeit stellt sich die Erbse „Duplex" dar, deren Schoten durchschnittlich die Länge von 15 Ctm. erreichen. Der Name bezieht sich auf die eigenrhümliche Form. Die stark aufgeblasene Schote vertieft sich in ihrem Rücken so sehr, daß man beim ersten Anblick zwei aufeinander gelegte Schoten vor sich zu sehen glaubt. Das Gegenstück in Bezug auf Länge und Fruchtbarkeit bildet eine von einem Holländer gezogene Zuckererbse, „Riese von Moerheim", die selbst im vorgerückten Zustande noch zart und wohlschmeckend bleibt. Als ein sehr schöner, neuer „Knollen- Sellerie" ist der „früheste Erfurter Markt-Sellerie" zu verzeichnen, dessen Vorzüge in dem zarten, reinweißen Fleisch, seinem großen Umfang, kurzer Belaubung, Frühreife und in dem Fehlen aller Seitenwurzeln bestehen. Unter Poree- Sorten hat sich als der vorzüglichste der langschaftige, bulgarische Winter-Poree erwiesen. Unter den Krautsorten ragt ein neues Zittauer Riesen Rothkraut hervor.
Es liegt in der Natur der Sache, daß Neuheiten, weil der Samen erst in geringer Anzahl vorhanden ist, lheurer in der Anschaffung sind Uib erst im Laufe der Jahre auf das gewöhnliche Preismaß hinrbnnken. Man erhält mit dem hohen Preis aber die frühere Ausnutzung der gebotenen Vortheile. Wem jedoch daran nichts gelegen ist, der warte einige Jahre und begnüge sich inzwischen mit alten guten Sorten. Von Neuheiten der letzten Jahre, die inzwischen schon billiger geworden sind, seien genannt die herrliche, jeder Witterung trotzende, mehlreiche und wohlschmeckende Kartoffel „Perle von Erfurt", der allerseits als der früheste aller Kopfsalate gepriesene „Erstling", die reichtragendste Treibhausgurke „Ideal", die erstaunlich frühzeitige, dickfleischige, üppig tragende Juli-Stangen-Bohne, eine der besten Errungenschaften der letzten Jahre für Markt, Haushalt und Conservezwecke.
Im Allgemeinen bringt das Jahr 1897 eine stattliche Reihe beachtenswerther Neuerscheinungen, von denen wenigstens die obgenannten nicht wieder vom Schauplatz verschwinden,
sondern für immer ihren Platz mit allen Ehren ausfüllen werden. —
Veriinsehtes.
Was wird aus den Stecknadeln? Die größte Stecknadelfabrik ist in Birmingham in England. Dieselbe fertigt die Kleinigkeit von 37 Millionen Stecknadeln an einem Tage, die übrigen englischen Fabriken schaffen zusammen elf Millionen Nadeln, sodaß die tägliche Production in England allein sich auf circa 56 Millionen Stecknadeln stellt. Die Fabrikation in Frankreich beträgt täglich zwanzig Millionen, und auf Deutschland und die übrigen europäischen Länder entfallen zehn Millionen Stecknadeln; mithin fabricirt man in Europa täglich das niedliche Sümmchen von 86 Millionen Stecknadeln. Bei dem Gedanken an diese Summe steigt uns die Frage auf: Wo bleiben denn alle diese Nadeln? Die wenigsten werden zerbrochen, abgenützt oder verdorben, vielmehr wird der weitaus größte Theil verloren. Es gibt wohl keinen noch so kleinen Gegenstand, der im häuslichen Leben so viel gebraucht wird und mit dem man so viel Verschwendung treibt, wie die Stecknadel, die so klein und unscheinbar ist, daß sich selten Jemand bückt, um sie aufzunehmen. Wenn aber in jedem Haushalt nur wenige verloren gehen, so macht dies schon eine ganz ungeheure Summe aus. Nehmen wir die Bevölkerung Europas auf 240 Millionen Menschen an, dann braucht jeder dritte Mensch täglich eine Stecknadel zu verlieren, um die Summe von 86 Millionen Nadeln zu verbrauchen. Das macht einen Werth von 20000 Mark aus. Die Fabrikation der Stecknadeln geschieht weit schneller als man zählen kann. Die hierzu verwendeten Maschinen zeigen eine staunenswerthe Vollkommenheit. Der Draht wird von der Masch ne in der gewünschten Länge abgeschnitten, jede Nadel bekommt ihren Kopf, wird gespitzt, polirt, abgezählt und reihenweise in Papier gesteckt. Eine solche Maschine macht geradezu den Eindruck, als ob sie Leben habe. Aber wo bleiben sie, alle die Millionen feinen Spiese? Wie kommt es, daß man nicht längst überall „auf Stecknadeln geht?"
Literarisches
s«k«««e Dich Selbst! Gedenkalbum zur Characteristik der Freunde und Freundinnen. Mit 14 Facsimiles namhafter Frauen und Männer der Gegenwart. Aus dem fast jedem Menschen innewohnenden Wunsch und Herzensbedürfniß, die Erinnerungen an liebe Freunde und verehrte Bekannte, die ihm auf seinem Lebensweg begegnet sind, für alle Zeit sestznhalten und in einem Buche zu sammeln, entstand zuerst das Stammbuch und später das Photographiealbum, dessen Bilderrerhr man immer wieder gern betrachtet. Allein mit der rastlos fortschreitenden Zeit haben sich auch unserefAnsprüche gesteigert. Die sentimentalen Verse und weisheitsvollen Sentenzen auf den Stammbuchblättern erscheinen uns fade und veraltet, ja selbst die Bildnisse unserer Freunde allem wollen uns nicht mehr ganz genügen — man möchte, daß sie auch zu uns redeten, man wünschte ihre Gedanken und Ansichten über Dies und Jenes zu hören, einen Funken ihres Geist s um uns leuchten j» sehen! Die sinnige Idee des in unserem Verlage bereits «i vielen Auflagen erschienenen Albums „Erkenne Dich Selbst!" fand daher großen Anklang, da er gleichsam eine Ergänzung zu den Vortr“™ unserer Freunde und Freundinnen bildet, durch deren Antworten am die gestellten Fragen wir eine förmliche Characterskizze, ein in”er;'t’e. Bild von ihnen erhalten, sodaß wir sie besser kennen lernen als stundenlange mündliche Unterhaltungen. Namentlich interessant weroe diese Selbstbekenntnisse, wenn sie von geistig bedeutenden, Hervorrageno und allgemein bekannten Persönlichkeiten herrühren, die F°rnersteyen nicht so leicht einen solchen Einblick in ihre Gedanken und Ansichten g - währen. Vielfachen Wünschen entsprechend haben wir eine Anzahl jom Selbstbekenntnisse in getreuer Wiedergabe der Handschrift als ge p allseitig willkommene Gabe in einem Anhänge beigefügt, und sind über; s > daß der Absatz von „Erkenne Dich Selbst!" in Folge dieser Vermehrung sich noch beträchtlich steigern wird. I. I. Webers Verlag, LeMg.
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