Nitz in allen Dingen ist bekanntlich der erste Schritt zu ihrer Besserung.

Nun giebt es ja allerdings eine ganze Anzahl von Frauen, die Haus und Kinder versorgen und daneben allerlei Liebhabereien in beruflicher, gewerblicher, literarischer oder künstlerischer Beziehung betreiben, ohne daß von ihnen gesagt werden könnte, sie vernachlässigen irgend eine Familien- oder Berufspflicht. Die letztere nämlich deshalb nicht, weil ihnen der Beruf als solcher nur angenehme Aussüllung ihrer freien Zeit ift, die erstere darum nicht, weil sie vielleicht unbewußt alles Andere in den Hintergrund treten lassen, so lange in ihr etwas zu thun übrig bleibt. Zu solchen Frauen gehören alle die, welche entweder vgn ihren Männern genügend er­nährt werden, sich aber noch etwashinzuverdienen", oder die, welche die Einnahmen ihres Vermögens etwas steigern wollen. Daß diese beiden Klassen von Frauen nicht com- petent sind, in der Frage mitzusprechen, liegt auf der Hand. Ich frage jede Lehrerin, Aerztin, Juristin, Schriftstellerin, Arbeiterin oder was immer sie sein mag, die einem Hause vorzustehen, Kinder zu erziehen hat und ihrem Beruf aus Roth oder Freude ihre ganze Zeit widmen muß, ob das Eine oder Andere, die Haushaltung oder der Beruf, oder bald das Eine, bald das Andere nicht in der Weise erfüllt werden kann, wie sie es gerne möchte. Es gab auch für mich einmal eine Zeit, in der ich über alle Bedenken hinaus­sprang mit der oft gehörten Rede: Man muß sich eben ein­zurichten wissen, Alles liegt an der Organisation- man muß den Dienstboten die Befehle richtig ertheilen und jeder Arbeit die streng geregelten Stunden zuweisen. Aber ich habe nicht gewußt, bis die große Lehrmeisterin Erfahrung kam, daß sich die Pflege und Erziehung von Kindern nicht an gewisse Stunden binden läßt und sobald man diesen gewissenhaft nachgeht, der Beruf in zweite Linie tritt. Nach solch' ge­wonnener Erkenntniß tröstet man sich dann wohl, daß die Kinder größer, die Haushaltung einfacher und die Erziehung demnach mit den Jahren weniger zeitraubend werden, um sich abermals getäuscht zu finden un) schwerere Conflicie als je zuvor durchzumachen. Die Ansprüche der Kinder nämlich an die Zeit und Hingabe der Mutter wachsen mit den Jahren und endigen erst, wenn die schönste Lebenszeit für eine Frau mit dem Zeitpunkt, wo sämmtliche Kinder das Haus verlassen haben, unwiederbringlich verloren ist- dann allerdings hat auch eine verheirathete Frau, sofern wenigstens ihr Mann und sie getrennte Wege gehen, Zeit für ihre Berufsarbeit, aber mit bitterem Weh wird sie an die Stunden zurückdenken, in denen sie sich ihren Kindern entzogen, diese nicht mit der Wärme ihrer stets gegenwärtigen Liebe umgeben und sich um die reinste Freude eines Frauenlebens gebracht hat. Was verstehen denn davon alle die Kinderlosen und Unverheiratheten, die in der Regel an der Spitze der Frauenbewegung stehen? Und was verstehen davon die glücklichen Frauen, die nie etwas Anderes gekannt haben, als sich an ihrem F.>milien- glück zu sonnen? Was man ununterbrochen hat, wird bekannt­lich nie genug geschätzt, erst im Verlust gehen dem Menschen die Augen auf. Darum dürfte es auch wohl am Platze sein, die Hausfrauen und Mütter wieder einmal an ihre Güter zu erinnern und ihnen gegenüber den verlockenden Vorstellun­gen von Freiheit und Selbständigkeit in der Berufsausübung zu Gemüth zu führen, welche anderen Werthe sie damit aus­geben.

Auch die öeonomische Frage, betreffend die Besserstellung der Familie infolge der Ausübung eines Berufes seitens der Ehefrau, ist nicht ohne weiteres zu bejahen- auch hierin giebt man sich colossalen Täuschungen hin. Statt Dogmen auf­zustellen, citire ich ein lypisches Beispiel 'aus meinem näheren Freundeskreise: Der Mann war Telegraphenbeamter mit kärg­lichem Salär und großer Schuldenlast, die er von seinem verstorbenen Vater übernommen hatte, die Frau Bureau- Angestellte. In den ersten Jahren ihrer Ehe wurden die

kleinen Kinder sofort nach ihrer Geburt bei Verwandten versorgt, damit die Frau weiter verdienen könne. Trotz alledem wurde das Fortkommen nicht besser, die Schuldenlast nicht kleiner, bis die Mutter bei der Entdeckung, daß ihr dreijähriges, von einer eitlen Tante in zu enge Kleider ge­stecktes Kind zum Krüppel werden würde, die drei Kinder sämmtlich nach Hause nahm. Mit dem Verdienen war es nun allerdings aus, allein die Tüchtigkeit der Frau, ihr vor­züglich gepflegtes Heim, die gute Küche und die Freude an den Kindern "machten dem Mann sein Haus behaglicher als je zuvor, er avaneirte und trotz Vermehrung der Familie um zwei weitere Kinder waren die Schulden nach einigen Jahren bezahlt und ein kleiner, wenn auch ganz bescheidener Wohlstand bei den Leuten eingezogen. Freilich machte die Frau auch das Unmögliche möglich an Eintheilen, Sparen, Schneidern, Flicken und dergleichen, aber es ging, und nie mehr habe ich so fröhliche Menschen in kleinlichster Ein­schränkung gesehen.

Da plagte die Großmannssucht den Mann. Wie so viele, meinte er, was seine Frau leiste, sei eigentlich keine Arbeit, wäre sie nur Geschäftsfrau wie Andere, die jährlich Tausende einheimsten, und er nahm die dreitausend ersparten Mark, um ein Geschäft für feine Ehefrau zu kaufen. Jetzt stand die Frau den ganzen Tag im Laden, die Kinder waren in der Schule, Abends aber mochte Keines in der verödeten Wohnung zurückbleiben, sie hielten sich im Geschäft und auf der Straße auf, es tarnen Dienstboten und Näherinnen in's Haus, das Hauswesen verlotterte, der Mann war Abends im Wirthshaus, die Kinder wurden immer roher und un­gezogener und die Frau starb nach zwei Jahren an Ueber- hetzung und Ueberarbeitung. Heute besteht die Familie aus lose zusammenhängenden Mitgliedern, einem vergrämten Vater, ungeratenen Söhnen und zankenden Töchtern. Kein Mensch würde glauben, daß hier einmal eine so schöne Harmonie und innige Zufriedenheit geherrscht habe.

Weiter habe ich, auf die Gefahr hin, infolge dieser Warnung von den Frauenrechtlerinnen persönlich verunglimpft zu werden, nichts zu sagen, als daß meine Erfahrungen sich nicht auf mangelnde Kennintß der Haushaltungskünste zurück­führen lassen. Meine vortreffliche Mutter gehörte zu den Frauen, die ihren höchsten Stolz darein setzen, ihre Töchter zu tüchtigen Hausfrauen heranzubilden, und da ich zufälliger­weise Hausfrau und Mutter war, bevor ich die juristische Laufbahn ergriff, so hat die letztere mein hausfräuliches Können nicht beeinträchtigt.

Humoristisches.

AusLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Abonnement 1,30 Mk. vierteljährlich. Einzel­nummer 10 Pfg. Unmöglich.Ich sage Ihnen, Frau Gräfin, Fräulein Schultze ist reizeno. Sie hat einen so feinen Teint, daß man jedes blaue Aederchen sieht!"Blaue Aederchen! Herr Baron! Wie können Sie nur so was sehen bei einer Schultze!" Richtiger Schluß. Erste Tän­zerin:Wieder ein Liebesbrief?" Zweite Tänzerin:Ja, von einem unbekannten Anbeter. Warum er nur anonym geschrieben hat?" Erste Tänzerin:Wohl um anzudeuten, wie namenlos er Dich liebt." Ehrliche Leute. Potz Element, hört mal, Carl ist cingesperrt worden, weil er einen Rock gestohlen hat!"Geschieht ihm ganz recht - konnte er nicht einen Rock kaufen und ihn nicht bezahlen, wte andere ehrliche Leute es thun?" Unverfroren. Ches: Was wollen Sie schon wieder, Sie Unverschämter! Habe ich Sie nicht eben erst hinausbringen lassen!" Weinreisender: Na, das war wegen dem rothen Wein, jetzt komme ich wegen

Redaction: 8L Echeyda. Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in ® 6