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Vernachlässigung dieser Regel haben kann, schildert Professor Szokalski Wien an folgendem Fall. „Vor Kurzem," sagt er, „behandelte ich einen jungen Studenten, der über heftigen Schwindel, Kopf- und Augenschmerzen klagte, so oft er sich seiner Brille bediente, was mich um so mehr wunderte, da ich ihm selber die Gläser ausgewählt hatte und ganz bestimmt wußte, daß sie vollkommen seiner Sehweite ange messen waren. Nach einer genauen Untersuchung seiner Brille zeigte sich bald, daß die Gläser zu weit voneinander standen- als ich sie zweckmäßiger einsetzen ließ, hörten alle Beschwerden augenblicklich auf." Namentlich beim Kneifer findet sich dieser Fehler am häufigsten, da sich die Entfernung der Gläser von eiander stets ändert, je nachdem man ihn nur oberflächlich auf die Nase setzt oder tiefer herunterdrückt. Dazu kommt noch das häufige Schiefstehen der Kneifer, wodurch leicht ein besonderer Augenfehler, Astigmatismus, erzeugt wird.
Die Kurzsichtigen, welche schon in früher Jugend bei Weitem die Mehrzahl aller Augenleidenden bilden, dürfen namentlich nie ohne vorherige ärztliche Untersuchung sich fine Brille anschaffen, weil durch falsch gewählte Gläser ihre Kürzst btigkeit schnell schlimmer wird. Sind die Gläser zu schwach, dann genießen die Patienten nicht den ganzen Vortheil, welchen eine dem Zweck entsprechende Brille ihnen bieten soll, und das schädliche, ermüdende Bestreben, durch Kneifen der Augenlider oder Verengerung der Augenlidspalte besser zu sehen, bleibt wie vorher bestehen,- auch übt das Auge sich leichter in genauer Wahrnehmung und Beurtheilung, wenn die Netzhaut fortwährend klare, scharfe Bilder empfängt. Sind die Gläser zu stark, dann ist der Nachtheil noch viel größer. Durch die übermäßige Anspannung der Augenmuskeln entsteht zunächst heftiger Krampf derselben und später schnell zunehmende Kurzsichtigkeit. Oft ist es überhaupt nicht gleich nöthig, daß Kurzsichtige Brillen tragen. Denn ist das Leiden erst im Entstehen begriffen, so kann cs häufig durch Vermeiden jeglicher Anstrengung des Auges und durch längere Ruhe wieder ganz beseitigt werden. In anderen Fällen wiederum genügt es vollkommen, nur beim Lesen, Schreiben, Arbeiten die Brille zu benutzen, sonst aber die Augen in ihrem natürlichen, ruhenden Zustand zu belassen. Alles dies kann eben nur der Arzt richtig vorschreiben, wie er es bei anderen Krankheiten z. B. mit der Diät thut.
Die Augenhhgiene für weitsichttge Brillenträger ist ungefähr die gleiche wie die geschilderte für kurzsichtige. Diese sind besonders vor Lorgnetten und Nasenzwickern zu warnen, denn beim Lesen, Schreiben und dergleichen ist eine regelrechte und stets gleichmäßige S-ellung der Gläser vor den Augen von viel wirksamerem Einfluß, als wenn Kurzsichtige entfernte Gegenstände betrachten. Für diese Patienten ist es aber nicht genug, passende Brillen zu wählen, sondern sie müssen sie auch von Zeit zu Zeit nach den Bedürfnissen des Auges verändern, wenn die Weitsichtigkeit zunimmt, was in vorgerücktem Alter meist geschieht. Die Gläser dürfen dann nur sehr langsam verstärkt werden, weil sonst bald alle Nummern erschöpft sind und eine große Ueberreizung der Augen stattfindet, welche sehr oft mit Erblindung endigt. Beim Augenarzt finden sich fall täglich weitsichtige Personen ein, deren Augen durch den anhaltenden Gebrauch zu scharfer Brillen angegriffen sind. Im Beginn der Krankheit genügt dann meist zu deren Beseitiguitg Ruhe, längeres Ablegen jeder Brille und Umschläge mit kaltem Wasser auf Stirn und Augen. Bedient man sich aber weiter der unzweckmäßigen Brillen, so tritt in der Regel auch bei nur seltener Benutzung fast vollständige Erblindung ein. Dies ist wohl auch die Ursache, weshalb ältere Landleute verhältnißmäßig oft ganz oder saft ganz erblinden. Mau weiß, mit welcher Sorglosigkeit diese in der Auswahl ihrer Brillen zu Werke gehen und daß, wenn sie im späteren Alter weitsichtig werden, sie sich derjenigen Gläser bedienen, die sie als Erbschaft von ihren Großeltern erhielten.
Die Grundregel für alle Brilleneandidaten lautet also: Zunächst den Arzt zu Rathe ziehen! Gut gewählte Brillen wirken auf das Auge Vortheilhaft, indem sie dasselbe aus sein normales Verhältniß zurückführen, unpassende und schlecht gewählte dagegen sind für dasselbe höchst nachtheilig und schädlich, indem sie das liebel verschlimmern und meist noch ein bleibendes Augenleiden herbefführen. Es ist eine traurige Erscheinung der heutigen Welt, daß durch Erziehung, Gewohnheit und durch den lächerlichen Geist der Nachahmung mehr als ein Zehntel der Bewohner unserer großen Städte bewogen wird, sich der Brillen zu bedienen und was noch schlimmer ist, es scheint, daß diese Zahl sich immer noch vermehrt, besonders unter der Jngend. Professor Dr. Hermann Cohn fand in Breslau unter den 10,060 Schülern 1007 Kurzsichtige, von denen 107, also zehn Procent, Brillen trugen; aber nur acht Brillen waren von Aerzten verordnet, die übrigen 99 von den Schülern nach Gutdünken gekauft. Zwei hatten sich sogar schärfere Brillen, als ihnen verordnet, angeschafft. Etliche wieder halten sich aus reiner Eitelkeit Lorgnons gekauft; noch andere nahmen schärfere Gläser als sie brauchten, weil ihre Mitschüler, die höhere Grade von Kurzsichtigkeit besaßen, sie wegen der schwachen Gläser verhöhnten. Das sind doch wahrlich traurige und beschämende Verhältnisse! Traurig für die ihre Augen muthwillig ruinirenben Schüler, beschämend für die achtlosen Eltern. Aber auch die Schulbehörden sollten anordnen, daß kein Schüler ohne ärztliche Anweisung eine Brille tragen dürfe. Das Augenlicht ist doch ein zu kostbares Gut, als daß man damit seinen kindischen Scherz treiben oder seine Eitelkeit damit befriedigen sollte. Schiller nennt es eine „edle Himmelsgabe" und der Altmeister der Augenheilkunde, Albrecht von Gräfe, sagt: „Das Auge ist das Organ, welches für die Nahrung unseres Geistes, für die Begründung unserer Weltanschauung und für die Beziehungen der Menschen unter sich einen Einfluß übt, über dessen Umfang sich der in ungeschmälertem Besitz Stehende kaum volle Rechenschaft zu geben vermag. Redner haben das Auge gepriesen, Dichter haben es besungen, aber der volle Werth desselben ist versenkt in das stumme Sehnen Derer, die es einst besessen und dann verloren haben."
G-inernnützigcs.
Das Bitterwerden der Gurken ist eine Unart, die gerade den feinsten und wohlschmeckendsten Gurkensorten am leichtesten anhaftet. Noch kennt man den Grund des Bitterwerdens nicht. Höchst interessant ist, was der unermüdliche Vorkämpfer auf allen Gebieten praetischen Gartenbaues, Freiherr v. Schilling in Friedrichshafen am Bodensee, in der neuesten Nummer des „Praetischen Rathgebers" über die „Bitterniß" sagt. Vor Allem theilt er am Schluß mit, wie es ihm zu seinem eigenen Erstaunen gelungen ist, aus zwei ihm übersandten total bitteren Prachtgurken der Treibsorte „Delicateß-Sechswochen" den Bitterstoff auszuziehen, nachdem er gefunden, daß dieser Bitterstoff nicht im eigentlichen Zellkörper des Gurkenfleisches, sondern nur im Safte sitzt. Gurkenzüchter und Hausfrauen, denen bittere Gurken schon Kopfzerbrechen gemacht haben, mögen sich die Nummer des „Praetischen Rathgebers" kommen lassen, sie wird gern umsonst verschickt von dem Geschäftsamt in Frankfurt a. O.
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Tomatpn-Omelettcn. Vier reife Tomaten taucht man schnell in heißes Wasser, zieht ihnen das Häutchen ab und streicht sie durch ein Sieb. An das Püree giebt man drei Kochlöffel Mehl, drei ganze Eftr und eine halbe Obertasse süße Milch, rührt es mit dem nöthigen Salz an und bäckt von dem Teige Omeletten in beliebiger Stärke.
Redactisn; ®, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen-


