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ich zeitig nach Hause reiten muß und in so angenehmer Gesell« schäft würde das sehr schwer fallen."
Thelen war starr. Der Dienst am folgenden Tage war weder streng noch fing er früh an, und Alfred gehörte doch sonst nicht zu Denen, die es mit dem Opfer von ein paar Stunden Schlaf so genau nehmen. Was war es nur? Be- traf es Ilse? Doch Fred hatte sie offenbar vorher noch gar nicht gekannt! Räthselhaft, höchst räthselhüft!
Da weckte ihn des Landraths Stimme aus seiner Versunkenheit.
„Thelen, hören Sie nicht? Mein Freund fragt, ob Sie mitkommen?"
„Mit dem größten Vergnügen, wenn die Damen ge« statten."
Am Schluß des Concertes trennte man sich und Rheinsberg beeilte sich, den Stall zu erreichen, wo die Pferde eingestellt waren, denn er wollte nicht mit den Kameraden zusammentreffen.
Also das war die kleine Seltikoff, wie der Onkel sie genannt, die Erbin, mit deren Geld er versuchen sollte, seine zerrütteten Vermögensverhältnisse wieder aufzubessern? Und war es denn etwas gar so Schreckliches, wenn er dem Rathe des Onkels folgte? Wurden solche Ehen nicht täglich geschlossen? Und auf seiner Seite war doch auch etwas einzusetzen, Familie, Stellung, Aussicht auf eine gute Carriore, denn er wurde von seinen Vorgesetzten als tüchtiger Offizier anerkannt. Zudem war der alte Herr ihm so liebenswürdig entgegengekommen!
Vielleicht war er doch ein Narr, daß er die Einladung nicht angenommen. Hätte nur der Onkel nichts geschrieben, dann hätte sich Alles ganz natürlich gemacht, er hätte Thelen begleitet, gern begleitet, denn Ilse hatte ihm auf den ersten Blick schon gefallen. Sie entsprach ganz dem Ideal, das ihm von seiner zukünftigen Frau vorschwebte, diese ruhige, vor» nehme Erscheinung, das ernste Wesen, die elegante Einfachheit, so ganz verschieden von Hedwigs modischem Chic! Und dann das Gesicht! Was war dem Onkel nur eingefallen, dieses Mädchen „nicht gerade hübsch" zu nennen? Sie war ja eine Schönheit! Freilich, der Geschmack war ja verschieden und wer zum Beispiel an Fräulein von Altens pikanten Zügen und niedlichem Figürchen Gefallen fand, dem mochte vielleicht Ilse Selikoffs Erscheinung weniger zusagen. Aber nach seinem Geschmack war sie ganz entschieden!
Unter solchen Gedanken hatte er Jckstädt erreicht und zog sich sogleich in seine Wohnung zurück; denn wäre er noch in's Casino gegangen, so hätten ihn dort wahrscheinlich die Käme- raden festgehalten; und er wollte heute Abend mit sich allein sein- Er mußte einen Entschluß fassen, was werden sollte. Aber es gelang ihm yicht, sich zu entscheiden, so lange er auch grübelte, und endlich legte er sich nieder in der Hoffnung, daß die Nacht vielleicht Rath bringen werde.
Schon ziemlich früh am anderen Morgen kam Curt zu ihm, um sich nach dem Grunde seines sonderbaren Benehmens von gestern zu erkundigen.
„Was hat Dir nur das Mädel gethan?" fragte er. „Ich begreife Dich nicht- Ein Anderer wäre froh, wenn er dort eingeführt würde, der lange Heinz und der lachende Baumbach haben mich schon heute Morgen darum gebeten, — und Du schlägst die Einladung aus, die Dir in den Schooß fällt. — Was soll das nur heißen?"
„Wie kommst Du auf dis Idee, daß meine Weigerung mit dem Fräulein zusammenhängt? Ich war einfach verstimmt, taugte nicht zum Gesellschafter, und so zog ich es vor, nach Hause zu gehen."
„Nun, die Idee lag nicht fern, denn Du behandeltest ja Ilse kaum mit der nöthigen Höflichkeit."
„Aber ich bitte Dich — wie Du übertreibst, Curt!"
„Na, darf man denn vielleicht wissen, was der Grund Deiner schlechten Laune war? Der Brief vom Onkel?"
„Allerdings. Aber ich kann es Dir jetzt nicht erklären. Wie ich Dir schon gestern sagte; vielleicht erzähle ich Dir'» gelegentlich einmal."
„Apropos, Onkel Brockdorff, er ist es eigentlich, der äü der gestrigen Einladung schuld war; er ist mit Seltikoff sehr befreundet und hat ihm gesagt, daß Du hier bei den Dragonern stehst. Muß Dir übrigens ein großartiges Zeugniß ausgestellt haben, denn der Alte bedauerte sehr lebhaft, daß Du nicht mitgekommen, hofft aber, Dich recht bald bei sich zu sehen."
Alfred schien einen Augenblick nachzudenken. „Wann reitest Du wieder hinüber?" fragte er dann.
„Altens wollen übermorgen hin; es ist großes Zauberfest im Curgarten und dann hat der Landrath Seltikoff» und meine Wenigkeit zum Souper im Schwedenhof gebeten- Hedwig bleibt wahrscheinlich ein paar Tage dort, sie ist ganz glücklich, mit ihrer Ilse zusammen sein zu können."
„Woher kennt denn Fräulein von Alten eigentlich die junge Dame?"
„Die Beiden waren zwei Jahre zusammen in der Pension und haben dort große Freundschaft geschloffen. Ich habe Ilse gestern zum ersten Male gesehen, muß aber sagen, daß sie mir sehr gut gefällt, wenngleich —"
„Sie lange nicht an Fräulein Hedwig von Alten heranreicht," schloß Rhemsberg lachend den angefangenen Satz. „Da muß ich doch auch einmal genauere Vergleiche anstellen. Ich werde also übermorgen mit nach Ludwigsbad reiten; sieh mal zu, ob Du mir bei Deinem künftigen Schwiegervater eine Einladung zum Souper erwirken kannst."
„Na, das versteht sich doch von selbst, alter Freund, und überdies kann ich Dir die Versicherung geben, daß Du drüben willkommen bist."
„Bei wem?"
„Nun, bei — dem alten Seltikoff natürlich."
Und damit verabschiedete sich Curt lachend, während Alfred nachdenklich zurückblieb. Ob er recht daran that, wenn er sich in die gefährliche Nähe der schönen Ilse begab? —
* *
Das Zauberfest in Ludwigsbad verlief glänzend. Alfred von Rheinsberg, der zu dem Souper im Schwedenhof die versprochene Einladung erhalten hatte, saß heute neben Ilse und die Vergleiche, die er, wie er Curt gesagt, zwischen den beiden jungen Mädchen anstelle» wollte, mußten wohl ganz zu Gunsten von Fräulein Seltikoff ausgefallen sein, denn er widmete sich ihr mit all' der Liebenswürdigkeit, die ihm in so reichem Maße zu Gebote stand. Und Ilse schien seine Aufmerksamkeiten nicht ungern hinzunehmen, während ihr Onkel dieselben offenbar begünstigte. Ja, als das Souper beendigt war, schlug er sogar vor, sie wollten noch ein wenig zur Reunion in's Curhaus gehen.
„Die jungen Leutchen tanzen gewiß gern noch ein paar Mal herum und wir Alten sehen dem lustigen Treiben zu," meinte er.
Der Landrath sträubte sich zwar anfänglich, aber Hedwig verstand es wie immer, ihn zu überreden.
„Hast wohl wieder einmal vergessen, daß Du auch juna warst, Papachen?" fragte sie schmeichelnd und als Herr von Alten sich b-reit erklärte, ihr den Willen zu thun, da nannte sie ihn mit so drolliger Geberde ihren „lieben alten Brummbär", daß sie Alle herzlich lachten und er mit.
Am nächsten Tage beim Mittagessen im Castno neckten die Kameraden Rheinsberg mit seiner Eroberung.
,ir „Stehst Du, Langer," sagte der Centaure, „hast Dich überholen lassen von dem da und ich glaube kaum, daß Du ihn vor'm Ziel noch einkriegst." P
»Werd's auch gar nicht versuchen," entgegnete Selten, „wo der schöne Fredi antrltt, da ist für Unseretnen kein Platz mehr."
„Na, ich muß sagen," lachte Baumbach, „mir gefiele Rheinsberg auch besser als Du und was die Dame anbelangt —"
„So bitte ich, sie aus dem Spiele zu lassen," fiel Alfred sehr bestimmt ein.
«Oho, oho, find wir schon so weit?"


