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i in Gießen.
SamsMß bt« 12. Juni.
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Rückert.
Bescheidenheit, ein Schmuck des Mann's, steht Jedem fein,
Doch doppelt Jenem, der Grund hätte, stolz zu sein, fcta. - - -
Das sind die Weisen,
Die durch Jrrthum zur Wahrheit reifen.
Die bei dem Jrrthum verharren,
Das sind die Narren. Rückert.
Das Kind der Tänzerin.
Roman aus dem amerikanischen Leben von Joseph Treumann.
(Fortsetzung.)
Die Dame fuhr plötzlich zusammen,- sie wurde leichenblaß — eine unbeschreibliche Angst malte sich auf ihrem schönen Gesicht- sie schlang den Arm um das liebliche Kind an ihrer Seite und rief dem Kutscher zu: „Schneller fahren!"
Die muthigen Thiere zogen rasch an, und bald verlor sich der glänzende Landauer unter dem Wagengewühl.
Ohne zu wissen, was ich that, lief ich dem Wagen nach und rief verzweifelt aus: „Halt! Halt!"
Niemand achtete auf meinen Ruf. Ich gerieth unter ein Gewirr erbarmungsloser Räder- Pferdehufe klirrten rings um mich her. Jemand rief mir eine Warnung zu- ich glaube, es war der junge Mensch, der mir das Geld gegeben hatte- ich achtete jedoch nicht auf seine Stimme.
Der Landauer entfernte sich immer weiter- ich vermochte ihn kaum noch zu sehen. Noch eine verzweifelte Anstrengung machte ich, ihn einzuholen. Mit lautem Aufschrei streckte ich den Arm aus, als ich plötzlich zur Erde niedergeschmettert wurde. Hufe und Räder gingen über mich hin — es schien, als ob mein dürrer Leib zu Brei zerquetscht werden sollte.
Der Erste, der mir zur Hilfe herbeieilte, war der gut- müthige Jüngling - er zog mich unter den Hufen der Pferde hervor, und ich hörte ihn sagen: „Sie ist arg verletzt, das arme Geschöpf!"
Eine andere Stimme antwortete in gereiztem Ton: //Es ist ihre eigene Schuld- den Kutscher trifft kein Vorwurf."
„Wir müssen sie nach dem Hospital bringen. Gott sei Dank — da biegt eben eine Ambulanz in die Straße ein!"
„Haltet die Kutsche an!" rief ich mitten in all meiner
Qual- „die Equipage mit der Dame und — dem kleinen — Mädchen —"
Dies waren die letzten Worte, die ich hervorbringen konnte, dann schwand mir das Bewußtsein.
9. Capitel.
Ein Blatt aus dem Tagebuche einer Tänzerin.
Nach einer Abwesenheit von sechs Jahren befinde ich, Iris Greylock, mich wiederum in New - Uork, das so viele schreckliche Erinnerungen in mir wachruft und das ich in meinem Leben nie wieder sehen zu müssen hoffte. Ich war genöthigt, meine letzten Schmucksachen zu verkaufen, um die Reise von New-Orleans zu bestreiten, meine Juwelen, die Trophäen so vieler errungener Triumphe. Das Herz blutete mir, als ich mich davon trennen mußte- allein ich brauchte Geld.
Es find jetzt zwei Jahre verflossen, seitdem mein Elend begann. Während dieser ganzen Zeit habe ich Hannah Johnson nicht einen Dollar Lohn bezahlt- dennoch harrt sie bei mir aus, nicht sowohl aus Liebe zu mir, als vielmehr, weil sie auf eine nachträgliche Entschädigung hofft, wenn ich das harte Geschick, das mich jetzt niederbeugt, überwunden haben werde. Werde ich es je überwinden?
Wir haben in einem unscheinbaren Viertel ein Kosthaus bezogen, in welchem der Tisch herzlich schlecht und die ganze Umgebung verdächtig ist. Arm und zugleich wählerisch sein ist ein doppeltes Unglück. Ich finde keine Worte, um meinen Abscheu auszudrücken, in welcher Gestalt sie sich auch offenbaren möge- seit ich Luxus und Wohlleben gekostet habe, ist meine Abneigung gegen Entbehrungen um das Hundertfache gestiegen. Wahrhaftig, ich vermag dieses Leben nicht länger zu ertragen, es muß etwas geschehen!
Ich habe Hannah heute nach einem Wagen ausgeschickt - wir sind dorthin gefahren, wo ich einst mit dem armen Robert lebte und litt. Dort, so dachte ich bei mir, werde ich sicherlich Auskunft über unser Kind erhalten.
Ein Dolchstich drang mir durch das Herz, als wir in die Straße einbogen, und ich bemerkte, daß das Haus, in dem wir gewohnt, verschwunden. Es war niedergerissen worden, um einem großen Geschäftslocal Platz zu machen. Arbeiter waren noch damit beschäftigt, den Schutt und die Trümmer hinwegzuräumen.
Meine ehemalige Wirthin und ihre Dienerin Martha — wo waren sie? Vergeblich suchte ich die Arbeiter nach ihnen auszufragen. Ich hinkte in der ganzen Nachbarschaft umher, in der Hoffnung, Auskunft zu erhalten, doch Alles war vergeblich. Muthlos und niedergeschlagen ließ ich mich von


