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kam. Für Hanne sorgen. Muß heraus. Muß in andere Wohnung. Wird mir hier krank. Stirbt vielleicht. Ver- sprocheu. Versprochen."
Der Doctor hatte sich von von ihm abgewaudt, während er las. „Wirst Du mir unbequem?" murmelte er jetzt, und sein Mund verzog sich wie der eines Raubthiers, das die Zähne fletscht. Aber es war nichts mehr davon zu sehen, als er jetzt wieder dicht vor den Taubstummen hintrat und zu ihm sprach, indem er mit einem festen und starren Blick ihm in die Augen sah, von dem er wußte, daß er dadurch eine Macht über andere Menschen auszuüben im Stande sei.
„Sie schreiben da von Versprechungen. Haben Sie etwas darüber schriftlich? Sie brauchen mir nicht zu antworten- ich weiß, daß Sie nichts haben. Aber heute sage ich Ihnen dies: Geben Sie sich Mühe. Suchen Sie! Finden Sie die Spur des fortgelaufenen Burschen. Dann soll Alles geschehen, was Sie für Hannchen wünschen."
Der Andere zog in lebhafter Erregung die Schultern in die Höhe und erhob die Hände.
„Sie können, wenn Sie wollen. Sie haben die einzige Spur, verfolgen Sie die. Und wenn Sie mir ausgefunden haben, was ich wissen will, dann soll etwas für das Mädchen geschehen, dann soll es hier heraus, und wir wollen eine große Dame aus ihm machen."
Er brach ab und löste den Blick aus den Augen des Anderen. „Guten Morgen," sagte er dann und wandte sich zum zweiten Male zur Thür. Diesmal ließ der Taubstumme ihn hinausgehen, ohne ihn zurückzuhalten.
Bei der Verheißung, daß aus dem bleichen, geliebten Kinde ein gesundes Mädchen, eine große Dame gemacht werden solle, und unter dem fascinirenden Einfluß der starr auf ihn gerichteten Augen war ein freudiges, glückliches Lächeln auf dem gedunsenen, häßlichen, farblosen Gesichte des Taubstummen erschienen. Es verweilte dort auch noch einen Augenblick, nachdem der Doctor gegangen war. Allmälig aber verschwand es und machte dem Ausdruck eines grimmigen Hasses Platz. Er hob seine Arme und schlug die geballten Fäuste gegeneinander, als könne er seinen Feind dazwischen zermalmen. Dann schüttelte er sie gegen ihn in der Luft, und indem er zugleich mit sich selbst zu reden begann in den unverständlichen, gurgelndn Lauten, die seine Sprache waren und wie das Drohen eines gereizten, zornigen Thieres das Zimmer durchhallten, erschien er in der graublauen Dämmerung des finsteren Raumes wie ein böser, rache- verheißender Dämon.
Seine Hände aber sanken nieder, und sein thierisches Zürnen verstummte, sobald die Thür sich leise wieder öffnete, und Hannchen hereintrat. Er ging auf sie zu, ergriff ihre Hand und streichelte ihr Haar. Daun begannen seine Finger von Neuem zu sprechen.
„Gieb acht, Hannchen, aber sag' es keinem Menschen wieder, was ich Dir heute sage. Hüte Dich vor dem Ma- ne, dem Doctor. Er ist ein schlechter und ein grausamer Mensch. Aber ich bin klüger, als er meint. Was ich nicht höre, das sehe ich. Von den Lippen der Leuten kann ich lesen, auch wenn sie nicht mit mir sprechen. Ich habe Vieles gelesen und weiß Vieles, wovon sie es nicht denken. Und wenn Du groß geworden bist, will ich es Dir sagen."
Er hielt inne, die Erregung, die sich seiner von Neuem bemächtigt hatte, verlor sich. Noch einmal streichelte er ihr das glatte Haar, dann sagte er in seiner Zeichensprache: „Komm, Hannchen, jetzt wollen wir essen."
Wie dort in dem dunklen, höhlenähnlichen Raum der Taubstumme schreibend vor dem Doctor gekniet hatte, so lag am Nachmittag desselben Tages in einem anderen Zimmer ein Mann vor dem anderen auf den Knieen. Dort war es finster gewesen, und hier war es hell, der Knieende aber hatte sein Gesicht an die Schultern des Anderen gepreßt und blickte hilfesuchend zu ihm üuf.
Es war im Giebelstübchen des Herrn Busenius hoch oben im Hause der Schatten. Das Gemach, von der westlichen Außenwand ab hinein gebaut in den unfreundlichen, von Pfosten- und Lattemverk erfüllten dritten Bodenraum, war nur klein, aber das eine Fenster, das sich darin befand, ließ das Licht des Himmels ebenso ungehindert hereinströmen, wie es den Blick hinausschweifen ließ in eine freie und weite Ferne. Kein Haus in der Nachbarschaft reichte heran bis zu der Höhe dieses mächtigen Giebels- tief unten lagen Dächer, Mauern und Gärten. Die Sonne, die sich über den Höhen des Hildesheimer Waldes zur Ruhe niedersenkte, schaute noch voll herein, und ihre Strahlen erfüllten den engen Raum mit einem blassen Licht.
(Fortsetzung folgt.)
Einiges über die beiden Zwergvögel Deutschlands.
(Vortrag in einer Ausschußsitzung des Gießener Thierschutzvereins.)
Goldhähnchen und Zaunkönig heißen die beiden Zwerge unserer einheimischen Vogelwelt, über die ich in nachfolgenden wenigen Zeilen einen kurzen Bericht erstatten will.
Das Goldhähnchen ist das kleinste europäische Vögelchen, denn seine Länge beträgt nur 8V2 Zentimeter, und es ist an seinem feuergelben Scheitel, den es zuweilen wunderschön entfaltet, so leicht zu erkennen, daß mir eine weitere Beschreibung desselben fast als überflüssig erscheint. Doch will ich noch bemerken, daß es oben auf dem Rücken zeisiggrün, unten am Bauche weißgrau, und der.Schwanz und die weißgefleckten Flügel dunkelgrau sind. Dieses äußerst kleine, allerliebste, höchst bewegliche und in hohem Grade nützliche Vögelchen bleibt während des ganzen Winters bei uns in Deutschland, schlägt seine Wohnung gerne in einem Tannenwalde auf, kommt aber im Frühling, im Herbste, namentlich im Winter öfters in Gesellschaft von Meisen, Baumläufern und Kleibern in unsere Gärten, Obst- selder, Anlagen und setzt da seine überaus nutzbringende Thätigkeit, die der Meise gleichkommt, fort. Vom frühen Morgen bis zum dunkelnden Abend umflattert es die Aeste und Zweige der Bäume, spähet eifrigst nach den engsten Spalten und Ritzen derselben und holt da mit seinem schwachen Schnäbelchen die kleinen, höchst schädlichen Insekten, bei en Larven und Eier in einer unzählbaren Menge heiaus. Auch im Gebüsche setzt es seine Jagd auf benanntes Ungeziefer fort, und man darf mit Recht behaupten, daß es Millionen und abermals Millionen schädliches Ungeziefer auS der Welt schafft, was diesem kleinen Thierchen nur dadurch möglich ist, daß es den ganzen Winter hindurch bei uns verweilt und gerade während dieser Zeit auf das emsigste Ablesen der Kerbthierlarven und bergt von der Natur angewiesen ist. Zum Standquartier zieht das Goldhähnchen, wie ichou oben bemerkt, Nadelholzwälder vor, richiet sich jedoch auch in Laubwäldern und in buschigen, baumreichen Anlagen und Gärten heimathlich ein. Das Nest, welches ich in unserem nahen Philosophenwalde gesehen, hing am Ende langer Aeste sorgfältig unter Laub versteckt. Man kann es mit Recht ein künstliches Nest nennen; es ist kugelrund mit Oeffnung nach oben, ziemlich groß, ist aus Moos, Flechten, Gespinnst gewoben und mit Wolle, Haaren und Federn weich und schön ausgepolstert. Die 7 bis 11 gelbröihlichweißen, fast nur erbsengroßen Eier sind mit grauen Punkten überstreut und sie werden von dem Weibchen in 10 bis 12 Tagen ausgebrütet. Die kleinen, niedlichen Dingerchen im Neste sperren stets die hungrigen Schnäblein auf, und da sie nur von schädlichem Jnsektengeschmeiße ernährt werden können, so tragen denselben die unermüdlichen Alten eine große Menge vvn Kerb.hieib.uten zu,


