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ich auch einen schwarzen Panther zugesellt hatte, immer neue Trics. Jllustrirte Zeitungen brachten mein Bild. Ich wurde mit einem Schlage als Thierbändiger ein berühmter Mann. Und das zu meinem Unglück, Herr Doctor, erweckte die Eifersucht meiner Frau. Das größte Unglück für einen Künstler ist eine auf die Berühmtheit ihres Mannes eifersüchtige Frau. Consuela verdarb mir gründlich durch ihre eifersüchtelnden Bemerkungen die gute Laune. Sie spornte mich zu den größten Tollkühnheiten an, und sie verfolgte mich harknäckig mit der Bitte, ihr doch wieder das Auftreten zu gestatten, eine Bitte, die ich kurzer Hand ablehnte. Sie schmollte, machte mir Scenen und das Leben zu Hause unerträglich. Zuguterletzt setzte sie ihrem seltsamen Betragen damit die Krone aus, daß sie, während ich in der Manege arbeitete, mit Anderen kokettirte. Ich that, als bemerkte ich nichts, aber damals erduldete ich Höllenqualen. Ich glaube, schon damals haßte sie mich,- ich bemerkte es an ihrem Betragen, an ihrer Kälte, an ihren Blicken. Und ich liebte sie heiß und innig. Ich bin einmal Gefühlsmensch und habe im Sturm und im Drange der Ereignisse nicht gelernt, Gefühl und Temperament über Bord zu werfen und nichts als denkender, überlegender Mensch zu sein. Anfänglich machte ich Consuela Vorstellungen, sie schwieg, zuckte die Schultern mokant oder lachte mich spöttisch aus. Und dabei immer der kalte, herzlose, liebeleere Blick, der mir wie tausend Messer die Seele zerschnitt. Ich hoffte von einer Aufenthaltsveränderung Alles und nahm deshalb ein Engagement nach Paris an trotz der Gefahr, dort von einem meiner Verwandten erkannt und in der ganzen Familie geächtet zu werden. Ich sah mich getäuscht- dasselbe seelcn- zermalmende Spiel wie in Brüssel auch in Paris, nur mit dem Unterschied, daß dort die Gefahr für meine Ehre eine noch größere war, ich befürchtete es wenigstens, denn man kannte dort meine Frau von ihrem früheren Auftreten her. Mein Mißtrauen ging vielleicht zu weit, ich gebe es heute zu, aber es war einmal geweckt, und es geschah nichts, mir meine Ruhe und mein Vertrauen wiederzugeben. So wurden wir denn uns immer fremder und fremder,- ich wußte nicht mehr, ob ich ein Weib hatte oder nicht. Als ich einmal, krank vor Sehnsucht nach Versöhnung, nach einer versöhnenden Aussprache ihr Zimmer aufsuchte — wir bewohnten ein großes Appartement — fand ich es verschlossen. Nun erwachte in mir der Trotz, ich ließ ihr die volle Freiheit des Handelns, um desto eifersüchtiger über sie zu wachen. Ich fing an, ihre Briefe zu unterschlagen, und bei diesem wenig ehrenvollen, nur durch die blinde, grenzenlose Eifer sucht, die in mir gährte, entschuldbaren Handwerk fiel mir einmal ein Billet doux eines vornehmen Parisers in die Hände, von dem sie mir in unserer glücklichen Zeit gesagt hatte, daß er sie mit Anträgen verfolgt habe. Dies machte mich rasend,- ich stellte sie zur Rede, und als sie mir eine schnippische Antwort gab, war es aus mit meiner Vernunft und meiner Würde. Ich würgte sie mit diesen beiden Händen zu Boden, und ich hätte sie erdrosselt, wenn unsere Bonne mich nicht zurückgehalten hätte. Wie sie sich befreit fühlte, flüchtete sie in eine Ecke, in der sie erschauernd niederkauerte und mich mit haßerfüllten Blicken maß. Wochenlang sprach sie kein Wort zu mir. Sie speiste in ihrem Zimmer, ich in dem meinen. Es war ein Leben zum Morden schön. Ich sah sie oft tagelang nicht, nur erfuhr ich, daß sie sich mit den Thieren eifrig beschäftige. In meinem Schuldbewußtsein war ich dessen froh, denn ich glaubte noch an eine Versöhnung und war entschlossen, sie herbeizuführen. Deshalb störte ich sie nicht in dem, was ihrer Neigung entsprach, in ihrer Liebe zu den Thieren. So ging es Wochen, ja Monate lang. Einmal überraschte ich sie, von ihr unbemerkt, am Käfige der Thiere. Ich hörte, wie sie dem Panther pfiff- es war derselbe Pfiff, merken Sie wohl auf, Herr Rechtsanwalt, den Sie an dem Unglücksabend von mir hörten; genau derselbe kurze, scharfe Pfiff. Ich sah wohl, wie darauf hin der Panther mit allen Zeichen
der Wuth angriffslustig meinem Weibe zu gegen das Gitter sprang. Das fiel mir auf - jedoch dachte ich an nichts Böses, sondern glaubte an einen neuen Tric, in dem sich meine Frau als leidenschaftliche Thierbändigerin hier versuche. Was dachte damals meine Seele an Mord! Und Mord war es, wie ich Ihnen beweisen werde, brutaler, hinterlistiger, überlegter Mord. Ich merkte mir den Pfiff und zog mich, von ihr ungesehen, zurück. Als sie die Thiere verlassen hatte, schritt ich an den Käfig heran und gebrauchte denselben Pfiff. Kaum hörte dies der Panther, als er wuthbrüllend und fauchend gegen mich sprang. Sie mußte etwas vergessen oder gehört haben, daß ich im Circus sei, denn sie kam zurück, und als sie mich den Pfiff probiren hörte, lachte sie laut auf und meinte: „Monsieur probirt meine Trics." Ich antwortete ceremoniell: „Ich wäre Madame sehr dankbar, wenn Sie mir die Ehre geben würde, mich bei einer Flasche Weines in die Geheimnisse dieses Trics einzuweihen." Si- sagte unter der Bedingung zu, daß ich zu diesem Tete-ä-t6te den Director und dessen Frau hinzuziehen würde. Ich ermöglichte dieses, und so speiste ich denn nach genau acht Wochen zum ersten Mal wieder mit meiner Frau. Wir kamen uns wie Fremde vor, und Jeder von uns hatte das Gefühl, daß er Comödie spiele. Auf dem Heimwege versuchte ich eine Aussprache. Consuela hörte mich schweigend an, doch als ich sie meiner Rohheit wegen um Verzeihung bat, da leuchtete der alte Zorn aus ihren Augen, und mit bebender Stimme sagte sie: „Ich kann nicht lieben und verzeihen, wo ich noch glühend hasse. Sie wissen nicht, was ich erduldet, was Sie mir thaten. Früher sah ich einmal, wie ein verrohter Clown sein Weib bestialisch prügelte. Als ich dies sah, sühlte ich mich in meiner Frauenehre mitbeleidigt, und damals schwur ich, excentrisch wie ich einmal bin, den Mann zu morden, der mir gleiche Schmach zufügen würde. Lassen Sie mich, noch schmerzt die Wunde, die Sie meinem Stolze und meiner Ehre schlugen, und wenn Sie mich nicht wahnsinnig machen wollen, Don Alonso, so sprechen Sie nicht mehr davon, erinnern Sie mich nicht mehr daran. Noch bin ich nicht erbärmlich genug, um zu vergessen." Ich antwortete erregt, daß ich den Tod einer solchen Ehe vorziehen würde. Sie hatte keine Erwiderung darauf. Und dies trotzige, verletzende Schweigen erbitterte mich so sehr, daß ich ihr die Trennung unserer Ehe vorschlug. Ich sah an ihrem Erbleichen, an ihrem Erschauern, daß ich ihrem Stolz die zweite tödtliche Wunde geschlagen habe. Mich reute das schnelle, verletzende Wort, aber es war zu spät. Consuela winkte einem vorüberfahrenden Fiaker und stieg, sich stolz mit kaum merklichem Kopfneigen von mir verabschiedend, in das Coups. Ich schritt wie ein Trunkener, Alles um mich her vergessend, davon, in ein Weinrestaurant hinein, in dem ich eine mir bekannte lnstige Gesellschaft wußte, und betrank mich. Und das ging so einige Wochen Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ich kam stets in der Frühe nach Hause. Ich verachtete mich selbst und ich ahnte, daß auch sie es that. Eines Morgens ging ich noch halb angetrunken in den Käfig, in meiner Verbitterung brutalisirte ich die Bestien. In diesem Augenblick war mir, als erschiene mir meine Frau im Dunkel des Manögeganges mit haßerfülltem, entstelltem Antlitz, und statt der schwarzen Locken trug sie den Haarschmuck der Gorgone, zischelnde Schlangen. War es Wirklichkeit, war es visionär — entsetzt starrte ich die Erscheinung an und verlor dabei die Macht über die mich fletschend umgebenden Bestien. Da ertönte, ich weiß es noch wie heute, ich könnte darauf schwören, jener entsetzliche, scharfe, fast zischelnde Pfiff. Und in mächtigem Satz sprang mich der Panther von der Seite an, sein furchtbares Gebiß mir in Arm und Schulter schlagend. Brüllend umkreisten mich die anderen Thiere. Mit übermenschlicher Kraft, und ich bin ein Riese an Muskelkraft, preßte ich der wahnsinnigen Schmerzen ungeachtet die zierliche, glatte Bestie an das Gitterwerk des Käfigs und drückte ihr mit der rechten Faust, sie hing an meiner linken Seite, die Gurgel zu. Mein Wärter-


