1897.

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Hasst Ihr Gutes, o, so thut es Um die That, nicht um den Lohn, Und seid unbesorgten Muthes, Was wohl sagt die Welt davon! W.

Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kohlrausch.

(Fortsetzung.)

Frau Ina stand, von der Erregung der letzten Stunde beinahe gelähmt, einen Augenblick schweigend. Dann aber faltete sie den Zettel, den sie wie ein kostbares Kleinod noch immer fest in der Hand gehalten hatte, auseinander, und ein einziger Blick auf das rettende Vermächtniß ihres ge­storbenen Mannes brachte ein heißes, freudiges Leben in ihre Adern zurück.

Das war eine schwere Stunde," sagte sie zu Fräulein Tietjens, die ihr gegenüber stehen geblieben war,aber sie hat mir zugleich das Beste gebracht, was das Leben mir bringen konnte. Wenn ich doch heute auch andere Menschen so recht, recht glücklich wüßte! Sie sind mir vorhin zu Hilfe gekommen, womit kann ich Ihnen danken, womit kann ich Ihnen eine Freude machen?"

Sie haben mir heute schon eine große Freude gemacht. Ich danke Ihnen dafür." Fräulein Tietjens sagte es lang­sam, mit eigentümlichem Nachdruck. Dann wandte sie sich ab und ging mit ruhigen Schritten hinaus.

Frau Henninger aber eilte zu der schwarzen (Steigere, bon der sie Georgs Photographie herabnahm, um sie vor sich auf den Tisch zu stellen. Den Zettel breitete sie davor aus, warf sich auf die Kniee und küßte zwischen Lachen und Weinen zuerst das Bild und dann das Papier.Du mußt es lesen, siehst du," flüsterte sie.Da liegt unser Glück ja vor dir, und jetzt, nicht wahr, jetzt läßt du mich nicht mehr lange allein?"

Zwölftes Capitel.

Frau Inas erster Gedanke war es gewesen, sofort an Georg zu telegraphiren, aber bald fühlte sie die Schwierig­keit, in kurzen Worten die Fülle des Geschehenen wiederzu- gebeu. Auch klang ihr jede Depesche, die sie entwarf, zu kurz und zu kalt gegenüber der Wonne, die sie erfüllte. So

verzichtete sie auf das Telegramm, predigte sich selbst Ge­duld und setzte sich nieder, um in einem langen, von Jubel und Hoffnungsklang widerhallenden Briefe dem Geliebten zu melden, was ihr Geschick so wunderbar verwandelt hatte. Sie sagte ihm Alles, verbarg ihm nichts; dem Manne gegen­über, dem sie gehörte mit ihrer ganzen Seele, kannte sie kein Geheimniß und kein Verschweigen.

Sie wußte von ihrer eigenen Reise her, daß ein Brief nach Mentone zwei bis drei Tage gebrauchte, und daß sie vor dem dritten Abend keine Antwort erhalten konnte. Diese Antwort hatte sie sich telegraphisch erbeten/ für sie bedurfte es keiner langen Auseinandersetzung, und wenn das Tele­gramm nur die vier Worte enthielt:Ich komme zu Dir," so war damit ihr Glück besiegelt und bekrönt. Aber nun hieß es warten, die Stunden zählen, das allmälige Vorüber­gleiten der Sonnenstrahlen auf dem Fußboden verfolgen, bis sie dann erloschen, und langsam die freudig begrüßte Dunkelheit kam, die verkündete, daß ein Tag quälender Sehnsucht dahin sei. Wie schwer war es, mit dem Gefühl solch' hoffnungsloser Seligkeit im Herzen ruhig dazusitzen, die Nadel zu führen, oder mit glühendem Stift braune Bilder auf weißes Holz zu zaubern! Und doch, obwohl sie wußte, daß eine Nachricht vor der bestimmten Zeit unmöglich zu ihr gelangen konnte, wagte Frau Ina es nicht, das Haus zu verlassen. Es war ihr, als halte sie damit die Botschaft auf, die sie ersehnte, als könne durch irgend ein freundliches Wunder der Zwischenraum zwischen ihr und dem Geliebten verringert werden, als müßten ihre sehnsuchtsvollen Gedanken den Zug beflügeln, der ihren Brief hinuntertrug an die schöne Küste des blauen Meeres.

Und wirklich: indirect^ seltsam und überraschend kam ihr in diesen Tagen des Wartens eine Nachricht von Georg, von ihm und für ihn zugleich. Der Postbote erschien mit eingeschriebenem Packet, wie ein starkes Buch in Quartform anzuschauen und an sie adressirt. Als sie es öffnete, lagen zwei Briefe obenauf, der eine für sie, der andere für den Geliebten bestimmt/ auf beiden aber stand die Firma einer großen, deutschen Verlags-Anstalt, die sie als Eigenthümerin verschiedener Zeitschriften oft hatte nennen hören. Bevor sie das mit Papier noch einmal umhüllte Packet weiter unter­suchte, las sie den Brief, der ihren Namen trug.

Sehr geehrte, gnädige Frau!

Wir müssen Sie freundlichst um eine Gefälligkeit bitten, da der Verfasser des beifolgenden Romans uns nur Ihre Adresse, nicht aber die {einige angegeben hat. Der be­treffende Herr sandte uns das Manuskript vor Kurzem in