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Thür öffnen, muß mit uns reden sie ist in Verzweiflung, sie wird sich ein Leid anthun."

Gerechter Himmel! Was ist denn vorgefallen?" rief die alte Hopkins.

Es fand eine Unterbrechung der Ceremonie statt. Godfrey Greylock fiel tobt nieder. Sagen Sie den Dienst­boten, daß sie das Hochzeitsfrühstück wegräumen, und sich auf den Empfang der Leiche ihres Herrn vorbereiten sollen." Mit diesen Worten flog Polly die Treppe hinauf und pochte leise an Ethels Thür.

Oeffnen Sie, meine Freundin, Miß Greylock!" bat sie mit zitternder Stimme- sie wagte es nicht, sie abermals Schwester" zu nennen.

Kein Laut ließ sich von innen vernehmen.

Bitterlich weinend rief Polly:Muth, meine theure Miß Greylock! Sie werden nicht verstoßen oder verlassen sein. Es ist ja nicht Ihr Werk Sie wenigstens sind unschuldig. Oeffnen Sie einer Freundin, welche sie liebt, die Thür!"

Oh Gott! Sollte sie ihrem Leben ein Ende gemacht haben?" rief die alte Hopkins besorgt.Ich habe schon von solchen Dingen gehört. Hier ist ein Glas Wein für Sie, Miß Greylock sie müssen schwach und erschöpft sein. Oeffnen Sie der alten Hopkins die Thür!"

Sie lauschten, doch keine Antwort, keine Bewegung war zu vernehmen. Die Thür war fest verschlossen, und eine tödtliche Stille herrschte in dem Zimmer.

Plötzlich vernahm sie Fußtritte hinter sich. Polly wandte sich um und erblickte Sir Gervase Greylock- sie warf ihm eilten vorwurfsvollen Blick zu, allein keine Be­wegung seines Gesichtes verrieth, was in ihm vorging.

Wo ist sie?" fragte er.

Die Haushälterin deutete auf die Thür und sagte: Da drinnen, Sir. Sie will aber weder antworten, noch ausmachen. Ich fürchte, sie hat sich ein Leid angethan."

Der Baronet rüttelte heftig an der Thür und rief: Mache auf, Ethel!"

Sie blieb inbeffen gegen seine Stimme ebenso taub, wie gegen die Stimme der Anderen.

Deine Freunde sind hier, Ethel komm heraus!" rief er.

Sie kam nicht und antwortete auch nicht.

Das geht nicht mit rechten Dingen zu," sagte der Barouet.Treten Sie bei Seite!"

Polly und die alte Hopkins gehorchten, worauf Sir Gervase die Schulter gegen die Thür stemmte und dieselbe aus ihren Angeln hob. Die Drei eilten nun in Ethels Zimmer.

Die Wmtersonne schien durch die Fenster in das Gemach hinein. Auf dem Boden lagen das prächtige Atlaskleid, der Brautschleier und die Orangenblüthen die gesammte Trauungstoilette, wie die Trägerin sie in wilder Hast von sich geworfen hatte. Das Zimmer selbst aber war leer. Eine andere Thür, die nach einem Ankleidezimmer und nach Pamelas Gemächern führte, stand weit offen, wie um den Weg anzndeuleu, den die Flüchtige eingeschlagen hatte. Die Drei liefen hin und her, suchten, riefen ihren Namen, allein Ethel blieb verschwunden. (Fortsetzung folgt.)

Die Dienstmädchenfrage

in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.*)

Es kann wohl ohne Uebertreibung gesagt werden, daß dieses Thema, die Dienstmädchenfrage, ein geradezu uner­

*) Wir entnehmen diesen interessanten Artikel mit Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart dem soeben erschienenen ersten Heft des neuen Jahrgangs der weltbekannten Familien- ZeitschriftJllustrirte Welt", die wir hiermit allen unfern verehrten Lesern bestens empfehlen möchten. Das brillant ausgestattete Heft sendet jede Buchhandlung auf Verlangen zur Ansicht ins Haus.

Die Redaction.

schöpflicher Gegenstand des Gespräches und der Erörterung ist, von einem Ende unseres Landes bis zum andern, vom Atlantischen Ocean bis zum Stillen Meere. Mit den männ­lichen Dienstboten, welche in einem Haushalt augestellt werden, Gärtner, Kutscher, Hausdiener, lassen sich, wie es scheint, die gegenseitigen Ansprüche, die Begriffe über deren Rechte und Pflichten viel leichter ordnen als mit den weiblichen. Freilich sind die erstgenannten auch in viel geringerer Zahl vorhanden, und dann wohnen sie meistens nicht im Hause, und ihre Arbeitsstunden haben eine gewisse Grenze. Es ist schon oft behauptet worden, daß auch in der Dieitstmädcheufrage nicht eher eine Lösung sowie Ruhe und Frieden eintreten würde, bis auch diese bei ihren Verwandten oder in einem andern Logis wohnen und so die übermäßig langen Arbeitsstunden abgeschafft werden könnten, während sie die Abende gewiß lieber bei Verwandten oder Freunden zubringen möchten als in der Einsamkeit und Einförmigkeit ihrer Küche. In manchen Gegenden von Südamerika gibt es bereits solche Einrichtungen, wie man uns erzählt. Köchinnen und Haus­mädchen bestehen dort darauf, daß sie spätestens gegen acht Uhr Abends zu ihren Familien gehen können und vor sieben oder acht Uhr Morgens nicht wieder zu kommen brauchen. Es wird deßhalb in manchen Häusern eine Scheibe ans einem der Fenster genommen, um es dem Milchverkäufer ober bem Bäcker zu ermöglichen, ihre Waare abzuliefern, ohne bie Hausbewohner in ihrem Schlummer zu stören. Diese Dienerinnen werden gut bezahlt- man sagt ihnen jedoch nach, daß sie gewohnheitsgemäß Speisereste nebst Obst und Back­werk mit zu ihren Freunden nehmen, um diesen davon eine gute Abendmahlzeit aufzutischen. (Aehnliches kommt auch wohl anderwärts vor.) Dabei plagen sie sich keineswegs übermäßig mit Arbeit- selbst wo zwei bis drei Frauenzimmer zur Hilfe in einer Familie sind, muß noch eine andere Person zum Waschen kommen, und selten wird im Haus gebacken. Meistens sind es Farbige, die so in Dienst gehen- sie werden den Weißen vorgezogen, weil diese oft sich in noch höherem Grade unangenehm und fehlerhaft zeigen.

In unfern Südstaaten hatten es vor dem Kriege die Hausfrauen leichter in Bezug auf Bedienung- das heißt in mancher Beziehung. Die natürliche Trägheit der Negerinnen, ihr Mangel au Ordnungssinn, ihre Vergeßlichkeit wird den Herrinnen wohl auch zu schaffen gemacht haben. Manche Gewohnheiten der schwarzen Köchinnen, zum Beispiel daß sie alle möglichen Dinge in ihren großen Kleidertaschen zu tragen pflegten, als da sind: eine Museatreibe und einen Frisir- kamm, eine Citrone und ein Stück Seife, ein Papierchen mit Pfeffer und ihren vielgebrauchten irdenen Pfeifenstummel, möchten wohl keiner Hausfrau in Nord ober Süb gefallen. Aber bie südliche Haushälterin hatte ein halbes Dutzeub zur Hülfe, wo bie nörbliche nur eine Person hat- bie Selavinnen würben von Kinbheit auf in einem besonderen Zweig der Hausarbeit unterwiesen und setzten einen gewissen Stolz darin, wenn sie sich auszeichneten und belobt wurden. Niemand be­eilte sich in südlichen Haushaltungen, weder die Herrschaft, noch die Bedienung- in behaglichster Weise verliefen auf den breiten Veranden vor den Küchen die Vorbereitungen für die Mahlzeiten, das Rupfen des Geflügels, Verlesen von Ge­müsen- und die anderen Arbeiten des Haushalts wurden da auch verrichtet, Waschen und Bügeln, Kleider und Teppiche klopfen, dazwischen tummelten sich die kleinen Wollköpfe, und die altenMammys" saßen im Schaukelstuhl dabei. Das Lochen und Schäkern, Plaudern und Singen schien durch die Arbeit kaum unterbrochen zu werden. Die jungen Neger­burschen und die altenOnkel", die zwischen dem Hause und Hof nebst Stallung eifrige Verbindung unterhielten, trugen ihr gutes Theil zu der allgemeinen Gemüthlichkeit bei. So verhielt es sich oft mit der Hausdienerschaft, bie nur unter bem Seepter einer hoch meistens feiner unb nachsichtigen Familie staub - anders war es auf dem Felde unter der Fuchtel des Aufsehers. Jetzt machen auch wohl die Haus­frauen im Süden bittere Erfahrungen durch- alte Neger-