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Segen bitte. Der Herzog sandte mir den Brief mit der Randbemerkung zurück, ich müsse mich irren, er kenne keinen Melio, der eine Circusdame heirathe. Es war aus zwischen uns, das war mir klar. Die Zinsen meines mütterlichen Vermögens, das festgelegt war, betrugen kaum 200 Francs monatlich. Sie waren mir bisher ein angenehmer Zuschuß zu dem Wechsel meines Vaters. Ich sah mich auch finanziell aus allen meinen Himmeln gestürzt. Was nun? Als Ehe­mann studiren, das behagte mir nicht, und Consuela, deren Beruf sie wie eine Zigeuerin von Stadt zu Stadt hetzte, des Studirens wegen allein lassen, hätte ich nicht ertragen. Da half wieder mein biederer Schwiegervater.Ich habe mit Löwen gekämpft," rief er aus,weshalb soll ich den Kampf mit Herzögen nicht wagen. Das Nadelgeld Deiner Frau wird Euch eine Position in der Gesellschaft sichern, um die Euch ein sechsfacher Grande beneidet." So bin ich denn der Mann meiner Frau!" sagte ich resignirt. Der Alte gab mir darauf das gute deutsche Wort:Quatsch!" zur Antwort. Ich mußte laut auflachen, dasQuatsch" kam so drollig heraus.Sie werden bemerkt haben, Herr Rechtsanmalt, unterbrach sich jetzt mein Client,daß ich deutsch spreche, so gut wie ein geborener Deutscher. Meine verstorbene Mutter war nämlich eine Deutsche, die mein Vater kennen lernte, als er in spanischen diplomatischen Diensten in einer mitteldeutschen Residenzstadt thätig war."

Ich machte Don Alonso eine dankende Verbeugung.

Sie können sich denken," fuhr er fort,daß die humoristische Auffassung meines Schwiegervaters über die veränderte Sachlage mir wesentlich das Prekäre meiner peinlichen Situation erleichterte. Ich konnte nicht zurück, also vorwärts, vorwärts. Ich brach alle Brücken hinter mir ab. Eine neue Sonne leuchtete mir am Firmament, strahlend schön und verheißungsvoll. Consuela ward mein Weib. Da sie Spanien, Frankreich und Italien zur Genüge kannte, hatten wir beschlossen, dem Heimathslande meiner verstorbenen Mutter, Deutschland, unsere Hochzeitsreise zu widmen. Am Tage unserer Hochzeitsreise hatte mir mein Schwiegervater die inhaltsschwere Mittheilung gemacht, Consuelas Mutter sei ihm eine pflichtvergessene Gattin ge­wesen. Sie habe ihn und das unschuldige Kind betrogen, betrogen mit einem armseligen Gaukler. Er habe sich von ihr scheiden lassen, und dann sei sie verdorben, gestorben. Ich halte es für meine Pflicht, Dir dies nicht vorzuent­halten," schloß der Brave,aber verschone sie mit dieser Nachricht/ sie weiß es nicht und liebt ihre tobte Mutter, die sie im Himmel wähnt. Es würde sie tödten." Ich versprach es ihm. Damals war ich nicht der Jbsenianer, der ich heute bin, Herr Rechtsanwalt. Heute hat mich der Fluch der Vererbungswahrheit vernichtet, zum Mörder ge­macht. Ich beruhigte also meinen Schwiegervater, und wir reisten ab nach Norderney, nach Helgoland, nach Hamburg, wo wir längere Rast machten. Consuela interessirte der Zoologische Garten" und die Dressurmethode in Hagenbecks Circus. Ich mußte gestehen, auch ich interessirte mich dafür. Der zukünftige Beruf begann sich bereits in mir zu regen. Sie wissen ja, Weibes Stimme ist Gottes Stimme. Fragen Sie jeden ehrbaren Kaufmann, der eine Schauspielerin ge- heirathet hat, und er wird Ihnen erzählen, wie man sich schminkt und wie man beim Schminken intriguirt. Es ist einmal so Weltenlauf. Zudem wußte ich nicht, wie meine Zukunft, meine Kraft ausnützen. Ich dachte zuerst ans Schriftstellern. Mein Gott, warum das große Heer der Führerlosen vermehren, weshalb sich selbst die Märthrerkrone des Schönen auf's Haupt setzen und mit dem Bettelstab nach dem Lorbeer schlagen? Ich hatte an meinen Freunden, talentvollen Burschen, ebensoviele abschreckende Beispiele. Ich warf den Gedanken von mir. Ich war oftmals unzu­frieden mit mir selbst, aber Consuela verscheuchte die Wolken von meiner Stirne. Einmal küßte sie mich lange und innig, wie nur sie küssen konnte, dann meinte sie ganz ernst: Wenn das Pascha sehen würde, er würde dich vor Eifer­

sucht zerreißen, Alonso."Wer ist Pascha?" meinte ich zerstreut.Du kennst Pascha nicht?" rief sie entrüstet, Pascha, meinen Lieblingslöwen?" Ich mußte thatsächlich auf den Knien um Verzeihung bitten und ich thats. Ich gestehe, manchmal machte mich diese Affenliebe Consuelas zu ihren Thieren gründlich eifersüchtig. Dann lachte sie mich aus. Einmal, wir verweilten im idyllisch gelegenen Fährhaus zu Blankenese rund um uns herum in der Veranda saßen ein Dutzend junger Hamburger Dandys, die mit der Ungenirtheit deutscher Weltstädter meine Frau fixirten bekam ich einen ähnlichen Eifersuchtsanfall, der ihr zum ersten Male in unserer Ehe Thränen erpreßte.Du bist wirklich eifersüchtig auf meine Thiere," grollte sie,gut, ich will dich lehren, was Eifersucht ist." Und sie fing an mit den Lasten um uns herum zu kokettsten. Ich biß mir die Lippen blutig, ich hätte sie damals erdrosseln können. Er­drosseln, Herr Rechtsanwalt, ich erwähne das, weil Sie mir hier Beichtvater unö Freund sind, der über mich zu Gericht sitzen soll. Und ich spreche die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe. Ich muß kreideweiß ausgesehen haben, als ich brüsk mich erhob und den Saal verließ. Consuela eilte mir nach und beruhigte mich unter Weinen und Lachen.Du guter, eifersüchtiger Bär," rief sie ein über das andere Mal. Wie kannst Du nur glauben, daß Dich ich im Ernste er­zürnen wollte." Ich konnte nicht widerstehen, wir ver­söhnten uns und ich Dummkopf gab ihr überdies noch das feierliche Versprechen, niemals wieder auf ihre Löwen eifer­süchtig zu sein. Die Versöhnung besiegelten wir mit einer Flasche ausgezeichneten Weines. Wir fuhren dann Abends mit einem Dampfer zurück. Im Hotel überreichte mir der Portier eine Depesche. Ich erbrach dieselbe. Sie war vom Direetor des Circus S. und enthielt die inhaltsschweren Worte:Sofort kommen, großes Unglück, S."Das be­trifft den Vater," sagte Consuela mit erstickender Stimme. Wir reisten mit dem nächsten Blitzzug ab. Als wir, der Circus war inzwischen nach Brüssel übergesiedeit, dort an­kamen, wurde uns das Unglück in seiner ganzen Größe be­kannt. Der schwarze Panther hatte Consuelas Vater während der Vorstellung angerissen und zum Tode verwundet. Wir eilten an das Schmerzenslager eines Sterbenden.Er ist verloren," raunte mir der Chefarzt zu,es geht mit ihm zu Ende. Gut, daß Sie kommen." Ein freudiges Lächeln huschte über die leidenden Züge des Sterbenden, als er uns erkannte. Consuela sank weinend am Schmerzenslager des Vaters nieder.Gut, daß Ihr gekommen seid," flüsterte der Unglückliche,ich fühle, es geht mit mir zu Ende. Sorge für die Thiere, verschleudere sie nicht, Consuela, sie sind werthvoll. Der Panther ist tobt, bie Bestie hat es mir angethan. Das Anbere weiß mein Notar, ber Doctor kennt ihn . . . Ich habe für Euch gesorgt, sorge für mein Kinb, Alonso, unb hüte sie tote Dich selbst. Verkaufe bie Thiere nicht, Consuela, laß sie üben, sonst werben sie faul . . . faul . . . unb träge . . . unb taugen nichts mehr .. ." Ein Röcheln, unb der Aermste hatte ausgelitten."

Don Alonso reichte mir die Hand mit den Worten: Für heute genug, lieber Doctor. Der Cerberus winkt," er deutete wehmüthig auf den eintretenben Gefängnißwärter, ber mir respectvoll ein Zeichen gab, baß meine Zeit um sei.

Also auf morgen, lieber Freund," meinte ich, bent Gefangenen warm bie Hanb brückenb unb wehmuthsvoll verließ ich bie öbe Zelle.

(Schluß folgt.)

Kaiser Wilhelm und die schöne Rostockerin.

(Schluß.)

Pünktlich wie immer war bie Abfahrt bes Königs er­folgt, jetzt näherte sich ber Wagen, in welchem er an der Seite bes Großherzogs saß, langsam. Die Herren lüfteten ehrfurchtsvoll bie Hüte, die Damen schwenkten Taschentücher,-