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Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kohlrausch.

(Fortsetzung.)

Endlich war er fertig, die Polizeileute hatten auch die zurückgelassenen Kleidungsstücke noch an sich genommen, der Marsch konnte beginnen. Der Führer mit einem der Be­amten setzte sich an die Spitze, Neuert folgte, zwei Mann gingen hinter ihm. So bewegte sich der Zug aus dem Zimmer hinaus, die Treppe hinunter in ruhigem, gleichmäßigem Tempo. Nur einmal, auf einer der Treppen, machte Neuert für einen Augenblick Halt und klammerte sich an das Geländer an, als verließen ihn die Kräfte. Rasch aber raffte er sich wieder empor und ging weiter, doch war zwischen ihm und den : beiden Vordermännern, fast ohne daß sie es bemerkten, ein

Zwischenraum von einigen Schritten entstanden.

So hatte der Verhaftete mit seinen Hütern das erste Stockwerk des Hauses erreicht, als dicht an einer Thür, die in einer Vertiefung der Wand lag, Neuerts Hand ein Gegen­stand entglitt, der mit hartem Klang auf dem Boden aufschlug. Was ist da gefallen?" fragte der führende Beamte, indem er stehen blieb.

Er hat etwas von sich geworfen," rief einer der hinter Neuert befindlichen Polizisten.

Suchen Sie," lautete der Befehl, der als Antwort kam, undSuchen Sie doch!" klang es wie ein lautes, höhnisches Echo aus Neuerts Munde, so laut, daß es selbst den Commando- ton des führenden Mannes übertönte. Aber als wäre dieses Wort ein Signal für eine unsichtbare Kraft gewesen, so öffnete sich unmittelbar darauf leise die Thür in der Vertiefung der Wand, und während einer der Polizisten mit niedergesenktem Licht am Boden umhersuchte, stieß Neuert einen anderen, ; der sich unmittelbar neben ihm befand, mit wohlberechneter Bewegung vor die Brust, daß er-zurücktaumelte und schlüpfte i gewandt in den dunklen Spalt hinein, der sich hinter ihm schloß.

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icht Jeder, der ein Pferd besteigt, Ist darum schon ein Ritter;

Nicht jede Phrase, hohl und seicht, Schon einGedankensplitter".

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Elftes Capitel.

Wildes Rufes und Fluchen erhob sich unter den Be­trogenen, das sich nur verstärkte, als sie in dem fortge­worfenen Gegenstand ein bedeutungsloses Metallstück erkannten. Sie rüttelten an der schweren, eichenen Thür, durch die Neuert verschwunden war, und die sich nun fest verschlossen zeigte, während sie einander in laut ausgestoßenen Verwünschungen und Vorschlägen zur Verfolgung überboten. Der Lärm der Männer auf dem Corridor ließ endlich Frau Henninger aus ihrem Zimmer hervorkommen und fragen, was geschehen sei.

Ein Verbrecher ist uns entwischt, hier durch diese Thür. Wohin führt sie?" Wir müssen ihn wieder haben."

Die Thür führt auf eine Nebentreppe, die aber nur nach unten, nicht nach oben geht. Er kann schon ans dem Hause sein, wenn Sie sich hier aufgehalten haben."

Das wäre das Beste, was er hätte thun können. Dann wäre er unserem College» unten in die Hände gelaufen. So dumm sind wir nicht, ein Haus ohne Wache zu lassen."

Ohne ein weiteres Wort stürmten die Männer die Treppe hinunter, während die Lichter, die sie hielten, einen wechselnden, ermattenden Schein in das Geschoß zurückwarfen, das sie eben mit ihrem geräuschvollem Suchen erfüllt hatten. Auf die Straße hinaus trugen sie Lärm und Hast und vermehrten das laute, wilde Treiben da draußen. Denn Frau Henninger hatte recht prophezeit, und richtig hatte der Polizeibeamte geantwortet. Neuert war über die Nebentreppe zum Aus­gang des Hauses gestürzt und hatte die Freiheit zu gewinnen geglaubt, indem er die Straße gewann. Er hatte keine Wache vor dem Hause vermuthet und war zurückgeprallt beim An­blick des Polizisten. Aber das Glück schien ihm günstig, denn der draußen Postirte, ein hübscher, strammer Mensch, der als Mädchenjäger galt, hatte auch jetzt wieder, seinen braunen Schnurrbart durch die Finger wirbelnd, mit einem der Dienstmädchen von gegenüber kokeltet und stand abge­wandt von der Hausthür, als Neuert herauskam. Ein Schrei des Mädchens aber, das vor dem wild Hervorstürmenden erschrak, machte ihn auf seine Pflichtversäumniß aufmerksam, und durch doppelten Eifer in der Verfolgung suchte er jetzt wieder gut zu machen, was er verfehlt hatte.

Die Jagd begann. Eine tobende, erbarmungslose, athemlose Jagd von Mensch auf Mensch. Durch die Schatten des feuchten Abends ging sie dahin, es hatte zu regnen aufgehört, aber ein schwerer, weißlicher Dunst hing noch in der Luft, unter den Laternen hinweg, die für einen Augenblick die vorüberhastenden Gestalten mit einem blitzgleich aufleuchtenden und wieder verschwindenden Schimmer über«

Gießm.